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Wenn das Kind nicht durchschläft

Die neun Monate alte Tochter wacht nachts mehrfach auf. Auch die Mutter leidet darunter. Unser Experte weiß Rat.

Prof. Veit Rößner ist Kinder- und Jugendpsychiater und schreibt regelmäßig für Sächsische.de
Prof. Veit Rößner ist Kinder- und Jugendpsychiater und schreibt regelmäßig für Sächsische.de © SZ

Meine Tochter ist neun Monate alt und schläft leider nachts noch nicht durch – im Gegenteil, in der Regel wird sie drei- bis viermal wach. Dann ruft sie nach mir, teils weint sie und findet nur schwer in den Schlaf zurück. Zunehmend fällt es mir schwer, entspannt zu bleiben, da sich auch bei mir das Schlafdefizit bemerkbar macht. Was kann ich tun?

Prof. Veit Rößner: Eltern haben oft den Wunsch, dass ihr Kleinkind schnell durchschlafen möge. Allerdings zeigen Studien, dass Kinder im ersten Lebensjahr im Durchschnitt bis zu sieben Mal nachts wach werden. Auch im weiteren Entwicklungsverlauf ändert sich das Schlafverhalten immer wieder.

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Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein. So beeinflussen zum Beispiel die verschiedenen Entwicklungsphasen den Schlafrhythmus und führen zu einem veränderten Nachtschlafbedürfnis und auch zu unterschiedlichen Tagschlafphasen. Bemerkbar macht sich das zum Beispiel dadurch, dass Kinder keinen Mittagsschlaf mehr benötigen oder abends später müde werden. 

Das individuelle Schlafbedürfnis ist auch zwischen gleichaltrigen Kindern oft sehr verschieden. Lassen Sie sich also nicht irritieren, wenn andere Mütter davon berichten, wie gut ihr Kind schon durchschläft. Das ist im ersten Lebensjahr eher die Ausnahme statt die Regel.

Weitere Gründe für nächtliches Erwachen können Hunger, Geräusche, beginnende Infekte oder Juckreiz sein, etwa bei Neurodermitis. Auch die Verarbeitung der Tageserlebnisse erfolgt im Schlaf und kann zu Unruhe und häufigem Erwachen führen. Idealerweise finden die Kinder dann von selbst zurück in den Schlaf. Zu Beginn brauchen sie dazu aber oft die Unterstützung ihrer engsten Bezugspersonen. 

Mit Feingefühl sollten Eltern versuchen herauszufinden, ob die wichtigsten Grundbedürfnisse nach Nahrung, körperlichem Wohlbefinden, Sicherheit und Nähe erfüllt sind. Hat mein Kind genug gegessen? Braucht es vielleicht eine frische Windel oder drückt die Kleidung irgendwo? Fühlt es sich wohl und sicher in seinem Bett? Gedämpftes Licht, eine ruhige Stimme sowie die Vermittlung von Geborgenheit sind hilfreich.

Achten Sie auch auf Ihre Stimmlage. Kinder nehmen neben dem gesprochenen Wort auch Stimmmelodie, Mimik und Gestik wahr. Wenn das nicht mit dem Gesagten übereinstimmt, verwirrt Kinder das und schafft Unsicherheit. Günstig sind kurze, liebevolle Ansprachen, die dem Kind Sicherheit geben und es beruhigen. Ebenso können vertraute Objekte und Geräusche, wie Kuscheltiere oder eine Spieluhr helfen.

Bei kurzem nächtlichem Erwachen schläft das Kind am besten in seinem Bett wieder ein. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Krankheit oder nach erschreckenden Erlebnissen, kann es sein, dass man das Kind durch längere körperliche Nähe beruhigen muss. 

Wenn Sie sich neben Ihr Kind legen, um ihm beim Einschlafen zu helfen, achten Sie darauf, dass es nicht zur Gewohnheit wird – die Fähigkeit zur Selbstregulation ist ein wichtiges Lernziel in den ersten Lebensjahren. Ein festes Ritual am Abend erleichtert es dem Kind, sich auf den kommenden Schlaf vorzubereiten, zu entspannen und sich mit einem guten Gefühl von Ihnen lösen zu können.

Um Schlafprobleme zu minimieren, hat es sich auch als günstig erwiesen, bereits tagsüber auf eine geregelte Struktur zu achten. Vermeiden Sie zu viele neue Eindrücke und achten Sie darauf, gerade kleinen Kindern regelmäßige Ruhephasen im Tagesablauf zu ermöglichen. 

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Das muss nicht immer der Mittagsschlaf sein, auch ruhige Beschäftigungen wie Vorlesen oder gemeinsames Musik hören nutzen Kinder zum Entspannen. Und besonders wichtig: Nutzen Sie diese Pausen, um auch selbst zu entspannen oder fehlenden Schlaf nachzuholen!

Haben auch Sie eine Frage an den Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die Sächsische Zeitung, Nutzwerk, 01055 Dresden oder eine Mail.

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