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Wie drei Pfarreien zu einer werden

Die 4300 Katholiken von Kamenz, Bischofswerda und Radeberg wachsen zusammen. Das ist nicht einfach.

Die „Katholische Republik Kamenz“ mal von oben: Neben der Kirche St. Maria Magdalena ist rechts das Pfarramt zu sehen, links hinter der Kirche der Begegnungssaal St. Elisabeth und dahinter die neu gebaute Caritas-Kita St. Benno. Rechts neben dem BSZ (Mitt
Die „Katholische Republik Kamenz“ mal von oben: Neben der Kirche St. Maria Magdalena ist rechts das Pfarramt zu sehen, links hinter der Kirche der Begegnungssaal St. Elisabeth und dahinter die neu gebaute Caritas-Kita St. Benno. Rechts neben dem BSZ (Mitt © René Plaul

Bautzen. Da hatte Heinrich Timmerevers im Herbst ein durchaus überraschendes Machtwort gesprochen! Monatelang durften die Katholiken zwischen Kamenz, Bischofswerda und Radeberg sich selbst einen Kopf machen, wie die Fusion ihrer drei Pfarreien St. Maria Magdalena, St. Benno und St. Laurentius vonstattengehen soll, und dann entschied der Bischof von Dresden-Meißen kurzerhand: Die Pfarrkirche der künftigen Pfarrei wird die St. Maria Magdalena am Pfarreisitz in Kamenz sein. Und deren Patrozinium soll „St. Maria Magdalena“ lauten. In Kamenz war die Freude groß, in Bischofswerda eher nicht. Auch hier hatte man sich berechtigte Hoffnung auf den Pfarreisitz gemacht. Noch nicht einmal den Vorschlag der „Steuerungsgruppe“ für einen ganz neuen Namen wollte sich der Bischof zu eigen machen.

Auch aus theologischen Gründen: Papst Franziskus hatte Maria Magdalena im Jahr 2016 als erster Auferstehungszeugin den zwölf Aposteln gleich gestellt, was insbesondere auch die Würde der Frau in der Kirche und in der Glaubenswidergabe unterstreiche. Außerdem gäbe es das Patrozinium im ganzen Bistum sonst nirgends, argumentierte der Bischof. Nach dem Votum für den Pfarreisitz in Kamenz sollte der Name der Hl. Maria Magdalena als Pfarrpatrozinium erhalten bleiben.

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Inzwischen haben sich die Wogen im katholischen Triangel von Kamenz, Bischofswerda und Radeberg wieder etwas geglättet, wie man hört. Jetzt wird eine Hochzeits-Feier vorbereitet, an der alle 4300 Gläubigen (1900 in Kamenz, jeweils 1200 in Bischofswerda und Radeberg) mit Freude teilnehmen können. Das wünscht sich jedenfalls Pater Johannes Müller in Kamenz, der den Posten des Pfarradministrators seit Anfang Januar übrigens an Pfarrer Dariusz Frydrych von St. Benno abgegeben hat. „Es entsteht zwar eine neue Pfarrgemeinde mit einem eigenen Pfarrgemeinderat, die drei Kirchgemeinden bleiben aber als Filialgemeinden bestehen.“ St. Benno und St. Laurentius werden selbstverständlich vor Ort weiter wichtige Arbeit leisten, ist sich auch Gemeindereferentin Elisabeth Lukasch sicher. „Das ist in unserem ländlichen Raum doch gar nicht anders möglich.“ Neben Pfarrer Dariusz Frydrych, Pater Johannes Müller, Pfarrer Christoph Eichler und Gemeindereferent René Prochotta komplettiert sie das immer noch fünfköpfige Seelsorgerteam im katholischen Triangel.

Pfarreifusion startet mit Polterabend

Das ist deutlich mehr, als die Zielvorgabe für den einst von Bischof Heiner Koch angeschobenen Fusionsprozess lautete. Ob das so bleibt, ist offen. Am Ende werden sieben Gotteshäuser (mit Königsbrück, Oßling, Ottendorf-Okrilla und Pulsnitz) weiter zu betreuen sein und vor allem in Kamenz mehrere kirchliche Orte – wie das Pflegeheim St. Georg oder die Malteser-Einrichtungen. Gerade hier kommt der Seelsorge für Schwerkranke und Pflegebedürftige ja große Bedeutung zu.

