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Freital

Jugendliche belagern Einkaufszentrum

In der kalten Jahreszeit wird der Freitaler Weißeritzpark zum warmen Jugendtreff. Die Händler sind genervt, das Sicherheitspersonal hat viel Arbeit.

Jugendliche ziehen am Abend durch das Einkaufszentrum Weißeritzpark in Freital.
Jugendliche ziehen am Abend durch das Einkaufszentrum Weißeritzpark in Freital. © Andreas Weihs

Sie sind wieder da. In einer großen Gruppe stehen sie am Eingang, gut 20 Jungs und Mädchen. Sie rauchen und schwatzen, dann fluten sie in den Weißeritzpark hinein. Was nun kommt, folgt einem allabendlichen Ritual. Die Jugendlichen streifen stundenlang durchs und ums Einkaufszentrum herum. Zwischendurch statten sie dem Kaufland einen Besuch ab, gehen Döner essen, holen sich beim Bäcker Kuchen. Später lungern sie im Gang zu den Toiletten herum, einige sitzen auf dem Boden. "Das sind keine normalen Kunden, das ist ein Kindergarten, der sich hier die Zeit vertreibt", sagt ein Center-Mitarbeiter.

Sein Name und seine Funktion soll hier aus Sicherheitsgründen nicht stehen. Fakt ist, sagt der Mann, dass seit Anfang Dezember, pünktlich mit dem Einsetzen der kalten Jahreszeit, für ihn Ausnahmezustand herrscht. Denn fast jeden Abend, insbesondere am Freitag und am Sonnabend, fallen die jugendlichen Cliquen im Weißeritzpark ein. Auf viele Kunden, gerade auch ältere Damen, machen sie mit ihrer Lautstärke und ihrem breitbeinigen Auftreten einen unangenehmen Eindruck. Dazu hinterlassen sie an den Eingängen ihren Müll - Kippen, Glasflaschen, Lebensmittelverpackungen müssen dort mehrmals täglich weggeräumt werden, obwohl Abfallbehälter gleich danebenstehen. 

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Eine besondere Anziehungskraft verspüren die Teenager vom Kaufland. Hier decken sie sich mit Bier und Limo, Zigaretten, Chips und Schokolade ein - was man halt so für einen gelungenen Abend braucht. Aus der Kaufland-Zentrale in Neckarsulm heißt es, man habe keine Probleme mit den Jugendgruppen. Vielmehr würden die Schüler der benachbarten Hainsberger Oberschule den kurzen Weg in das Center nutzen, um sich in der Mittagspause mit Essen und Getränken einzudecken. "Hierbei beobachten wir jedoch kein auffälliges Verhalten", teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Die Centerleiterin Simone Theiß schildert das in einem Brandbrief an das Jugendamt des Landkreises etwas anders. Sie beobachte Jugendliche, "die stark alkoholisiert sind, rauchen, mit Roller oder Rad durch das Einkaufscenter fahren, die Leute und das Personal belästigen, im Kaufland Diebstahl begehen und auf dem besten Weg sind, sich aus der normalen Gesellschaft auszugrenzen." Das Kaufland habe teilweise zwei Detektive im Einsatz, die dem Diebstahl vorbeugen beziehungsweise die Jugendlichen erfassen und Hausverbot erteilen, schreibt sie weiter. Sie erhofft sich Hilfe vom Jugendamt und möchte, dass jemand von der Behörde sich die Szenen im Weißeritzpark zumindest einmal anschaut. "Es muss doch auch in Ihrem Interesse sein, etwas gegen offensichtlich überforderte Elternhäuser zu unternehmen", argumentiert Theiß.

Um den Frust der Händler zu begreifen, muss man einfach mal eine Runde mit einem Mitarbeiter des Weißeritzparkes drehen. Schon von weitem ist eine Horde dunkel gekleideter Teenager vor dem Spiele-Maxx auszumachen. Als sie sich in Bewegung setzen, nehmen sie den Gang in seiner gesamten Breite ein. Sie ziehen Richtung Imbissecke. Dort stehen sie wieder herum, schwatzen und tun großartig, während sich einer von ihnen einen Döner bestellt.  

Der Mitarbeiter schaut in den Gang, der zu den Toiletten führt. Auch dort hält sich eine große Gruppe Schüler auf, manche sitzen auf dem Boden. Als er sie anspricht, ziehen sie von dannen. Ein Knirps, der gerade mal elf Jahre alt ist, macht dumme Sprüche. Eine Mädchen, etwa 16, telefoniert und ruft aufgeregt in die Runde, dass gleich noch die Chantal und die Leonie kommen. Die würden schon im Bus sitzen.

Aus der Buslinie A steigt einige Minuten später tatsächlich die nächste Jugendgruppe aus. Es gibt ein großes Hallo, dann verteilen sich die nächsten Cliquen im Weißeritzpark. "Das wird noch ein langer Abend", sagt der Mitarbeiter und schnappt sich eine Schülerin, die mit einem Roller neben ihren Freundinnen durch die Gänge donnert. Etwa 30 Hausverbote und etliche Platzverweise hat er schon verteilt, aber die Jugendlichen sind wie Pech: Sie kleben am Weißeritzpark. "Einmal habe ich eine ganze Truppe in den Bus gesetzt. Eine Stunde später waren sie wieder da", berichtet der Mann.

Auch wenn die Läden um 20 Uhr ihre Rollläden herunter lassen, kehrt keine Ruhe im Weißeritzpark ein. Denn das Kaufland hat bis 22 Uhr geöffnet, damit ist das Gebäude weiterhin zugänglich. Für die Jugendlichen gibt es also keinen Grund, sich wesentlich eher zu trollen. Sie lümmeln dann auf den Bänken und in den Gängen herum. Selbst vor Bereichen, die für Kunden unzugänglich sind, machen sie nicht Halt. So haben die Teenager beispielsweise einen Gang ausgespäht, der zu den Personaltoiletten und Funktionsräumen führt. "Und da machen sie dann Chaos und verunreinigen alles", berichtet der Mitarbeiter.

Die Klagen sind mittlerweile den Sozialarbeitern Freitals zu Ohren gekommen. Wie die Experten auf die Situation reagieren wollen, ist noch unklar - die zuständige Mitarbeiterin befindet sich im Urlaub. Centermanagerin Theiß kann nur auf den Frühling warten. "Vielleicht", so ihre Hoffnung, "treiben die Jugendlichen sich dann wieder woanders herum."   

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