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Wie ist der Schwimmunfall wirklich passiert?

Nach schweren Anschuldigungen gegen die Eltern, spricht nun der Vater des verunglückten Jungen.

Von Jane Pabst

Sie hat nicht aufgepasst, ihre Aufsichtspflicht verletzt, sie wird sich verantworten müssen – und zwar vor Gericht. Während draußen Temperaturen von 36 Grad herrschen, geht es auf dem Facebook-Profil der SZ Riesa genauso hitzig zu. Beschimpfungen gegenüber den Eltern, Rechtfertigungen der Betroffenen, Unterstellungen gegenüber dem Badpersonal. Damit macht nun der Vater des beinahe ertrunkenen Jungen Schluss.

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„Schuld hat keiner“, sagt er entschieden am Telefon. Und nimmt damit auch die Kindesmutter in Schutz. Wie es dazu kommen konnte, dass sein vierjähriger Sohn beinahe ertrunken wäre, schildert er so: „Meine Ex-Frau wollte gerade das Bad verlassen. Sie streifte meinem Sohn die Schwimmflügel ab, packte ihre Sachsen zusammen.“ In dieser Situation rannte der Junge plötzlich weg. „Da ist er stiften gegangen. Der Kleine ist ein reinster Wirbelwind, hat nur Flausen im Kopf“, sagt sein Vater über ihn. Jeden Tag sieht er sein Kind. Denn er wohnt direkt neben der Mutter, von der er seit Jahren getrennt lebt. „Er ist mein Ein und Alles, wir haben ein sehr inniges Verhältnis“, so der Mittdreißiger, der von Beruf gelernter Koch ist. An dem besagten Sonnabend wusste er davon, dass seine Ex mit dem Sohnemann ins Freibad wollte.

„Sie waren seit vormittags dort, ich kam mittags nach“, so der Vater, der anonym bleiben will. Mit seiner neuen Lebensgefährtin und weiteren Personen hielt er sich im Bad auf. „Ich verstehe mich zwar mit meiner Ex, aber im Bad war ich mit meinen Leuten. Jeder macht da sein Ding“, erzählt er weiter. Als das Unglück passierte, sonnte er sich gerade auf der Wiese. „Da rief ein Bekannter mir zu, dass ein blonder Junge am Beckenrand liegt.

Sofort bin ich hingelaufen und war schockiert, dass es sich um meinen Sohn handelte“, so der Riesaer. Auch gestern noch wirkte der schreckliche Vorfall nach. „Uns geht’s allen nicht so gut deswegen“, sagt er. Auch wegen der Schelte auf Facebook. „Wir werden da an den Pranger gestellt. Die sollen mal die Kirche im Dorf lassen“, so der Vater.

Ob die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben oder nicht, dazu will sich Rettungsschwimmer Robert Wölk nicht äußern. „Natürlich darf man Kinder nicht aus den Augen lassen“, sagt der 24-Jährige. „Aber jeder, der Kinder hat, weiß, dass das nicht immer möglich ist.“ Der Vorsitzende der Wasserwacht Riesa war am Unglückstag privat im Weidaer Bad. „Dennoch hat man das Becken immer im Blick“, sagt der Verwaltungswirt, der bei der Gemeinde Stauchitz arbeitet.

Als sich der Vorfall ereignete, stand er in der Nähe des Bademeister-Häuschens. „Der Badleiter Martin Lehmann sah den Körper des kleinen Jungen regungslos im Wasser treiben und sprang sofort ins Wasser. In dem Moment setzte ich den Notruf ab“, gibt Robert Wölk wieder. Als der Bademeister das Kind aus dem Wasser zog, begann dieser sofort mit der Reanimierung. Robert Wölk und ein weiterer Rettungsassistent halfen ihm dabei. Herzdruck-Massage, Mund-zu-Mund-Beatmung, dann spuckte der Junge endlich Wasser. „In der Schulung sieht es immer so locker und einfach aus, wenn wir die Reanimierung üben. Aber dann im Notfall wird einem schon anders zumute“, so Wölk. Er weiß, dass es ein wenig dauert, bis diese Maßnahmen wirken. „Da muss man Ruhe bewahren.“ Innerhalb weniger Minuten eilte schließlich der Notarzt herbei.

Magnet-Geschäftsführer Reiner Striegler wies am Dienstag noch darauf hin, dass im Wendehammer vor dem Freibad ein striktes Parkverbot bestehe. „Denn an dieser Stelle landet der Hubschrauber in solchen Notfällen.

Das war am Sonnabend nicht möglich, und er musste deshalb auf dem Rasen landen.“ Robert Wölk ist rückblickend erleichtert, dass der Junge noch am Beckenrand wieder das Bewusstsein erlangte. Der 24-Jährige: „Das war knapp.“