Die drei Kirchgemeinden werden bis zum 26. Mai dieses Jahres weiter zusammenwachsen. Dann wird ab 10 Uhr der Bischof in St. Maria Magdalena höchstselbst die neue Pfarrei gründen. „Die Kirche in Kamenz ist klein, aber wir bauen extra ein Zelt mit Leinwand auf“, sagt Pfarrsekretärin Bettina Wagner. „Jeder auch aus Bischofswerda und Radeberg ist willkommen.“ Neue Messgewänder, neue Siegel und auch ein neuer Kelch, für den Geld gesammelt wird, sollen den Start der großen Pfarrei symbolisieren. Zuvor ist am 18. Mai in der St. Benno in Bischofswerda nach einer Messe, die um 18 Uhr beginnt, noch ein „Polterabend“ im Zelt vorgesehen. Und auch in Radeberg soll gefeiert werden. Bei einer Nachlese Ende Juni oder erst im September. Der Anbau an die St. Laurentius ist fertig, aber der Innenraum der Kirche wird noch weiter saniert.

Dass die Pfarrei-Fusion auch sehr zügig gute Effekte haben kann, beweist ein Fakt am Rande: Den Kirchenchor in Kamenz gibt es wegen fehlender Sängerinnen und Sänger leider nicht mehr. Nun wird der gut aufgestellte Radeberger Chor zur Hochzeitsfeier singen ...

St. Laurentius mit Anbau

Die katholische Kirchgemeinde in Radeberg zählt etwa 1200 Gläubige. Für sie ist der neue Funktionalanbau wichtig. Er kann aber auch Vereinen und Familien zugutekommen.
Die katholische Kirchgemeinde in Radeberg zählt etwa 1200 Gläubige. Für sie ist der neue Funktionalanbau wichtig. Er kann aber auch Vereinen und Familien zugutekommen. © Thorsten Eckert

Radeberg. Die katholische Kirchgemeinde der Stadt hat an der Dresdner Straße/Straße des Friedens ein modernes Gebäude errichtet und Ende Januar geweiht. Der Flachbau schließt sich an die St. Laurentius an. Er kann zum Beispiel auch von Vereinen und für Familienfeiern angemietet werden.

Finanziert wurde der 980 000 Euro teure Anbau durch die Gemeinde selbst, aber auch das Bistum und das Bonifatius-Werk trugen Summen bei. Der Funktionalbau hat auch in der neuen Pfarrei wichtige Funktion, da der Großteil der gemeindlichen Arbeit natürlich weiterhin vor Ort verrichtet werden soll.

Gemeindeabende in St. Benno

Der Heilige St. Benno ist Patron der katholischen Pfarrgemeinde Bischofswerda. Sie geht in der neuen Pfarrei auf, aber die Kirche und die Gemeinde bleiben natürlich vor Ort.
Der Heilige St. Benno ist Patron der katholischen Pfarrgemeinde Bischofswerda. Sie geht in der neuen Pfarrei auf, aber die Kirche und die Gemeinde bleiben natürlich vor Ort. © Steffen Unger

Bischofswerda. Die etwa 1200 Glieder der Kirchgemeinde St. Benno prägen die katholische Diaspora in der Westlausitz ganz wesentlich mit. Auch in zahlreiche Veranstaltungen, die sich insbesondere mit Fragen der Zeit und des Glaubens auseinandersetzen.

So gab es am 23. November im Bennosaal einen gut besuchten Gemeindeabend. Gezeigt wurde der amerikanische Streifen „Gott ist (nicht) tot“, der die Geschichte des Studenten Josh Wheaton erzählt, der sich mit seinem Professor anlegt. Auch am Freitag, dem 22. Februar, wird ab 19.30 Uhr wieder in den Bennosaal eingeladen.