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Wie gesund ist Luft aus Bienenstöcken?

Dirk Jäger und Antje Jäger-Hundt helfen Patienten mit Atemwegserkrankungen. Nun wollen Forscher der TU Dresden untersuchen, wie die Stockluft wirkt.

Dirk Jäger und Antje Jäger-Hundt nutzen die Zusammensetzung der Stockluft zum Heilen.
Dirk Jäger und Antje Jäger-Hundt nutzen die Zusammensetzung der Stockluft zum Heilen. © Egbert Kamprath

Endlich ist es warm und die Saison der Honigbienen kann so richtig starten. Und so summt es am Bienenhaus neben der Baumschule Kreiser im Kreischaer Ortsteil Gombsen geschäftig. Dirk Jäger und seine Frau Antje Jäger-Hundt sehen es mit Freude. Denn hier wird nicht nur Honig geerntet, sondern die fleißigen Insekten sind auch im Dienste der Gesundheit unterwegs.

Elf Völker hält das Ehepaar in einer geräumigen Blockhütte am Standort in Kreischa. Dirk Jäger öffnet einen Stock, indem er den Deckel der obersten Beute abnimmt. Darunter sorgt ein feines Gitternetz dafür, dass die Bienen nicht aus den Waben ins Hausinnere fliegen können. Nur die Luft aus dem Bienenstock dringt durch das Gitternetz. "Die hat 37 bis 38 Grad Celsius." Antje Jäger-Hundt setzt auf die Beute das Inhalationsgerät. Darüber wird die Luft aus dem Bienenstock sanft angesaugt und zum Patienten geleitet. Der Schlauch mit Atemmaske ist beheizbar. Dies sei notwendig, damit die Bienenstockluft nicht abkühlt und dadurch die Inhaltsstoffe an Wirkung verlieren. 

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In den Bienenstöcken herrscht eine unnachahmliche Atmosphäre. Die Insekten tragen Pollen und Nektar in ihre Waben. Zudem produzieren sie Wachs, um ihre Brut in den Waben abzukapseln. Darüberhinaus sammeln die Tiere einen äußerst raffinierten Stoff namens Propolis. Die klebrige Masse wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze gleichzeitig. Die Mischung aus Nektar, Pollen, Wachs und Propolis, die in der Stockluft liegt, kann Atemwegserkrankungen und Allergien lindern. Davon zumindest sind viele überzeugt, die sich mit der Apitherapie, der Heilkraft von Bienenprodukten, beschäftigen.

Stockluft gegen Allergien und Heuschnupfen

Die Stockluft-Therapie ist jedoch nicht unumstritten. Denn wissenschaftliche Studien dazu gibt es noch nicht. Manche Mediziner warnen vor der Heilmethode und verweisen darauf, dass die Inhaltsstoffe der Stockluft allergische Reaktionen auslösen können. Auch Antje Jäger-Hundt ist Medizinerin, sie arbeitet in Dippoldiswalde als Kinderärztin. Sie ist von der Wirkung der Stockluft überzeugt. "Unsere Patienten waren bisher alle zufrieden." Ihr Mann fügt hinzu, er habe selbst 30 Jahre lang unter Heuschnupfen gelitten. "Jetzt habe ich keine Allergieprobleme mehr."

Die Atemwegs-Therapie mittels Stockluft soll nicht nur gegen Heuschnupfen, sondern auch bei Asthma, Infektanfälligkeit, chronischen Atemwegserkrankungen oder schweren Lungenleiden, den sogenannten COPD-Patienten, helfen. Eine Sitzung dauert 30 Minuten. Ganz langsam wird dabei die Luft aus dem Bienenstock abgesaugt. Sie soll die Schleimhäute beruhigen und Entzündungen hemmen. 

Die Basisbehandlung umfasst insgesamt sechs Sitzungen. Sie kostet in Kreischa 380 Euro. Von den Krankenkassen wird das nicht übernommen. Dennoch: "Die meisten Heuschnupfenpatienten berichten schon nach vier Sitzungen von einem positiven Effekt", berichtet Antje Jäger-Hundt. Diese Patientengruppe kann oftmals Medikamente reduzieren und kommt beschwerdefrei durch die Pollenflugsaison.

Antivirale Wirkung könnte auch Corona-Viren bekämpfen helfen

Dass Bienenprodukte durchaus einen medizinischen Nutzen haben, ist nicht natürlich alles andere als neu. Honig wird seit Jahrhunderten als Heilmittel eingesetzt, zum Beispiel um Wunden zu behandeln. Und wer musste nicht als Kind bei starken Halsschmerzen warme Milch mit Honig trinken? Es gibt Honigpflaster und Propolis in flüssiger Form, der beispielsweise bei starken Halsschmerzen eingenommen oder bei verstopfter Nase mittels Dampfbad inhaliert werden kann.

Die Stockluft wiederum hat den Vorteil, dass die Stoffe da landen, wo sie gebraucht werden und wirken können: in den Atemwegen. Jäger-Hundt: "Die antivirale Wirkung von Propolis als einem der Bestandteile der Stockluft ist bekannt. Im Hinblick auf die aktuelle Corona-Pandemie wird dieser Aspekt natürlich umso interessanter."

Die Zusammensetzung der Stockluft untersuchen derzeit auch Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden. Das Team um Lebensmittelchemiker Prof. Karl Speer hat sich für Mai in der Therapiestation in Kreischa angesagt. Dann geht es um die Analyse der Inhaltsstoffe, als Grundlage für zukünftige Untersuchungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit. Auch Dirk Jäger und Antje Jäger-Hundt sind gespannt auf das Ergebnis.

Informationen unter www.bienenstocktherapie.de

Kontakt: Telefon 0172-9417292

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