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Wenn man sich nicht vom Handy lösen kann

Nicole Trenkmann arbeitet bei der Suchtberatungsstelle Gesop. Sie weiß, was Dresdens Kinder und Jugendliche süchtig macht. 

Nicole Trenkmann
Nicole Trenkmann © privat

Frau Trenkmann, die Weltgesundheitsorganisation will Onlinesucht in das Klassifikationssystem der körperlichen und psychischen Krankheiten aufnehmen. Warum ist diese Anerkennung wichtig?

Weltweit arbeiten Ärzte und Psychotherapeuten auf der Grundlage der ICD-Klassifikation – also auch in Dresden. Die Anerkennung ist nötig, weil sie Krankenkassen verpflichtet, die Kosten für eine Therapie zu tragen. Bisher ist es so, dass einige Kliniken Onlinespielsucht nicht therapieren, weil die Verschlüsselung der Diagnose nicht möglich ist. Erst wenn andere Krankheitsbilder dazukommen, die anerkannt sind – zum Beispiel Depressionen – nehmen sie sich der Patienten an.

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Können Sie für Dresden sagen, wie hoch die Anzahl suchtgefährdeter Kinder und Jugendlicher ist?

Das ist schwer einzugrenzen, weil keine Statistiken erhoben werden. Auch das wird mit der Klassifikation möglich. Was ich sagen kann: Unsere Beratung wird sehr gut genutzt. Es kommen sowohl Eltern mit ihren Kindern als auch Volljährige. Viele gestehen sich krankhaftes Verhalten nicht ein, die Dunkelziffer muss sehr hoch sein.

Was dominiert bei suchtgefährdeten Kindern und Jugendlichen – das Handy oder der Computer?

Bei professionellen Spielern steht natürlich der PC im Vordergrund. Bei Kindern und Jugendlichen ist aber das Smartphone ungeschlagen auf Platz eins. Ihnen reicht der kleine Bildschirm vollkommen aus, sie können sich vom Handy kaum lösen.

Was kann onlinesüchtig machen?

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Das Spektrum der Onlinesucht ist breit gefächert. Am häufigsten beraten wir süchtige PC-Spieler. Zwar betrifft das noch mehr Jungs und junge Männer, aber die Mädchen holen beim Spielen auf. Die sozialen Medien und Netzwerke bergen für die Mädchen die größte Suchtgefahr. Sie sind von dem Zwang geleitet, immer kommunizieren zu müssen. Zur Onlinesucht kann aber auch die Abhängigkeit von Internetpornografie, Serien oder Formaten wie YouTube zählen.

Die Gesop Suchtberatungsstelle bietet zwei Formate an: Das Programm Eskapade richtet sich an Eltern und Kinder, die Onlinesuchtgruppe an Erwachsene. Weitere Informationen: www.gesop-dresden.de