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Bischofswerda

Schiebocker beliefern Mediziner landesweit

Temedia in Bischofswerda ist jetzt vor allem als Händler gefragt. Doch der Verbandsmittelhersteller produziert auch schon für die Zeit nach der Krise.

Madlen Schuster (l.) und Anke Behr stellen im modernen Hochregallager der Firma Temedia in Bischofswerda Lieferungen für Kunden zusammen. Die Firma stellt Verbandsmaterial her.
Madlen Schuster (l.) und Anke Behr stellen im modernen Hochregallager der Firma Temedia in Bischofswerda Lieferungen für Kunden zusammen. Die Firma stellt Verbandsmaterial her. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Sofort, als die Corona-Krise Deutschland erfasste, klingelten sich im Unternehmen Holthaus Medical in Remscheid die Telefone heiß. Krankenhäuser, Apotheken, Arztpraxen und weitere Kunden aus ganz Deutschland  gaben Bestellungen auf. Die Auswirkungen spürte und spürt man auch in Bischofswerda, wo der 1924 gegründete Familienbetrieb sein Tochterunternehmen Temedia  mit knapp 100 Beschäftigten führt. Die Belegschaft hat jetzt beim Umschlagen und Versenden medizinischer Produkte  wesentlich mehr zu tun als sonst. 

Geliefert wird, was möglich ist. Doch das ist in diesen Tagen leichter gesagt als getan. Atemschutzmasken, Schutzhandschuhe,  Fieberthermometer sind seit  einigen Wochen vergriffen. Eine Lieferung Hand-Desinfektionsmittel wird in diesen Tagen erwartet.  Sie wird genau so schnell an die Kunden weitergegeben  wie andere Medizinprodukte, die  dringend gebraucht werden. Von einem Wundreiniger auf Alkoholbasis gibt es noch Restbestände. Auch der wird jetzt fürs Desinfizieren nachgefragt, sagt Geschäftsführer Alexander Holthaus.  

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Von der Autoindustrie abhängig

Die Corona-Krise stellt auch ein Unternehmen der Gesundheitsbranche wie Temedia in Bischofswerda und dessen Stammhaus in Nordrhein-Westfalen vor völlig neue  Herausforderungen. Denn der Handel mit Medizinprodukten ist nur eine von mehreren Säulen.

Die größte dieser Säulen - die Automobilindustrie - ist jetzt weggebrochen. 50 bis 60 Prozent  seines Umsatzes realisiert das Unternehmen als Zulieferer der Autoindustrie. Die in Bischofswerda bestückten Verbandstaschen werden in normalen Zeiten an die  großen europäischen Autohersteller geliefert. Doch die haben ihre Produktion größtenteils eingestellt.  

Um die dadurch entstehenden Verluste auszugleichen, ist es ein Vorteil, dass das Unternehmen  mehrgleisig fährt. Holthaus Medical wurde als Verbandsmittelhersteller gegründet. Dieser Tradition fühlt man sich auch jetzt verpflichtet. In Bischofswerda werden medizinische Binden aller Art, Verbandspäckchen und Kompressen hergestellt. 

"Wir haben immer an einer eigenen Produktion festgehalten, weil wir eine solche Situation wie jetzt zwar nie herbeigesehnt, aber befürchtet haben",  sagt Alexander Holthaus. Die eigene Produktion zahlt sich aus, weil sie von Zulieferern unabhängig macht. Auch jetzt surren die Webautomaten in einer der Hallen, die einst zur Dresdner Herrenmode gehörten. 

Mitarbeiter im Betrieb umgesetzt

Darüber hinaus wurden Mitarbeiter innerhalb der Firma umgesetzt. Wer bisher Auto-Verbandstaschen bestückte, hilft jetzt zum Beispiel im modernen Hochregallager beim Kommissionieren und Ausliefern,  um den Mehrbedarf an Arbeit in der Logistik abzudecken. "Die meisten unserer Mitarbeiter können in zwei oder drei Bereichen eingesetzt werden. Das kommt uns jetzt zugute", sagt Wolfgang Körber, Leiter des Betriebes in Bischofswerda. 

Kurzarbeit ist momentan kein Thema für Temedia.  "Wir versuchen, sie zu vermeiden", sagt Alexander Holthaus. Doch er weiß auch,  dass sich die Situation schnell ändern kann. "Wir fahren auf Sicht und bewerten die Lage jeden Tag neu." Man sei den Mitarbeitern dankbar, dass sie sich auch jetzt den Veränderungen stellen. 

Viel Geld für moderne Verpackungsanlagen

Die Unternehmensleitung plant  bereits für die Zeit nach der Krise. So hält sie an den für dieses Jahr  vorgesehenen Investitionen fest. Für 1,2 Millionen Euro  will sie am Standort Bischofswerda vier Verpackungsanlagen für sterile Verbandsmittel modernisieren. Temedia bildet auch weiterhin Lehrlinge in den Bereichen Weberei, Logistik und kaufmännische Berufe aus.

Und das Unternehmen forciert die Produktion von Verbandsmitteln - auch mit Blick  auf die Zeit, wenn die Autofabriken wieder mit ihrer Produktion starten. Dann wollen die Bischofswerdaer mit zu den ersten gehören, die Sanitätstaschen liefern können.  "Auch dafür geben wir jetzt schon Gas in der Produktion",  sagt Alexander Holthaus. 

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