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Weißenberg hat erstmals Ehrenbürger

Für ihre Verdienste um die Stadt wurden jetzt die Leiterin der Alten Pfefferküchlerei und ein Landarzt ausgezeichnet.

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© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Weißenberg. Mit der Alten Pfefferküchlerei, in dem das Pfefferküchlerhandwerk seit 1674 ansässig war, besitzt die Stadt Weißenberg einen außergewöhnlichen Schatz. Das Museum ist in seiner Art einmalig in Europa. Dass es dieses Museum bis zum heutigen Tag in Weißenberg gibt, ist vor allem einer Frau zu verdanken: Irmgard Wenzel, die damit das Vermächtnis ihres Vaters, des früheren Bürgermeisters Arno Künzel erfüllte. Für diese Leistung wurde Irmgard Wenzel jetzt zur ersten Ehrenbürgerin von Weißenberg ernannt. Gerührt nahm sie die Auszeichnung bei einer Feierstunde im Rathaus der Stadt entgegen.

Nachdem der letzte Pfefferküchler, Paul Herrmann Opitz, sein Geschäft samt Inventar 1937 der Stadt Weißenberg übereignet hatte, war es den Bemühungen von Irma Künzel, der Frau des 1948 im Bautzener „Gelben Elend“ umgekommenen Bürgermeisters, zu verdanken, dass die Alte Pfefferküchlerei nach authentischer Wiederherstellung im Juni 1961 wiedereröffnet werden konnte. Die Tochter des Museumsbegründers, Irmgard Wenzel, die sich schon in ihrer Kindheit für das Museum interessiert hatte, handelte ganz in der Tradition ihrer Eltern, indem sie all die Jahre um den Erhalt des Museums und um seine Anerkennung als Denkmal kämpfte. Zudem kümmerte sie sich um das Zustandekommen von Sonderausstellungen und führte die junge Generation an das alte Brauchtum heran. Eine Genugtuung war es für Irmgard Wenzel, im Jahre 1992 zusammen mit ihrer Tochter Gundula Wenzel, der heutigen Museumsleiterin, die Europa-Nostra-Auszeichnung für den Erhalt des architektonischen Erbes in Empfang zu nehmen. Irmgard Wenzel wurde für ihre unermüdliche Tätigkeit das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Mitglied der ersten Stunde

2004 wurde ein Förderverein gegründet, um den Erhalt des Kleinods langfristig zu sichern. Zu den Mitgliedern der ersten Stunde gehörte Dr. Wolfgang Beyer, dem nun ebenfalls die Ehrenbürgerwürde der Stadt Weißenberg verliehen wurde. Der Arzt war als junger Chirurg 1959 nach Weißenberg gekommen. In seiner Laudatio sagte der Bürgermeister Jürgen Arlt, dass es wohl keinen Weißenberger gibt, der nicht von dem Doktor behandelt wurde. Wolfgang Beyer praktizierte noch bis weit ins Rentenalter hinein. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Landambulatorium zu einer Einrichtung, die weit in die Umgebung ausstrahlte. Wolfgang Beyer hatte immer Spaß an seiner Tätigkeit. Der Beruf war ihm im wahrsten Sinne Berufung. Über viele Jahrzehnte hatte sich der Landarzt in vielfältiger Weise für die Belange der Stadt Weißenberg eingesetzt. Er sang im Kirchenchor und war Mitglied im Kirchenvorstand sowie Mitglied der Schützengilde. Lange Jahre war er Stadtrat und stellvertretender ehrenamtlicher Bürgermeister. Auch im Förderverein für die Kitas und Schulen engagiert er sich. „Weißenberg ist mein Leben“, sagte er.