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Wie der Dräherch wieder Gäste locken soll

Das Heimatmuseum ist trotz einsamer Lage auf dem Schlechteberg gut besucht. Sonntag startet eine neue Schau.

Von Matthias Klaus

Für die neueste Ausstellung im Heimatmuseum auf dem Schlechteberg hat sich Thomas May selbst an die Werkbank gesetzt. Und einen „Armeleute“-Weihnachstbaum gebaut: ein „Stamm“ aus einem Holzstiel, von dem dünnere „Äste“ abzweigen. An deren Enden wiederum sind kleine Rüböllämpchen befestigt. Das Ganze wird noch mit Gebäck und Kugelketten behangen – fertig ist der „Armeleute-Christbaum“. „Der einfache Weber konnte sich eben keinen echten Baum leisten“, schildert Thomas May. Was sich die Betuchteren zu Weihnachten in die Stube stellten, ist gleich nebenan zu sehen. Bewegliche Weihnachtsbäume, Leierchristboom oder Dräherch genannt, prächtige geschnitzte Kunstwerke, mehrstöckig.

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Mit der neuen Ausstellung im Heimatmuseum auf dem Schlechteberg möchte Thomas May wieder möglichst viele Besucher anlocken. Das Museum hat es nicht leicht, ist es doch der einzige Anziehungspunkt auf dem Berg. Der Turm ist geschlossen, die Baude ebenso. Aber Thomas May ist mit dem Zuspruch zufrieden. „Es läuft zurzeit sehr gut“, sagt er. Die jüngste Ausstellung über Unwetter in der Oberlausitz war ein Renner, auch der Vortrag über Neuseeland sei gut besucht gewesen. Inzwischen nutzt Thomas May zuweilen schon die leer stehende Gaststätte, um dem Besucheransturm bei Vorträgen Herr zu werden. „Direkt im Museum sind die Platzverhältnisse ja doch eher beengt“, sagt er.

Das Team des Heimatmuseums kümmert sich so gut wie es geht um die Baude. „Sie ist schließlich gut in Schuss, soll nicht verfallen“, sagt Thomas May. Damit nicht erst jemand auf die Idee kommt, hier zu randalieren, haben die Museumsleute um das Gebäude herum saubergemacht, Grünzeug gestutzt. „Damit ist klar: Hier ist jemand, das Haus wird genutzt“, sagt Thomas May. Für das kommende Jahr hat er schon Pläne. Vorträge soll es wieder geben, ein ganzes Programm. Wie das genau aussehen soll, wird gerade noch besprochen. Dann soll auf jeden Fall auch wieder die Gaststätte mit genutzt werden.

Dennoch, eine Zukunft sieht der Museumschef für die Einrichtung auf dem Schlechteberg nicht. „Ein Umzug muss über kurz oder lang kommen“, sagt May. Zum einen ist die Humboldtbaude zwar ein attraktiver, wenn auch abgelegener Standort. Aber sie ist beispielsweise nicht behindertengerecht für Museumsbesucher eingerichtet, Treppen erschweren gerade älteren Gästen den Weg. „Zudem ist es schon schwierig, wenn wir die Exponate quer durch die halbe Stadt transportieren müssen“, sagt der Museumsleiter.

Beim großen Dräherch, dem Prunkstück der neuen Ausstellung, hat das dankenswerterweise die Feuerwehr übernommen. Mit einem Transporter brachte sie das Prachtstück auf den Schlechteberg. Noch steht der Dräherch still da. Aber er soll sich wieder bewegen, das ist das große Ziel Thomas Mays. Seit 1987 ist der bewegliche Christbaum allerdings schon defekt. Etwa 150 Jahre ist das gute Stück alt. Ob die Mechanik wieder funktionieren wird? „Ich bin optimistisch“, sagt Thomas May schmunzelnd.

Die Weihnachtsausstellung im Museum auf dem Schlechteberg wird Sonntag 15 Uhr eröffnet. Besucher sind herzlich eingeladen.