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Weihnachtsengel statt Pistazien und Peking-Ente

In diesem Jahr haben besonders viele Händler aufgegeben. Die SZ analysiert die Ursachen und stellt kreative Lösungen vor.

© SZ Thomas Knorr

Von Mario Heinke

Nicht nur in der Vorweihnachtszeit ist der Einzelhandel der Hauptfrequenzbringer für die Stadtzentren. Trotzdem sind auch in Zittau die leeren Schaufenster nicht zu übersehen. In diesem Jahr hat es die Zittauer Innenstadt aber besonders hart getroffen. Außer dem letzten Fischgeschäft verschwanden der Bastelladen, ein Herrenausstatter und erst in dieser Woche ein Blumenladen auf der Neustadt. Achmed Tiran eröffnete Anfang Juni im ehemaligen „Klingelcafé“ am Rathausplatz einen türkischen Lebensmittelladen, der nun bereits wieder geschlossen ist. „Das lohnt sich nicht“, kommentiert Ibrahim vom „Kerwan-Döner“ nebenan die plötzliche Schließung. Ines Will vom Dekorations- und Geschenkladen „Das will ich“ ist die Nachbarin auf der anderen Seite. Sie hat ganz spontan eine kreative Lösung für das leerstehende „Klingelcafé“ gefunden und es bis zum Jahresende angemietet. Bis Weihnachten verkauft sie dort ihre Geschenk- und Weihnachtsartikel. „Ich habe soviel Ware, dass ich den Raum schnell füllen konnte“, so die Händlerin.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Die Händler haben in der Innenstadt zusehends mit widrigen Umständen zu kämpfen, die dazu geeignet sind, die Kunden fernzuhalten. Straßensperrungen, Parkplatzmangel und Baustellen im Zentrum erschweren das Tagesgeschäft. Wegen der Sanierung des Marktes und des Rathausplatzes wird sich an der angespannten Lage in den nächsten zwei Jahren nicht viel ändern. Die von vielen Einzelhändlern gefürchtete Errichtung des Einkaufs-Centers hingegen scheint zunächst in weite Ferne gerückt, solange das Planungsverfahren anhält.

Es gibt jedoch auch strukturelle Probleme im klassischen Einzelhandel, die bundesweit bestehen. Die Ursachen haben die Verbände der Händler schon ausgemacht: Der Onlinehandel nimmt zunehmend Fahrt auf. Ohne Nahrungsmittel und Körperpflegeprodukte machte der Online-Handel 2012 bereits 14,2 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes aus, Tendenz steigend, so das Institut für Handelsforschung in Köln. Der E-Commerce ist gerade bei jungen Leuten beliebt und zwingt den stationären Handel auch dazu, sich auf einen Preiskrieg einzulassen. Der Internethandel hat jedoch auch seinen Preis: Jeder Klick beim Online-Shopping lässt den Umsatz im traditionellen Einzelhandel sinken. Die steigenden Energiepreise schwächen zusätzlich noch die Kaufkraft der Privathaushalte. Zuerst trifft es die kleinen Geschäfte in den Grundzentren – was teilweise bereits geschehen ist. Später trifft es die Mittelzentren und danach vielleicht sogar das Oberzentrum, schreibt Georg Stephanus in einem Papier der IHK Trier zu den Auswirkungen des E-Kommerz.

Innenstadthändler können der Entwicklung nur mit Kreativität und Engagement entgegenwirken. Erlebnis- und Wohlfühleinkauf sowie ein exklusives Sortiment werden immer wieder als Lösungsansätze gepriesen. Ein Patentrezept hat allerdings niemand.

Aber auch in der Gastronomie im Stadtzentrum ist viel Bewegung, wie die Beispiele unten zeigen. Außerdem sucht Henryk Haußer-Knabe einen Nachfolger für das „Savi“ (SZ berichtete am 28. November). Wie jetzt bekannt wurde, will „Essbar“-Wirt Ronny Überschär Anfang Februar das Hotel „Zittauer Hof“ einschließlich Restaurant übernehmen. Das dort ansässige „Coffee House“ war erst im Juli vom Markt auf die Neustadt gezogen, nachdem Inhaberin Kerstin Froneberg sich entschlossen hatte, das zum Hotel gehörende Restaurant „Zavanotti“ zu schließen. Das bedeutet, dass die „Essbar“ auf der oberen Neustadt, vormals „Wallis“, ab Februar wieder einen neuen Betreiber sucht.