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Was wird aus der Biergartenperle?

Früher pulsierte das Leben im Saal der Kamenzer Lindenterrasse. Heute lagert die Stadt hier etwas ein. Ein historischer Streifzug.

© René Plaul

Von Ina Förster

Kamenz. Die Lindenterrasse in Kamenz ist dieser Tage in vieler Munde. Die dazugehörige ehemalige Kegelbahn wurde an privat verkauft. Und Familie Wendt haucht dem Areal derzeit fleißig neues Leben ein. Der Imker hat genügend Platz und Raum für sich und seine Bienen gefunden (SZ vom 15. Juli). Das ist erfreulich und vor allem alt eingesessene Kamenzer erinnern sich wieder an frühere Freuden, die man hier genoss. Denn die Lindenterrasse war das Ausflugslokal am Rand der Stadt schlechthin. Vor allem als Biergarten machte das Haus über die Grenzen der Lessingstadt von sich reden. Etwas Geschichte gefällig?

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Mit dem Hutberg im „Nacken“ musste man nicht lange auf Gäste warten.
Mit dem Hutberg im „Nacken“ musste man nicht lange auf Gäste warten. © PR
Glanzvolle Zeiten an der Kamenz-Königsbrücker Chaussee. Die Linden sind auf dieser Postkarte noch ganz jung.
Glanzvolle Zeiten an der Kamenz-Königsbrücker Chaussee. Die Linden sind auf dieser Postkarte noch ganz jung. © PR
Diese historische Postkarte zeigt auch einmal ein bisschen Innenleben – Ballsaal und Kegelhalle.
Diese historische Postkarte zeigt auch einmal ein bisschen Innenleben – Ballsaal und Kegelhalle. © PR

Bereits 1866 gibt es einen Eintrag, dass die Restaurationen einen „neuen Eigentümer“ bekommen hatte – Johann Christian Neumann. Dies ist die erste vorhandene schriftliche Erwähnung. Der Restaurateur aus Kamenz verkaufte dem Bäcker Friedrich Herrmann Ehlemann aus Arnsdorf allerdings schon 1880 die an der „Kamenz-Königsbrücker Chaussee“ gelegene Restauration „Zum guten Moritz“. Freilich mit der Realberechtigung, Bier, Branntwein und Kaffee zu schenken sowie kalte und warme Speisen zu verabreichen inklusive aller sonstigen Rechte und Gewohnheiten. Auch das Inventar gab‘s beim Verkauf obendrauf. Alles, „was darin und daran, erd-, wand-, band-, wied-, niet-,nagel- und wurzelfest war“. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes 1890 sei das Lokal ein sehr beliebter Treffpunkt der Sozialdemokraten gewesen. Und auch der „Kamenzer Turnverein 1846“ nutzte den vorhandenen Saal gern zum Abhalten seiner Übungsstunden.

Ab 1908 gehörte das Haus dann Emil Karl Adolf Piwonka. Der Glasmacher stammte aus Annahütte. Und taufte die Gaststätte gleich einmal um. Aus dem „Guten Moritz“ wurde die heutige „Lindenterrasse“. Woher man das weiß? Piwonka inserierte im Kamenzer Tageblatt Folgendes: „Lindenterrasse: Montag, zum Geburtstag seiner Majestät des Königs, abends 7 Uhr an: Öffentliche Ballmusik mit Kaffee-Visite, wozu die geehrten Damen und Herren freundlichst einladte Emil Piwonka!“ Getanzt und gefeiert wurde in der Lindenterrasse wohl öfter. Auch schon mal draußen. Im Juli 1921 hieß es beispielsweise: „Heute Sonntag zum Schützenfest von 4 Uhr an: Feiner Ball. Empfehle meinen schönen Garten zu angenehmem Aufenthalt. Um gütigen Zuspruch bitten Emil Piwonka und Frau.“ Wie nett …

Sanierung in Aussicht?

Zwischen 1938 und 1941 wurde dann die bereits vorhandene Kegelbahn erweitert und ausgestaltet. Ein Kleinkaliber-Schießstand kam später noch hinzu. Sohn Arnold übernahm die Geschäfte 1941. Das Haus blieb im Besitz der Familie. Der letzte Wirt, Günter Nitzschmann, betrieb mit seiner Frau – einer geborenen Piwonka – die Gaststätte in HO-Kommission. Bis 1973. Ab da stand sie verwaist. Und es ging bergab. Zwei Jahre später kaufte die Stadt Kamenz das Grundstück mit Gaststätte, Kegelbahn, Anbau und Hinterhaus. Eigentlich wollte sie die inzwischen geschlossene Restauration wiedereröffnen und einen Jugendklub einrichten. Irgendwie ging das allerdings nicht richtig voran. Der Zentrale Jugendklub bemühte sich zwar in den Jahren 1978 und 1979 um den Ausbau der Lindenterrasse. Ein Erfolgskonzept schien man allerdings nicht gehabt zu haben.

Es kam, wie es kommen musste: 1999 geht der Grundbesitz in die Verwaltung der Treuhand über. Noch drei Jahre dauerte es, bis ein Privatier das Gelände kauft. Gekegelt, gefeiert oder erholt wird da schon lange nicht mehr. Der neue Besitzer hatte zwar hochtrabende Ziele, wollte sogar eine Biker-Bar mit Saal und Bühne errichten, doch auch daraus wurde nichts. Das Areal verfiel und wurde langsam zur Ruine. Ein paar Jahre wohnte der Besitzer sogar in der Kegelhalle. Grellgelbe Wände und viel Schrott und Müll erinnerten nach seinem Tod daran.

Platz fürs Mobiliar

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Genau vor drei Jahren kaufte die Stadt Kamenz nun die ehemalige Lindenterrasse zurück. Man wollte das lange leer stehende Gelände wohl auch sichern. Vor Kurzem wurde wenigstens die ehemalige Kegelbahn an den Mann gebracht. „Und für den im Eigentum der Stadt Kamenz verbliebenen Teil des Grundstückes Königsbrücker Straße 61, den ehemaligen Saalbau, besteht seitens der Stadt Kamenz derzeit Eigenbedarf. Hier wird Stadtmobiliar, wie Marktstände, Bänke und so weiter untergestellt“, heißt es aus dem Rathaus. Auch größere Dinge aus dem Fundbüro lagern vor Ort. Sieht so die Zukunft der Lindenterrasse aus? Vielleicht. Die Stadt Kamenz möchte im Zuge der Haushaltsplanung 2017 jedenfalls die Sanierungsmöglichkeit des Gebäudes prüfen. Ein Lichtblick!