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„Wer sich zur Heimat bekennt, sollte dabei sein“

Den Tag der Oberlausitz gibt es 2014 zum ersten Mal. Das Zittauer Mundart-Original Hans Klecker sagt, warum das eine gute Idee ist.

Eine Generalprobe gab es am 21. August auf der polnischen Seite der Görlitzer Altstadtbrücke: Hunderte Menschen trafen sich auf dieser, alle mit einer Gemeinsamkeit: Sie fühlen sich als Oberlausitzer. Um dieses Wir-Gefühl noch zu stärken, wird es ab 2014 jährlich einen Tag der Oberlausitz geben. Das Kuratorium Einige Oberlausitz und das Bürgerforum Oberlausitz haben diese Idee an die Landräte der Kreise Bautzen und Görlitz herangetragen. Die konnten sich dafür begeistern – und so wird dieser Tag ab 2014 in den Kreisen Görlitz, Bautzen, Zgorzelec und Lauban ganz offiziell begangen. Was hinter der Idee eines solchen Tages steckt und warum ein solcher Tag nötig ist, erzählt Mundart- und Traditionsverfechter Hans Klecker.

Herr Klecker, nächstes Jahr gibt es einen Tag der Oberlausitz – was kommt da noch? Wir haben schon den Tag der Deutschen Einheit, den Tag der Sachsen, den Tag des deutschen Bieres, den Tag des offenen Umgebindehauses … Welcher Politiker hat sich denn einen Tag der Oberlausitz einfallen lassen?

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Gar keiner. Die Idee ist in den Köpfen der Bürger geboren worden, denen die Oberlausitz am Herzen liegt. Nach und nach fanden sich immer mehr Befürworter dieser Idee unter den Heimat- und Geschichtsfreunden – und unter den Politikern.

Aber: Ist ein solcher Tag notwendig?

Ich denke schon. Immer wieder schwärmen Reisegruppen oder Fernsehleute von unserer Heimat. In der Oberlausitz sind so viele Landschaftsformen, Einmaligkeiten und Sehenswürdigkeiten auf kleinstem Raume anzutreffen wie kaum in einer anderen Region. Dazu kommt die stolze Geschichte unserer Heimat. Die Oberlausitz blieb bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein selbstständiges Territorium mit eigener Verfassung. Die Oberlausitzer regierten sich selber. Wenn ich davon bei meinen Veranstaltungen erzähle, ist großes Staunen angesagt. Unsere Leute kennen sich in den Alpen oder in Spanien manchmal besser aus als in ihrer Heimat.

Warum gerade der 21. August?

Es sollte ein geschichtsträchtiger Tag sein. Wir hatten den Landräten der Kreise Bautzen und Görlitz drei Vorschläge gemacht: den Johannistag am 24. Juni; den 20. März, an dem das Wort Oberlausitz erstmals im Jahr 1467 schriftlich genannt wurde; und den 21. August, an dem 1346 der Sechsstädtebund gegründet worden ist. Die Landräte haben sich für diesen Termin entschieden. Mit dem Sechsstädtebund sind diese Gebiete zusammengewachsen, und es hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine Oberlausitzer Identität herausgebildet.

Viele Städte, Gemeinden und Vereine feiern im August eigene Feste. Wird es einen Kampf um die Besucher geben?

Nein. Für den Tag der Oberlausitz ist kein großes Spektakel vorgesehen. Er soll den vielen kleinen und großen Volksfesten, die besonders an den Sommerwochenenden durchgeführt werden, keinen Abbruch tun. Auch die Oberlausitzer können ihr weniges Geld nur einmal ausgeben. Der 21. August fällt auch nicht immer auf einen Sonnabend oder Sonntag. Die vielen Aktivitäten unserer Leute müssen über das ganze Jahr verteilt bleiben, das gilt für Vereinsfeste und Sportveranstaltungen genauso wie für Messen, Märkte oder Heimattage. Wenn eine Kommune, ein Verein oder ein Betrieb dem Oberlausitztag durch eine gelungene Veranstaltung eine Krone aufsetzen möchte, so findet das unsere Unterstützung. So könnten auf einer Veranstaltung das Oberlausitz-Mädel und der Oberlausitz-Junge für ein Jahr gewählt werden.

Wenn es keine Großveranstaltung gibt: Wie wird dann dieser Tag begangen?

Der Tag der Oberlausitz ist ein Aktions- und Gedenktag, eine Art Nationalfeiertag, besser Regionalfeiertag in kleiner Form, allerdings ohne Bezahlung. Er hat auch mit dem Tag der Sachsen nichts zu tun. Jeder, der sich zu seiner Heimat bekennt, sollte sich etwas einfallen lassen. Da gibt es Tausende Möglichkeiten. Die Familie macht eine Wanderung, Museen gestalten eine Ausstellung, Bibliotheken organisieren Buchlesungen mit heimischen Autoren, Kindergärtnerinnen erzählen Sagen aus der Heimat, Amateurkünstler führen Heimatstücke auf, Gaststätten bieten Oberlausitzer Gerichte an ... Die Kommunen hissen die blau-goldene Oberlausitz- oder die Kreisflagge. Ich habe auch schon die regionalen Verlage informiert, damit dieser Tag in den regionalen Kalendern und Almanachen eingedruckt wird.

Werden auch Teile Brandenburgs und Polens mit einbezogen?

Ich kann nur hoffen, dass sich die Bewohner aller Regionen der Oberlausitz und alle Nationalitäten beteiligen, also auch die sorbischen und polnischen Oberlausitzer. 66 Prozent des Gebietes des historischen Markgraftums Oberlausitz liegen in Sachsen, vier Prozent in Brandenburg und 30 Prozent in Polen. Die beiden polnischen Landräte sind über den Oberlausitztag informiert. Es gibt sogar einige Tschechen, die sich zur Oberlausitz bekennen.

Kontakt zu Hans Klecker: 03583 707995

[email protected]

Bearbeitet von Gabriel Wandt.