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Wenn das Telefon drei Uhr nachts klingelt

Die SZ lässt die Adventskerze von Tür zu Tür wandern. Heute zu Anke Heppner nach Klingenberg.

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Von Regine Schlesinger

Die Klingenbergerin Anke Heppner war schon etwas verwundert, als sie hörte, dass sich ihr Vater bei ihr mit der SZ-Adventswanderkerze bedanken möchte. Das sei doch selbstverständlich, dass man sich in der Familie hilft, sagt sie.

Ihr Vater, Christian Freudenberger, bei dem die Kerze gestern als Dankeschön der SZ-Lokalredaktion landete, sieht das aber nicht als so ganz selbstverständlich an. Der Höckendorfer trägt seit 20 Jahren im Dorf die SZ aus. Manchmal allerdings fällt ihm das Gehen schwer. Er ist vor Jahren beim Zeitungaustragen auf Glatteis gestürzt und musste am Bein operiert werden. Ab und an bringt sich die alte Verletzung mit Schmerzen in Erinnerung. Dann klingelt Christian Freudenberger nachts gegen drei Uhr bei seiner Tochter an. Die weiß dann schon immer, was los ist. „Kannst du mal schnell kommen und die Zeitung mit austragen, heißt es dann am Telefon“, schildert die 38-Jährige und lacht. Natürlich kann sie. „Es ist doch mein Vater, da helfe ich gern“, sagt sie. Und außerdem sollen die Leute schließlich ihre Zeitung bekommen. Mancher, weiß Christian Freudenberger, steht schon halb sechs am Fenster und hält nach dem Zeitungsboten Ausschau.

Ganz so pünktlich kommt die SZ an solchen Tagen, die zum Glück aber sehr selten sind, nicht. Anke Heppner muss erst ihre drei Kinder versorgen, ehe sie ins Auto springen und nach Höckendorf fahren kann. Dann geht es entweder mit ihrem oder dem Auto des Vaters auf Zeitungstour. „Er bleibt drin sitzen und dirigiert mich zu den Briefkästen, in die eine SZ reingesteckt werden soll“, sagt die Klingenbergerin.

Völlig ungewohnt ist dieser Job für sie nicht. Früher hat sie in Obercunnersdorf selber Zeitungen ausgetragen. Das ging dann aber zeitlich nicht mehr. Heute verteilt sie Werbung in Klingenberger Briefkästen.

Ihr Vater ist sehr froh, dass er sich auf seine Tochter verlassen kann, wenn Not am Mann ist. „Ich habe auch schon andere gefragt, ob sie mit Zeitung austragen wollen, aber niemand will schon so früh aufstehen“, sagt er. Für seine Tochter ist das nicht das Problem. Auch sonst steht sie ihren Eltern gern zur Seite, zum Beispiel wenn im großen Garten umgegraben werden muss. „Meine Zwillingsschwester wohnt zu weit weg. Bis die hier ist, würde das viel zu lange dauern. Also bin ich eben da“, sagt sie schlicht.

Und an wen möchte Anke Heppner die symbolische Adventskerze weitergeben? „An Katrin Bellmann, Erzieherin in der Colmnitzer Kindertagesstätte. Ich möchte mich bei ihr dafür bedanken, wie gut sie sich um meinen Sohn Pascal gekümmert hat“, sagt die Klingenbergerin. Pascal ist heute fünf. Seine Entwicklung verläuft etwas langsamer als die anderer Kinder. Mit drei Jahren kam er in die integrative Kita nach Colmnitz. „Hier hat er gute Fortschritte gemacht und sich sehr wohl gefühlt“, sagt Anke Heppner. Also wandert unsere Kerze morgen nach Colmnitz.