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Wenn man keinen Ausweg sieht

Der Initiative e. V. berät in schwierigen Lebenssituationen und knüpft Kontakte.

Von Ines Eifler

Cordula Kothe und Winny Schaaf wissen, wie man Menschen auffängt, die gerade nur wenig an ihrem Leben genießen können, die in Krisen stecken, unter Verlusten leiden, Ängste haben, ausgebrannt oder psychisch so belastet sind, dass sie alleine keinen Weg finden, ihre Situation aus eigener Kraft zu verändern. Die beiden Frauen gehören zu dem Team der neuen Beratungsstelle „Kontaktmühle“, die der Görlitzer Initiative-Verein am Mühlweg 5 eingerichtet und Anfang März eröffnet hat. Hier, in den Räumen des früheren Spielecafés „Tasse“, nahe dem Rehabilitationszentrum für psychisch Kranke und der Sozialtherapeutischen Tagesstätte desselben Vereins, bieten sie und eine weitere Kollegin an, sich kostenlos beraten zu lassen und in Kontakt zu anderen zu treten. Und dabei ist es ganz gleich, ob man psychisch krank ist, fürchtet, es bald zu werden, wenn sich nichts ändert, psychisch auffällige Angehörige hat oder einfach an Themen psychischer Gesundheit und Krankheit interessiert ist.

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„Wir wissen, dass es genügend Leute gibt, die Unterstützung suchen“, sagt Teamleiterin Cordula Kothe. „Und dass der Bedarf wächst.“ Das war der Grund dafür, dass der Landkreis in seinem „Regionalen Psychiatrie- und Suchthilfeplan“ vom August 2013 die Erweiterung der Angebote zur gemeindepsychiatrischen Versorgung um eine zusätzliche Kontakt- und Beratungsstelle vorgesehen hatte und die Aufgabe nun an den Initiative-Verein vergab Denn wer einen Termin bei einem Psychotherapeuten vereinbaren möchte, muss oft mehrere Monate darauf warten. Wer eine Selbsthilfegruppen aufsucht, fühlt sich manchmal als Außenseiter, wenn die Gruppe mit einem festen Stamm schon seit Jahren besteht. Und häufig haben Leute mehrere Erkrankungen oder Sorgen, sodass sie sich in keiner Gruppe vollkommen aufgehoben fühlen.

Die „Kontaktmühle“ versucht jedoch, Entlastung zu schaffen. Hier können Menschen in Not zum Beispiel die Zeit bis zum Beginn einer Psychotherapie überbrücken, indem sie sich entweder im Einzelgespräch beraten lassen oder die offenen Angebote zu gemeinschaftlichen Aktivitäten nutzen. Diese finden immer montags und mittwochs an den Nachmittagen statt, sollen die Interessen und den Gemeinschaftssinn neu wecken oder beflügeln, sollen Impulse für eine sinnvolle Tagesstrukturierung geben oder den Austausch über psychische Erkrankungen ermöglichen. „Einmal haben wir hier zusammen gekocht“, sagt Cordula Kothe. Aber auch Denk- und Gemeinschaftsspiele seien anregend und lenkten von dem ab, was sonst belaste. „Und auch zu Ostern haben wir einiges vor.“ Die Gemeinschaftsangebote schlagen nicht sie und ihre Kolleginnen vor, „sondern wir orientieren uns ganz an den Wünschen der Menschen, die uns aufsuchen.“

Da es die neue Beratungsstelle erst seit Kurzem gibt, haben das bisher erst sehr wenige getan. Eine Studentin war darunter, die sich gegen Prüfungsängste wappnen wollte, eine Beamtin, die sich überlastet fühlte, ein Rentnerehepaar in einer besonderen Lebenssituation, eine Angehörige von jemandem, der Sorgen mit seiner Arbeit hatte. Ganz verschiedene Leute also, und nicht immer, weil sie schon psychisch begründbare Probleme haben, sondern um vorzubeugen.

Der Leiter der benachbarten Tagesstätte, Ronald Schulz, sagt, er hoffe, dass sich noch mehr Leute in Not auf den Weg machten, sich so helfen zu lassen. „Wir erleben das schon etwas öfter als früher“, sagt er. Besonders der öffentlich diskutierte Suizid von Fußballtorwart Robert Enke habe dazu geführt. „Danach gab es eine richtige Welle, dass Leute sich öffneten.“ Die „Kontaktmühle“ will noch weiter dazu animieren, sich helfen zu lassen, und dahin vermitteln, wo es Hilfe gibt.

Kontaktmühle, Mühlweg 5, Eingang rechts, Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch 15 bis 19 Uhr, 03581 733816