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Wehmütiger Abschied

Heute beginnt die letzte Woche vor den großen Sommerferien – für manche Schulen im Freistaat ist es auch die allerletzte Schulwoche überhaupt. Die Mittelschule im kleinen Städtchen Weißenberg am Rande des Kreises Bautzen gehört zu denen, die für immer schließen.

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Heute beginnt die letzte Woche vor den großen Sommerferien – für manche Schulen im Freistaat ist es auch die allerletzte Schulwoche überhaupt. Die Mittelschule im kleinen Städtchen Weißenberg am Rande des Kreises Bautzen gehört zu denen, die für immer schließen. Für Schulleiter Siegfried Pietsch (60) kein leichter Abschied.

Was ist das für ein Gefühl am Beginn dieser letzten Schulwoche?

Es ist schwer zu beschreiben, was man da empfindet. Schließlich habe ich fast mein ganzes Berufsleben in Weißenberg verbracht. Seit 1971 bin ich hier Lehrer, seit 1990 Schulleiter. Da ist viel Wehmut und auch Enttäuschung.

Enttäuschung worüber?

Darüber, dass über den Bestand einer staatlichen Schule allein die Schülerzahlen entscheiden. Eine Mittelschule in Sachsen muss zweizügig sein und Punkt. Da kann das Schulkonzept noch so gut sein. Eigentlich ist das doch paradox: Ein freier Träger hat sich rührig um den Erhalt des Schulstandorts hier bemüht und will nun mit 19 Fünftklässlern eine einzügige freie Schule aufbauen. Da steht das Schulgesetz nicht dagegen.

Was wird denn aus den Schülern, den Lehrern und Ihnen?

Es geht noch um die jetzigen Klassen acht und neun. In den letzten drei Jahren konnten wir ja schon keine Fünftklässler mehr aufnehmen. Die 44 Schüler und fast alle Lehrer wechseln gemeinsam an die Mittelschule Malschwitz, zwölf Kilometer entfernt. Ich gehe noch für ein Jahr nach Mücka, danach beginnt die Altersteilzeit-Ruhephase.

Und was passiert in dieser allerletzten Woche in Weißenberg?

Die Schüler sind heute und morgen auf Abschieds-Klassenfahrt. Es geht zur Kulturinsel Einsiedel und zum Bootfahren auf die Neiße. Das wird noch mal ein schönes Erlebnis für alle. Am Mittwoch absolvieren die meisten Schüler einen sozialen Tag – und dann wird fertig ausgeräumt. Tische, Schränke, Tafeln, Lehr- und Lernmittel – das muss ja alles raus. Wir haben schon begonnen, die Sachen zu sortieren und müssen nun sehen, was woanders noch verwendet werden kann.

Und Sie?

Ich räume meinen Schreibtisch.

Gespräch: Jana Ulbrich.