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Weniger Unfälle durch ein Tempolimit?

Die Unfallzahlen zeigen: Auf der A4 kracht es vor allem auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

Im November wurden zwei Menschen bei einem Unfall auf der A4 nahe der Anschlussstelle Weißenberg verletzt. Ein 34-jähriger Mercedesfahrer war auf der rechten Fahrspur in Richtung Görlitz unterwegs, als er auf den Anhänger eines vor ihm fahrenden Citroen
Im November wurden zwei Menschen bei einem Unfall auf der A4 nahe der Anschlussstelle Weißenberg verletzt. Ein 34-jähriger Mercedesfahrer war auf der rechten Fahrspur in Richtung Görlitz unterwegs, als er auf den Anhänger eines vor ihm fahrenden Citroen © Archivfoto: Lausitznews/Jens Kaczmarek

Es ist eine Debatte, die viele Gemüter erhitzt. Die einen fühlen sich in ihren Rechten beschränkt und argumentieren mit der Leidenschaft für das schnelle Fahren. Sie sagen, dass es kein flächendeckendes Tempolimit geben sollte. Und die anderen, das sind die Befürworter eines allgemeinen Tempolimits, die legen vor allem zwei Kernpunkte auf den Tisch: Sie betonen den Klimaschutz und machen darauf aufmerksam, dass durch ein Tempolimit viele Unfälle vermieden werden könnten. Das zeigt beispielsweise eine Studie aus Brandenburg. Hätte ein Tempolimit auf der A4 Auswirkungen?

Wie viele Unfälle gab es in den vergangenen Jahren auf der A4?

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Die Unfallzahlen auf der Bundesautobahn 4 sind in den vergangenen Jahren gestiegen. 2015 gab es 545 Unfälle, 2016 waren es fast einhundert mehr. 2017 waren es bereits 667 Unfälle.

Wo gibt es die schwersten Unfälle und was sind die Gründe dafür?

„Tendenziell geschehen mehr Verkehrsunfälle auf der A4, je mehr wir nach Westen in Richtung Dresden blicken“, ordnet Torsten Jahn, Pressesprecher der Polizeidirektion Görlitz, ein. Die Unfälle traten vor Dresden nicht nur besonders häufig auf, sie waren dort auch besonders schwer. Das liegt zum Beispiel daran, dass dort mehr Autos unterwegs sind, sagt Jahn. Auf vielen Streckenabschnitten, auf denen besonders schwere Unfälle passieren, dürfen die Autofahrer zudem sehr schnell fahren. Und überhöhte Geschwindigkeit war 2017 einer der Hauptgründe für Unfälle auf Sachsens Straßen im Allgemeinen.

© SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Könnten durch ein Tempolimit auf der A4 viele Unfälle vermieden werden?

„Grundsätzlich könnten durch Geschwindigkeitsbegrenzungen Unfälle und vor allem deren schwerwiegende Folgen vermieden werden“, ist das eindeutige Fazit von Polizeisprecher Jahn. Und auch der Verkehrsprofessor Christian Lippold von der Technischen Universität Dresden findet ein Tempolimit gerechtfertigt. Denn das würde bedeuten, dass Unfälle, die auf zu schnelles Fahren zurückzuführen sind, weniger werden. „Es würden weniger schwere Unfälle passieren, das ist sicher“, sagt er, „denn, wenn jemand mit Tempo 130 über eine Kante geht, ist der Effekt ein anderer als mit Tempo 180. Letzteres kann man eigentlich nicht überleben.“

Welche Auswirkungen hätte ein Tempolimit auf der A4 noch?

Ein allgemeines Tempolimit würde laut Christian Lippold auch dafür sorgen, dass weniger Menschen drängeln. „Es gibt dafür keinen Grund mehr, wenn sowieso niemand schneller fahren darf“, erklärt er. Zudem würden durch das gleichmäßige Tempo mehr Menschen gleichzeitig die Autobahn nutzen können, „der berühmte Stau aus dem Nichts durch zu hohes Verkehrsaufkommen würde verschwinden“, sagt Lippold. Die Abstände zwischen den langsamer fahrenden Autos könnten zudem verringert werden, es gäbe zudem weniger gefährliche Spurwechsel. Auch in Hinblick auf autonomes Fahren sei ein Tempolimit nahezu unumgänglich. Ein weiteres Argument für ein Tempolimit, das selten mitgedacht wird, ist die immer älter werdende Bevölkerung. „Die Autofahrer werden älter, sie fahren vorsichtiger und reagieren langsamer“, erklärt Christian Lippold. Zu schnelles Fahren oder das Einordnen nach dem Überholen stellt dann eine umso größere Gefahr dar.

© SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Wo besteht auf der A4 ein Tempolimit und warum dort?

Auf der A4 gibt es einige Strecken, auf denen Menschen unbegrenzt schnell fahren dürfen – zum Beispiel etwa zwischen Burkau und Ottendorf-Okrilla. „Beschränkungen gibt es meistens, weil dort einst viele Unfälle passierten“, erklärt Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass alle Strecken, auf denen jetzt schwere Unfälle passieren, wie beispielsweise etwa zwischen Burkau und Ottendorf-Okrilla, jetzt ein Tempolimit erhalten, ordnet Siebert ein. Die Unfallkommission ermittelt zunächst, ob die Geschwindigkeit bei den Unfällen eine Rolle spielte.

Was sagt die Politik dazu?

„Ein Tempolimit würde für einen geringeren Spritverbrauch und folglich auch einen geringeren Schadstoffausstoß sorgen“, sagt Jens Bitzka von den Grünen und spricht sich für ein Tempolimit aus. Auch der hohe Lärmpegel, der durch die Autobahn entsteht, ist für ihn ein wichtiger Grund für ein allgemeines Limit. Der CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann erkennt das Problem der A4 vor allem in den vielen Staus, die täglich die Straße verstopfen und die Umwelt belasten. „Ich bin überzeugt, dass ein Tempolimit die A4 nicht allein entlasten kann“, sagt er. Stattdessen fordert er den Ausbau der Autobahn.

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