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Widerstand gegen Straßenbau

Die Innere Weberstraße in Zittau soll umgestaltet werden. Das kritisieren Händler und Anwohner in einem offenen Brief. Sie stört vor allem ein Punkt.

Bärbel Michel hat unter den Händlern und Anwohnern der Inneren Weberstraße Unterschriften gesammelt. Sie fordern eine andere Planung bei der Straßensanierung.
Bärbel Michel hat unter den Händlern und Anwohnern der Inneren Weberstraße Unterschriften gesammelt. Sie fordern eine andere Planung bei der Straßensanierung. ©  Rafael Sampedro

Eigentlich soll die Sanierung der Inneren Weberstraße in Zittau in Kürze beginnen. Doch die Kritik an dem Projekt wird immer lauter. Mit einem offenen Brief haben sich Geschäftsinhaber, Anwohner und Hausbesitzer an die Stadt gewandt. Die vorgesehene Umgestaltung werde der Straße ihrer Meinung nach nicht gut tun. Sie gehe am tatsächlichen Bedarf vorbei. Einwände und Vorschläge aus der Bürgerschaft habe in der Planung keine Berücksichtigung gefunden, so ihre Kritik. 

Was nutze eine sanierte Straße, wenn es danach keine Geschäfte mehr gebe, meint Bärbel Michel, Inhaberin des Wäsche- und Strickmodengeschäftes. "Wir wollen eine belebte Stadt haben, keine tote", findet sie klare Worte. Sie will es nicht dabei belassen, initiierte vielmehr auch eine Unterschriftensammlung. 32 Unterschriften kamen zusammen. Diese übergab Frau Michel nun der Stadt.

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Kritisiert wird von den Unterzeichnern vor allem die Reduzierung der Parkplätze. Von den jetzt rund 40 Stellflächen sollen nach der Sanierung 19 übrig bleiben. Geparkt werden soll künftig nur im oberen Abschnitt der Inneren Weberstraße vor Intersport Kunick sowie im unteren Abschnitt zwischen Innerer Oybiner Straße und Poststraße. Die Geschäftsinhaber und Hausbesitzer befürchten dadurch wirtschaftliche Schäden. Die Kunden bleiben, so ihre Angst, einfach weg, wenn sie nicht vor oder zumindest in der Nähe eines Geschäftes parken können. Auch die Anlieferung der Läden werde erschwert.

Parksituation schon 2018 heiß diskutiert

Die Parksituation war bereits 2018 heiß diskutiert worden. Damals hatte die Stadt die Planungen für die Umgestaltung der Straße der Öffentlichkeit erstmals präsentiert. Schon in den ersten Planungen war eine deutliche Reduzierung der Parkplätze vorgesehen.

Nach Protesten der Händler hatte die Stadt die Planung damals etwas abgeändert. Auch der Parkbereich sollte bis etwa in Höhe der Hausnummer 24 verlängert werden. Von einer Verlängerung ist im aktuellen Plan keine Rede mehr. Angeblich hängt es mit dem Brandschutz zusammen, die zusätzlichen Stellplätze müssen für die Feuerwehraufstellfläche entfallen. Offiziell bestätigt hat das weder die Stadt noch die Feuerwehr.

Rainer Scholz, Eigentümer der Inneren Weberstraße 24, vermutet, dass der Grund nur vorgeschoben ist. Denn an viel schmaleren Stellen in der Zittauer Innenstadt scheine die Feuerwehr auch kein Problem zu haben, mutmaßt er. Scholz hegt den Verdacht, dass die Verringerung der Parkplätze ein ausschlaggebendes Förderkriterium ist. Diese Vermutung wird von der Sächsischen Aufbaubank (SAB), die die Fördermittel aus dem Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" ausreicht, nicht bestätigt. Die Anzahl der Stellplätze spiele bei der Förderung oder deren Höhe keine Rolle, erklärt Beate Bartsch von der SAB-Pressestelle. Die Planungshoheit obliegt allein der Stadt Zittau. Die äußerte sich zur Anfrage der SZ bisher nicht.

Dafür sei aber die Stadtverwaltung bei Frau Michel vorstellig geworden. Das Auftreten der Rathausmitarbeiterin sei aggressiv gewesen, findet die Geschäftsinhaberin im Nachgang. Es sei wohl sogar damit gedroht worden, dass der Bau weiter verschoben wird. Bärbel Michel lässt sich davon nicht einschüchtern. "Dann kann es auch lieber so bleiben wie es ist", meint sie. Ohne Autos gehe heutzutage nichts mehr. Die Kunden - auch junge Leute - wollen schnell mal anhalten und in den Laden kommen. 

Händler und Mieter wollen wegziehen

Der eine oder andere Händler habe schon erklärt, sein Geschäft zu verlagern, wenn die Innere Weberstraße so umgestaltet wird, wie vom Stadtrat Ende April beschlossen. "Ich lebe gerne hier, arbeite gerne hier und will gerne bleiben", betont Bärbel Michel. Denn ihr gehört auch das Haus Innere Weberstraße 27. Bei einer unveränderten Umsetzung des Straßenbaus würde sie Mieter verlieren, die ausziehen wollen, wenn die Möglichkeiten zum Parken so stark eingeschränkt werden.

Bärbel Michel ist keine absolute Verfechterin des Status Quo. Sie zeigt sich offen für Kompromisse. Wenn Parkplätze wegfallen, müsste es wenigstens in der Nähe Ausweichstellflächen geben. Danach habe sie auch in der Stadtratssitzung gefragt, aber keine konkrete Antworten erhalten. Dabei waren Ersatzparkplätze bereits in den Diskussionen im Herbst 2018 ein Thema. So gab es vonseiten der Freien Bürger den Vorschlag, neue Pkw-Stellflächen in der Poststraße zu schaffen. Auch ein dauerhaftes Parken an der Johanniskirche wurde vorgeschlagen. Derzeit ist nur von einem temporären Parken an dem Gotteshaus während der Bauzeit die Rede.

"Statt Parkscheinautomaten sollten die freien Parkplätze auf eine oder zwei Stunden begrenzt werden mit Parkscheibe", fordert Rainer Scholz und fügt hinzu: "Die Innere Weberstraße soll sich ja erst zur lebendigen Einkaufstraße entwickeln, und das geht nur, wenn sie nicht überreguliert ist und das dann noch in Granit gemeißelt wird. Das vergrault ja eher Touristen und Kunden."

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