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Döbeln

Wenn das Herz für einen Zweitakter schlägt

Zum traditionellen Parkfest treffen sich die Trabifans. Für Ronny Rudelt ist das DDR-Auto mehr als ein altes Fahrzeug.

Ronny Rudelt (vorn) ist zum dritten Mal beim Mockritzer Trabitreffen dabei. Sein Fahrzeug wurde 1988 gebaut, sieht aber aus, wie aus den 1960ern.
Ronny Rudelt (vorn) ist zum dritten Mal beim Mockritzer Trabitreffen dabei. Sein Fahrzeug wurde 1988 gebaut, sieht aber aus, wie aus den 1960ern. © Dietmar Thomas

Von Helene Krause

Mockritz. Trabis knattern über die Straße am Mockritzer Park. Der typische Abgasgeruch der Zweitakter liegt in der Luft. Nach und nach parkten die elf Fahrzeuge, darunter ein Kübelwagen der NVA samt einem Caravananhänger, und ein Framo, am Park ein. Das Trabanttreffen mit den „Oldiefriemlern Nossen“ ist seit drei Jahren eine der Attraktionen des Mockritzer Parkfestes.

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Unter den Trabifans ist Ronny Rudelt aus Nossen. „Trabis interessieren mich schon immer und auch Mopeds“, sagt er. Bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren fing er mit dem Basteln an den Mopeds an. Mit 18 Jahren legte sich der heute 31-Jährige den ersten Trabant zu. „Stück für Stück kamen mehr Fahrzeuge dazu“, erzählt er. Heute hat er, außer dem Trabant, einen Framo, ein Awo-Gespann und einen Barkas zu Hause stehen. Mit dem Trabant, Baujahr 1988, ist er beim Parkfest dabei.

Mit Wartburgmotor und tiefergelegt

„Den Trabant habe ich 2006 von einem Kumpel bekommen, der bei uns auf dem Dorffest Musik machte“, sagt er. „Es war nur eine Karosse ohne Innenausstattung, aber voller Müll.“ Rudelt, der von Beruf Industriemechaniker ist, räumte den Müll aus der Karosse und baute das Fahrzeug original wieder auf. Doch damit war noch lange nicht Schluss mit der Bastelei. 

„Stück für Stück habe ich den Trabi umgebaut“, sagt Rudelt. „Er sieht jetzt aus, wie ein Fahrzeug aus den 1960er-Jahren.“ Der Motor wurde aus- und ein Wartburgmotor eingebaut. Auch wurde das Fahrzeug von Rudelt tiefer gelegt und die Sitze gegen Wartburgsitze ausgetauscht. Etwa 8 000 Euro hat er bisher in das Gefährt gesteckt. „Ersatzteile sind noch zu kriegen“, meint er. „Bei alten Teilen wird es dagegen schwierig.“ Die Fahrzeugteile ersteht er im Internet und auf Veranstaltungen. Meist kauft er sie jedoch bei einem Händler. „Ich habe zu Hause ein riesengroßes Lagers mit Teilen.“

Einmal pro Woche trifft er sich mit Freunden in der Werkstatt. Im Winter aucg öfter. „Da fahren die Trabis nicht“, so Ronny Rudelt. Dann wird an den historischen Fahrzeugen geschraubt.

Seine Frau schimpft, wenn er zu viel Zeit in der Werkstatt verbringt. Aber auch sie fährt mit den alten Fahrzeugen. Sein Sohn möchte öfter mit dem Trabant aus dem Kindergarten abgeholt werden.

Und nicht nur in Mockritz ist Ronny Rudelt beim Trabitreffen präsent. „Ich fahre auch zu andern Treffen“, sagt er. „Zu allen im Umkreis von 150 Kilometern.“ Seine weiteste Reise mit dem Trabant war nach Anklam an die Ostsee. Der Ort ist 450 Kilometer entfernt. Auch mit seinen anderen historischen Fahrzeugen fährt er zu Treffen. „Mit welchem ich fahre, das entscheide ich immer erst kurz vorm Losfahren“, sagt er. An den alten Fahrzeugen interessiert ihn besonders die einfache Technik und, dass man sie noch selber reparieren kann. „Die alten Sachen geben einem Freiraum etwas zu ändern und zu entscheiden, was man umbaut“, meint er. Beim Trabitreffen in Mockritz ist er von Anfang an mit dabei.

Zielwerfen in Biergläser

Die Trabischau ist aber nur eins von zahlreichen Angeboten zum 46. Mockritzer Parkfest. Beim Entenangeln und Dosenwerfen gibt’s Preise. Mutige können auf vier Bungee-Tranpolinen gewagte Sprünge vollführen oder, eingeschlossen in Riesenbälle, über den Teich rollen. Es gibt ein Kinder- und ein Showprogramm mit dem Carnevalsclub der Muldenschiffer Westewitz.

Neben dem Traktortreffen am Sonntag wird auch das traditionelle Beerpong-Turnier ausgetragen. Bei dem werden von jeweils zwei Mannschaften Tischtennisbälle in zehn gefüllte Biergläser geworfen.

Für die Musik tagsüber und am Abend sorgen die DJs von „Boutique 76“ sowie die Band „Walli & Co.“ aus Hartha. Die „Kemmlitzer Blasmusiker“ unterhalten die Gäste am Sonntagvormittag beim Frühschoppen. Organisiert wird das Parkfest vom Heimatverein Mockritz.

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