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Deutschland & Welt

Forscher wollen eine Zeitmaschine bauen

Die Time Machine soll in 2.000 Jahren Vergangenheit Lösungen für die Zukunft finden. Dresdner Wissenschaftler sind bei dem Projekt dabei - ebenso wie die SZ.

Es könnte eines der größten Forschungsprojekte überhaupt werden. Sander Münster, langjähriger Abteilungsleiter im Medienzentrum der TU Dresden, ist einer der beiden Chefs von Time Machine Deutschland.
Es könnte eines der größten Forschungsprojekte überhaupt werden. Sander Münster, langjähriger Abteilungsleiter im Medienzentrum der TU Dresden, ist einer der beiden Chefs von Time Machine Deutschland. © Ronald Bonß

Die Zeitreisenden sind in Dresden. Es geht ihnen um europäische Geschichte. Um das, was Menschen früher bewegte, aber auch um die Probleme, vor denen sie heute stehen. Sie bauen eine Zeitmaschine. Kein Raumschiff oder Sternentor, wie es das Fernsehen gern ersinnt. Die Zeitmaschine ist eine riesige Sammlung von immensen Datenbergen. Sie ist ein Computerhirn, das darin Neues entdeckt, auch Lösungen für die Zukunft. Das europäische Time Machine Projekt will große Datenmengen aus der Vergangenheit verarbeiten. In dieser Woche ist Dresden sein Zentrum.

Die verschiedenen Partner des Großprojekts treffen sich zu ihrer diesjährigen Konferenz im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Schon im Jahr 2013 startete das ambitionierte Unterfangen. Die Beteiligten wollen nicht weniger als die Erfahrung europäischer Kultur revolutionieren und in internationaler Zusammenarbeit eine Landkarte europäischer Geschichte erstellen, die tausende Jahre umfasst. In der Landeshauptstadt diskutieren deshalb Unternehmen, Wissenschafts-, Technologie- und Kultureinrichtungen sowie Ministerien aus ganz Europa darüber, wie mit Hilfe digitaler Technologien Kulturerbe erschlossen und bewahrt werden kann.

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Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) hebt die Bedeutung des europäischen Projekts hervor. „Es verbindet das reiche kulturelle Erbe unseres Kontinents mit digitalen Technologien, um Geschichte neu erfahrbar zu machen“, sagte sie im Rahmen der Eröffnung der Konferenz. Das könne die Basis für ein neues, fundiertes und wahrhaft europäisches Empfinden für eine gemeinsame Geschichte werden. Dokumente aus ganz Europa fließen in die Datenbank ein und jeder kann einen Beitrag leisten. „Damit wird eine Demokratisierung der Geschichtsschreibung bewirkt und traditionelle Sichtweisen werden zurechtgerückt“, erklärte die Ministerin.

Noch ist die Entscheidung nicht gefallen

Der Freistaat Sachsen unterstützt das Projekt und insbesondere das Time Machine Project Center an der TU Dresden mit rund 272.000 Euro. Die TU Dresden gehört zu den Gründungsmitgliedern der europäischen Initiative. Insgesamt 200 Einrichtungen aus 33 Ländern bauen an der virtuellen Zeitmaschine mit. Dafür entsteht eine Plattform, die Daten sammelt und analysiert. „Es ist wie Google Earth für historische Daten“, erklärt es Sander Münster, langjähriger Abteilungsleiter im Medienzentrum der TU Dresden und seit kurzem Professor an der Friedrich Schiller Universität Jena. Die Time Machine könnte zu einem der bisher größten Forschungsprojekte der EU überhaupt werden. 

2017 waren solche bahnbrechenden Großprojekte von der EU ausgeschrieben worden, 33 hatten sich beworben. Allerdings nur zwei, maximal drei werden es am Ende sein. Seit März 2019 sind nur noch sechs im Rennen. Die Time Machine ist dabei. Eine Million Euro hat das Projekt erhalten, um bis 2020 das komplette Forschungskonzept zu erarbeiten. Dann fällt die Entscheidung.

Unterdessen haben die Forschungen in Europa längst begonnen, zum Beispiel an der Time Machine Venedig. Die Time Machine Leipzig ist in Vorbereitung. Die Dresdner Variante ist zum Leitprojekt der Dresdner Kulturhauptstadtbewerbung 2025 geworden. Immer mehr Partner werden es: Dresdner Hochschulen, die Slub, das Sächsische Staatsarchiv oder auch das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung sind schon dabei. Seit dieser Woche ist auch die Sächsische Zeitung offizieller Unterstützer der Zeitmaschine.

Bekommt das Großprojekt 2020 den Zuschlag, dann soll in zehn Jahren daraus das weltweit komplexeste Netz künstlicher Intelligenz werden, mit dem sich die Geschichte und die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen 2.000 Jahren auf vollkommen neue Art und Weise darstellen lassen. Dieses jahrtausendealte Wissen über Kultur und Geografie der Vergangenheit könnte durch die Technologie in neue, vollkommen neue Zusammenhänge gebracht werden und damit bei Entscheidungen der Gegenwart helfen.