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Wenn niemand zur Beerdigung kommt

In diesem Jahr muss die Stadtverwaltung die Begräbnisse von vier Bürgern bezahlen. Sie hatten keine Angehörigen mehr.

Von Jan Iven

Auf eine Trauerfeier mit Redner wird meistens verzichtet. „Bei Verstorbenen ohne Angehörige würde sowieso kaum jemand kommen. Außerdem ist es eine finanzielle Frage“, sagt Steffi Schier, die bei der Waldheimer Kirchgemeinde seit zwölf Jahren für den Friedhof zuständig ist. Nur wenn in so einem Fall im Testament ausdrücklich etwa eine christliche Feier gewünscht wurde, wird dem entsprochen. „Gesetzlich hat jeder ein Anrecht auf eine ortsübliche pietätvolle Bestattung“, sagt die 34-Jährige aus Unterrauschenthal, die zurzeit in der Babypause ist. Für Steffi Schier ist es ganz selbstverständlich, über den Tod zu sprechen. Arbeitet sie doch nicht nur bei der Friedhofsverwaltung, sondern nebenberuflich auch bei einem Döbelner Bestatter. Zudem ist ihr Vater Steinmetz für Grabsteine, so dass sie immer schon unbefangener mit dem Thema umgegangen ist. „In Waldheim wird den Toten viel Respekt entgegengebracht. So gibt es hier keine anonymen Bestattungen wie in manch anderen Kommunen.“

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Lassen sich die Angehörigen eines Verstorbenen innerhalb einer Woche nicht ausfindig machen, muss die Stadt die Kosten für den Bestatter vorschießen. Anschließend versucht die Waldheimer Stadtverwaltung zum Teil zwei Jahre lang, die Verwandten zu ermitteln, um ihre Ausgaben zurückzufordern. „Trotzdem müssen wir dabei natürlich möglichst feinfühlig vorgehen. Immerhin geht es um Trauerfälle“, sagt Bernd Meinel, Sachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit bei der Stadtverwaltung. Bestattungspflichtig sind nahe Angehörige wie Kinder, Eltern oder Geschwister, aber auch sonstige Erben. Doch manchmal gibt es keine Angehörigen. Dann muss die Kommune einspringen.

In vier Fälle hat die Stadt Waldheim in diesem Jahr die Bestattungskosten übernommen. Bei ihrer jüngsten Sitzung bewilligten die Mitglieder des Verwaltungsausschusses des Stadtrates dafür 6 750 Euro. Knapp 1 700 Euro davon werden über Bußgelder finanziert. Dabei variierten die Ausgaben für die vier Todesfälle von 260 Euro bis 3 500 Euro. „In einem Fall ist ein Großteil der Kosten bereits im vergangenen Jahr übernommen worden“, erklärt Meinel die Differenz.

Steffi Schier findet es schon ein bisschen traurig, wenn Menschen allein sterben müssen. „Das sind oft Leute, die alleinstehend sind oder keine Kinder haben“, sagt sie. „Aber in der Branche ist man ständig mit Trauer konfrontiert. Daher darf man sich nicht jeden einzelnen Fall zu Herzen nehmen, um nicht daran zu zerbrechen.“ Auch wenn ihr das nicht immer leicht fallen würde, etwa wenn junge Menschen sterben oder eigene Angehörige. Mit der Zeit hat sie jedoch gelernt, nach der Arbeit abzuschalten.

In Waldheim würde es generell aber nicht vorkommen, dass der Tod eines Menschen lange unentdeckt bleibt. Selbst wenn es keine Angehörige gibt. „Jeder hat ein soziales Umfeld. Daher fällt es schon auf, wenn jemand fehlt“, sagt Schier. Und auch bei den einsamen Bestattungen kommt es gelegentlich vor, dass die Nachbarn nach der Trauerfeier eines Verstorbenen fragen. „Manchmal gibt es dann ein bisschen Enttäuschung, weil nichts vorgesehen ist.“