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Wie drei Jugendliche auf die schiefe Bahn gerieten

Drogenhandel und Erpressung – es sind keine Kleinigkeiten, die den Angeklagten am Bautzener Landgericht vorgeworfen werden. Ein Blick in ihre Kindheit.

Drei junge Leute aus Bautzen und Umgebung müssen sich derzeit vor dem Landgericht wegen Drogenhandels verantworten.
Drei junge Leute aus Bautzen und Umgebung müssen sich derzeit vor dem Landgericht wegen Drogenhandels verantworten. © Lausitznews

Bautzen. Die Zeugin stolpert. Sie strauchelt über Aussagen. Nichts will sie mehr wissen vom Januar 2019, als sie mit der heute 16 Jahre alten Angeklagten im Bautzener Kino verabredet war. Von jenem Tag, als sie statt einen Film zu schauen vermutlich plötzlich vor ihrer Freundin fliehen musste, weil sie und ihr Freund in einen Hinterhalt gelockt worden waren. Als, so zumindest sieht es die Staatsanwaltschaft, die heute 16-Jährige gemeinsam mit anderen die Zeugin und ihren Freund um Geld erpresst haben soll. Und als ein Jugendlicher dem Freund der Zeugin mit einem Messer ins Gesicht geschnitten haben soll.

Seit Mittwoch müssen sich die 16-Jährige, ein 17-Jähriger und ein 21 Jahre alter Mann vor dem Landgericht in Bautzen verantworten. Die drei Angeklagten sollen einer losen Gruppe angehören, die in und um Bautzen in verschiedenen Konstellationen mit Drogen gehandelt hat. Auch um Nötigung und räuberische Erpressung geht es.

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Ziel des Angriffs soll der Freund der Zeugin gewesen sein. Bei einem Prozess gegen die anderen Beteiligten konnte sie noch vor wenigen Monaten alle Details nennen. So zumindest wirft der Vorsitzende Richter ihr vor. „Wurden Sie unter Druck gesetzt?“, fragt er. Und das wirft auch der Staatsanwalt in den Raum. Nervös wackelt die Zeugin mit den Füßen, seufzt, reibt sich immer wieder die Stirn – während die 16-Jährige auf der Anklagebank in Richtung Zuschauerreihen lächelt. Oder grinst?

Jugendliche sind vor Gericht keine Unbekannten

Obwohl sie erst 16 ist, ist sie vor Gericht keine Unbekannte. Zwei Einträge weist das Vorstrafenregister auf, es geht um Diebstahl und Körperverletzung. Und auch die anderen beiden Angeklagten in dem Prozess sind keine unbeschriebenen Blätter. Der ältere wird an Handschellen ins Gericht geführt, sitzt in Untersuchungshaft. Der 17-Jährige hatte ebenfalls wegen Diebstahls und Körperverletzung bereits Probleme mit der Justiz.

Wie sind die drei da reingerutscht? Die Schultern erhoben sitzt die 16-Jährige da. Ihr selbstbewusstes Erscheinungsbild passt zu dem, was die Jugendgerichtshilfe sagt. Die Kindheit der Angeklagten sei harmonisch verlaufen. Gekippt sei das Ganze 2017 – da sei das Mädchen öfter von zu  Hause abgehauen, die Mutter habe Unterstützungsbedarf beim Jugendamt angemeldet. Was folgte, war eine Mixtur aus Alkohol, falschen Freunden, Schule schwänzen und Drogen. Wieso? Diese Frage bleibt offen. Das Mädchen habe eine dissoziale Entwicklung aufgezeigt. Klinikaufenthalte folgten und die Inobhutnahme, mal kam sie bei Bekannten unter. „Sie schreckt vor nichts zurück“, ordnet die Jugendgerichtshilfe ein, „sie macht, was ihr gefällt, befolgt keine Regeln.“

Häusliche Gewalt und wechselndes Zuhause

Der 17-Jährige Angeklagte hingegen leidet unter seiner schwierigen Kindheit, berichtet die Frau von der Jugendgerichtshilfe. Dadurch werde er schnell aggressiv. Als Kind lebte er mal bei der Mutter, die viel Alkohol trank, mal im Kinderheim, mal beim Vater. „Er ist unter schwierigsten Bedingungen groß geworden, hat keine konstanten Bindungen“, so die Expertin. Selbst das Thema Kindeswohlgefährdung stand im Raum.

Der 21-jährige Angeklagte litt vor allem unter dem Kontaktabbruch seiner Mutter. Er wuchs bei seinen Großeltern auf, entwickelte selbstzerstörerische Verhaltenszüge. Er selbst berichtet von häuslicher Gewalt.

Und in Zukunft? Das Leben der 16-Jährigen bewege sich nun in eine bessere Richtung, die Angeklagte habe wieder Ziele, will eine Therapie machen und einen Schulabschluss. Er hoffe jetzt auf eine Ausbildung und wolle die auch ganz ohne Drogen durchziehen, erklärt der 17-Jährige vor Gericht. Der älteste der drei will zu seiner Tante ziehen. Auch er will eine Therapie machen und sich an einer Ausbildung versuchen.

Am kommenden Mittwoch soll in dem Prozess ein Urteil fallen.

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