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„Wer einmal da war, kommt wieder“

Der Campingplatz am Badesee in Kötitz ist für August ausgebucht. Nur wenn jemand absagt, kann man Glück haben. Ein Teil der SZ-Serie "Die neue Lust am Camping".

Birgit Probst aus Coswig gehört seit 14 Jahren zu den Dauercampern im Stadtteil Kötitz. Der Platz wird im Sommer zu ihrem zweiten Zuhause.
Birgit Probst aus Coswig gehört seit 14 Jahren zu den Dauercampern im Stadtteil Kötitz. Der Platz wird im Sommer zu ihrem zweiten Zuhause. © Norbert Millauer

Coswig. Sie könnte jeden Platz mehr als zweimal vergeben, sagt Elke Stelter, die Chefin des Campingplatzes am Badesee Kötitz. „Die Leute haben sich wie verrückt Wohnwagen gekauft, weil es im März, zu Beginn der Corona-Krise, hieß, dass man nicht ins Ausland fahren darf.“ Auf der Internetseite des Campingplatzes findet sich nun der Hinweis, dass der Campingplatz bis zum 30. August ausgebucht ist. „Es gibt in diesem Zeitraum keine Stellplätze für Wohnwagen/-mobile und Zelte. Unsere Mietwohnwagen sind bis Mitte September ebenso nahezu ausgebucht. Wir bitten, von Abfragen abzusehen.“

Gerade, weil die Nachfrage so groß ist, ärgert es Elke Stelter, wenn Plätze reserviert werden und die Leute dann nicht anreisen. Jetzt werde überlegt, ob die potenziellen Camper eine Anzahlung leisten sollen, Stornokosten einzutreiben, sei aussichtslos, so die Chefin. Insgesamt hat sie 100 Plätze in Kötitz zu vergeben, darunter 35 Zeltplätze und 65 Stellplätze für Caravanfahrzeuge. Davon sind wiederum 18 für Dauercamper reserviert.

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Jeder Platz hat eine Fläche von 100 Quadratmetern, verfügt über Wasseranschluss und Abwasserabfluss, Strom liegt an, Duschen und das Freibad können genutzt werden, „und auch das schöne Wetter ist kostenlos“, sagt Elke Stelter. Die Kosten von 27,20 Euro für zwei Personen pro Nacht seien im Vergleich zu vielen anderen Campingplätzen moderat. Allerdings sind sie erhöht worden, denn die Kosten für Strom und Wasser und für die Müllabfuhr seien ja kontinuierlich gestiegen, erklärt sie.

Auf dem Campingplatz wird der Fahrradständer am Auto zum Wäschetrockner für die Badesachen umfunktioniert.
Auf dem Campingplatz wird der Fahrradständer am Auto zum Wäschetrockner für die Badesachen umfunktioniert. © Norbert Millauer
Platzchefin Elke Stelter sorgt mit ihrem Team dafür, dass es für alle Gäste passt.
Platzchefin Elke Stelter sorgt mit ihrem Team dafür, dass es für alle Gäste passt. © Norbert Millauer
Ausgesprochen großzügig sind die Bademöglichkeiten - es gibt nicht nur den Natursee, sondern auch mehrere Schwimmbecken.
Ausgesprochen großzügig sind die Bademöglichkeiten - es gibt nicht nur den Natursee, sondern auch mehrere Schwimmbecken. © Norbert Millauer

Jeder Platz ist von einer Hecke umrahmt. Einer der sechs Männer, die die Hunderte Meter dieser grünen Zäune auf dem Campingplatz und im riesigen Badgelände schneiden, ist Rudolf Wehder. Der 66-jährige Rentner ist hier als Minijobber beschäftigt. „Wir schneiden die Hecken zweimal im Jahr. Mir macht das Spaß, immer an der frischen Luft zu arbeiten.“ Er ist von März bis in den November auf dem Platz zugange, wenn es gilt, das gefallene Laub zu beseitigen.

Über einem der Dauercamperplätze weht eine Flagge mit einem Stier und einem Greifen. Das ist die Landesflagge von Mecklenburg-Vorpommern, und von dort, genauer von Plau am See, hat es Birgit Probst nach Coswig verschlagen. Seit 14 Jahren wohnt sie im Sommer auf dem Campingplatz. 

„Ich habe noch in der guten Zeit im Norden gewohnt, als es noch einen Arzt und einen Laden im Dorf gab, aber dann bin ich hier runter gezogen.“ Zweimal in der Woche schaut sie in der Wohnung in Coswig nach dem Rechten, ansonsten lebt sie hier draußen. Rund 820 Euro kostet ein Dauerplatz im Jahr. Und wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, holt Birgit Probst die Flagge ein. - „Sie hält nur ein Jahr, dann muss ich eine neue kaufen.“

Der Campingplatz wird von den Technischen Werken Coswig betrieben. Bewirtschaftet wird er - samt Imbiss und Badgaststätte - von Elke Stelter und ihren drei fest angestellten Mitarbeitern. „Wir sind zu viert, alle über 60, die arbeiten.“ Hinzukommen noch vier Pauschalkräfte und natürlich die tatkräftige Hilfe durch die Schwimmmeister und die beiden Minijobber. Und wenn alle Stränge reißen, repariert Elke Stelter auch schon mal eine Waschmaschine: „Ich bin gelernte Elektrikerin.“

Die Gäste, die in Kötitz anreisen, kommen von überall her aus Deutschland, aber zehn Prozent sind Niederländer. „Wer einmal da war, kommt wieder“, sagt die Chefin. Dazu trage sicher die abendliche Ruhe auf dem Platz bei. Elke Stelter nimmt nur in Ausnahmefällen Jugendgruppen auf, sodass die Gefahr nächtlich ausufernder Feiern nicht besteht. „Die Camper sind alle supernett, nur ein Prozent - meist von der See - meckert, aber wir kriegen alle hin und am Ende sind sie die Nettesten.“

Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünscht, antwortet Elke Stelter, dass sich so etwas wie Corona nicht wiederholt. Und vor allem, dass man sie, die eigentlich in drei Jahren in Rente gehen müsste, „noch ganz, ganz lange weitermachen lässt“.

Campingplatz „Am Badesee Coswig-Kötitz“

Anfahrt/Adresse: Der Campingplatz befindet sich in 01640 Coswig, im Stadtteil Kötitz, an der Brockwitzer Straße 33. Auskünfte können über die E-Mail-Adresse  oder telefonisch unter 03523 700220 eingeholt werden.

Öffnungszeiten: Der Campinglatz ist von April bis Oktober in Betrieb. In dieser Zeit ist die Rezeption täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Die Gaststätte hat von 10 bis 20 Uhr geöffnet, der Badesee vom 23. Mai bis September, täglich von 10 bis 20 Uhr.

Preise: Kinder von 7 bis 14 Jahren zahlen 7 Euro pro Übernachtung, ein kleines Zelt bis zwei Personen kostet 3,80 Euro, ein großes 5,80 Euro pro Nacht. Der

Caravan (Wohnanhänger/Auto) kann für 8 Euro pro Nacht abgestellt werden, ebenso ein Wohnmobil.

Badangebot: 21 Hektar großes Areal mit Liegewiesen, FKK-Strand, 7 Hektar großer Badesee, 25-m-Edelstahl-Schwimmbecken, Spaßbecken mit 47-m-Großrutsche, Kinderplanschbecken.

Weitere Informationen gibt es hier. 

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