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Wie der Urologie-Chefarzt umworben wurde

Verwirrend sind die Details des durch den umstrittenen Chefarzt-Vertrag ausgelösten Klinikkriegs in Görlitz. Die SZ beantwortet hier die wichtigsten Fragen rund um den Chefarzt-Vertrag. ist das Gehalt...

Von Sebastian Beutler

Verwirrend sind die Details des durch den umstrittenen Chefarzt-Vertrag ausgelösten Klinikkriegs in Görlitz. Die SZ beantwortet hier die wichtigsten Fragen rund um den Chefarzt-Vertrag.

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ist das Gehalt ganz normal

für einen Chefarzt-Posten?

Für Klinikum-Aufsichtsratschef Walter Oeckl liegt das Gehalt für Dr. Hermann Schmitz im unteren Drittel des Möglichen. Oberbürgermeister Joachim Paulick hatte in seinem vertraulichen 8-Seiten-Papier ausgeführt, dass „Leistungen in ganz Sachsen gleich vergütet werden, auch an der Uni, da fragt niemand, was Professoren verdienen.“ Die Kienbaum-Vergütungsstudie für Chefärzte spricht eine andere Sprache. Die durchschnittliche Jahresgesamtvergütung in den neuen Ländern für einen Chefarzt lag demzufolge bei 167000 Euro – in Vollzeit. Schmitz erhält hingegen 250000Euro für 13 Wochenarbeitsstunden. Auf Vollzeit berechnet wären das 750000 Euro. Selbst an Häusern mit mehr als 650 Betten – also größer als Görlitz – lag im Schnitt die Vergütung der Chefärzte deutschlandweit zwischen 192000 und 379 000 Euro. Da Urologen zu den Topverdienern gehören, kann man ein Jahresgesamtgehalt von rund 300000 Euro für eine Vollzeitstelle annehmen.

Hat das St. Carolus Schmitz

auch so viel gezahlt?

Oeckl zufolge habe das Carolus seit vier Jahren Schmitz zu den selben Konditionen angestellt. Damit kann er nur den Umfang der Wochenarbeitszeit gemeint haben. Sie konnte auch beim Carolus nur 13 Wochenarbeitsstunden betragen, weil vor vier Jahren Schmitz mit Hilfe eines Angestelltendarlehens des Carolus die Praxis in Zittau eingerichtet hat. Die bisherige Vergütung für Schmitz ist nicht bekannt, liegt aber unter 200 000 Euro.

Hat das St. Carolus schmitz

ein hohes Angebot gemacht?

Ja. Nachdem Dr. Hermann Schmitz vom Städtischen Klinikum ein Angebot erhalten hatte, bekam er auch von den Maltesern ein Angebot. Es belief sich bei 13 Wochenarbeitsstunden auf 200000 Euro plus Rentenbeiträge in Höhe von knapp 4000 Euro. Dieses Angebot musste sich das Görlitzer Malteser-Krankenhaus von der Kölner Zentrale des Ordens, dem höchsten Gremium, bestätigen lassen, weil es so ungewöhnlich hoch lag. Als das Klinikum noch 50 000 Euro drauflegte, gab das Carolus-Krankenhaus aus moralischen Gründen den Vergütungswettlauf auf.

Wie viel arbeitet Dr. Schmitz

wirklich fürs Klinikum?

NPD-Stadtrat Andreas Storr fragte im Stadtrat, ob Schmitz beispielsweise in seinem Vertrag weitere Tätigkeiten fürs Klinikum wie zum Beispiel als Gutachter zugesagt habe. Das ist nicht bekannt, gab auch OB Joachim Paulick zu Protokoll. Offiziell darf Schmitz das ganz sicher nicht, weil sonst die Krankenkassen hellhörig werden. Schmitz betreibt eine urologische Praxis in Zittau. Sie hat laut Internet 18 Stunden die Woche geöffnet. Hinzu kommen noch die Fahrtzeiten zwischen Görlitz und Zittau. Nur am Mittwoch könnte Schmitz ausschließlich in Görlitz tätig sein.

Wie sieht nun die Urologie

am Krankenhaus aus?

Sie besteht nun aus zwei Chefärzten, die jeweils ihr Team mit Ober- und Stationsärzten haben. Die Zusammenarbeit zwischen Dr. Andreas Lammert und Dr. Hermann Schmitz, so Oberbürgermeister Joachim Paulick vor dem Stadtrat, sei zuvor abgeklärt worden. Beide zusammen sollen die Patientenzahl von derzeit knapp 1500 auf 3000 im Jahr erhöhen. Damit müsste das Klinikum alle bisher in Görlitz behandelten urologischen Patienten bei sich betreuen. Bostelaar erhofft sich zudem mehr ausländische Patienten und Frauen, die unter Beckenbodenschwäche leiden.

Ist die Patientenrechnung

so einfach möglich?

Auch die Stadt muss zugeben, dass es in Deutschland freie Arzt- wie auch Krankenhauswahl gibt. Kein Patient ist gezwungen, bei einer notwendigen Behandlung in die Klinik zu gehen, die sein Arzt ihm vorschlägt. Auch sind niedergelassene Ärzte vorsichtig, in den Geruch der Patientenabsprache bei der Einweisung zu geraten.