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Wer ist Schuld an den Rissen in der Wand?

Anwohner Bernd Rehn macht den Steinbruch Pließkowitz für sein kaputtes Haus verantwortlich. Das Bergamt widerspricht.

Von Kerstin Fiedler

Immer, wenn es leise anfängt zu vibrieren in seinem Geschäftshaus in Doberschütz, weiß Bernd Rehn, dass es gleich einen mächtigen Rumms gibt. Dann wird im Steinbruch Pließkowitz gesprengt. Doch die Sprengung am 18. April hat alle anderen Sprengungen übertroffen. Ein Riss zieht sich durch die Wand am Treppenaufgang zur oberen Etage. Die Gipsplombe, die ein Baugrundgutachter dort gesetzt hatte, ist gerissen. Der Gutachter war im März für den geplanten Abwasserbau vor Ort. Beim Verlegen der Leitungen wird es dabei zu Pressluftarbeiten kommen, weil das Haus auf einer Granitfelsplatte steht. Die ist übrigens mit dem Steinbruch verbunden. Die Plombe hätte später zeigen können, ob weitere Schäden durch die Abwasserarbeiten entstehen. „Der Gutachter vermutete auch, dass der Riss durch die Sprengungen entstanden ist“, sagt Bernd Rehn. Erste Risse nach Sprengungen gab es 2006 im Haus, das 2002 gebaut wurde.

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Schon seit Jahren gibt es immer mal wieder Beschwerden von Anwohnern, die im Bereich des Steinbruchs Pließkowitz leben. Gerade die Häuser in Kleinbautzen, die Richtung Pließkowitz liegen und Häuser in Pließkowitz selbst sind betroffen. Der Malschwitzer Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) steht mit dem Werkleiter im Kontakt. 2008 gab es zum Thema Steinbruch sogar eine Gemeinderatssitzung. „Es hat uns als Gemeinde bisher abgeschreckt, gegen die Sprengungen etwas zu unternehmen, weil wir einen Gutachter brauchen, der eindeutig sagt, dass die Schäden durch die Sprengungen verursacht werden“, sagt Matthias Seidel. Und solch einen Gutachter zu finden, ist gar nicht so leicht, denn es gibt nicht so viele von ihnen. „Und wenn wir jemanden finden, der so etwas untersuchen kann, ist er oft auch im Auftrag von Bergbaubetrieben unterwegs“, sagt Matthias Seidel. Ingenieurbüros konnten ihm nicht helfen, und selbst der Petitionsausschuss des Landtags hat nichts unternommen. Dort hat er bei einer Beratung in Gebelzig vorgesprochen. In Gebelzig wehren sich die Bewohner gegen einen geplanten Tagebau der Firma Hartsteinwerke.

Bernd Rehn beschwerte sich über die Sprengung beim Oberbergamt in Freiberg. Von dort erhielt er die Antwort, dass alles im gesetzlichen Rahmen stattgefunden hat. „Die Messergebnisse für alle bereits in der Vergangenheit überprüften Sprengungen belegen, dass die im Steinbruch Pließkowitz angewandte Sprengtechnologie nach menschlichem Ermessen nicht zu Schäden an Gebäuden führen kann“, heißt es im Schreiben. Und es heißt weiter, dass das Oberbergamt in dem Fall, dass die Schäden doch vom Tagebau stammen, nicht zuständig ist. Dann müsste Rehn sich direkt an den Betreiber wenden. – Der Betreiber des Steinbruchs Pließkowitz ist Pro Stein in Elstra. Geschäftsführer Christoph Adler hat von der Beschwerde durch das Oberbergamt erfahren. „An uns hat sich deswegen aber niemand gewandt“, sagt Christoph Adler. An das Oberbergamt hat er dann die Fakten der Sprengung am 18. April geschickt. Das Sprengunternehmen Orica, mit dem die Firma schon lange zusammenarbeitet, hat an dem Tag einen Messpunkt etwa 400 Meter vom Steinbruch entfernt in Kleinbautzen aufgestellt. Daraus resultieren die Ergebnisse, die bestätigen, dass gesetzlich vorgeschriebene Höchstwerte unterschritten werden. „Wir sind aber gern bereit, bei einer vergleichbaren Sprengung vor Ort in Doberschütz zu messen“, sagt Christoph Adler. Das hatte auch das Oberbergamt angeboten. „Ich habe dem jetzt zugestimmt, aber es macht nur Sinn, wenn es wirklich mit derselben Menge Sprengstoff geschieht“, sagt Rehn.

Christoph Adler sagt dies zu. Er erfuhr gestern, dass es am 23. Mai solch eine vergleichbare Sprengung gibt. „Da könnten wir das Messgerät ans Haus in Doberschütz stellen“, sagt er. Es sei abzuwarten, wie das Ergebnis aussieht. „Dann können wir weiter beraten, denn Spekulationen bringen heute nichts“, sagt Christoph Adler.

Bürgermeister Matthias Seidel geht in der Idee noch weiter. „Es wäre gut, wenn an allen drei betroffenen Orten bei jeder Sprengung Messegräte stehen würden.

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