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Wie kommt die Wurst auf den Baum?

Der Weihnachtsbaum ist heute fast auf der ganzen Welt zum Brauch geworden. Nicht immer war er so beliebt.

Von Susanne Sodan

Jedes Jahr beginnt die Suche von Neuem. Tannen und Fichten werden auf den Weihnachtsmärkten, in Baumärkten und Gärtnereien aufs Genaueste begutachtet, gedreht und gewendet. Ein dichtes, tief grünes Tannenkleid soll er haben, gerade und gleichmäßig gewachsen sein – der perfekte Weihnachtsbaum. Andere suchen auf Plantagen und freigegebenen Waldflächen nach dem schönsten aller Weihnachtsbäume. Der Brauch hat sich beinahe auf der ganzen Welt verbreitet.

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„Ich habe Weihnachten auch schon in Brasilien und Indonesien verbracht. Auch dort werden Weihnachtsbäume aufgestellt – auch wenn sie aus Plastik sind“, erzählt Ulrich Pietzarka, Kustos des Forstbotanischen Gartens in Tharandt. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Erlebniswerkstatt Sylvaticon ist er der Frage nach Ursprung und Entwicklung der Tradition nachgegangen. Für Kinder und Jugendliche finden auch in diesem Jahr im Sylvaticon wieder Veranstaltungen rund um den Weihnachtsbaum statt. Dafür werden Nadelbäume des Forstbotanischen Gartens geschmückt – als Beispiele für verschiedene Weihnachtsbaum-Epochen. „Bäume stehen für Stärke, für das Leben. Schon in der vorchristlichen Zeit hat man Grünes in die Wohnung getragen – ein Symbol für das Überleben im Winter“, erklärt Ulrich Pietzarka.

Die erste urkundliche Erwähnung eines Weihnachtsbaumes stammt aus dem Jahr 1465. „Die ersten Weihnachtsbäume gab es im Schwarzwald und im Elsass“, erzählt Pietzarka. „Das waren damals Gemeinschaftsbäume, die zum Beispiel auf dem Dorfplatz standen. Diesen Luxus konnten sich nur Wohlhabende leisten, zum Beispiel die Zünfte“. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam der Baumschmuck hinzu – und der sah damals ganz anders aus als heute. „Dieser Brauch ist eng verbunden mit der Opfergabe. Man hat Äpfel und Nüsse auf den Baum gehängt – damals sehr wertvolle Nahrungsmittel. Die Bedürftigen durften die Bäume dann plündern“, erklärt Pietzarka. „Was auf dem Baum hing, war abhängig davon, wer ihn schmückte. Bei einer Fleischerzunft waren es dann eben Würste“, erzählt Annette Frenzel, Mitarbeiterin der Erlebniswerkstatt.

Im 17. Jahrhundert tritt der Weihnachtsbaum langsam seinen Vormarsch in die heimischen Wohnzimmer an – mit Rückschlägen. „Zeitweise hat man Weihnachtsbäume in Brandenburg wegen der Feuergefahr gesetzlich verboten“, erzählt Pietzarka. In Bayern waren sie zuweilen nicht gern gesehen – wegen des Bezugs zu vorchristlichen Bräuchen. Die Verbreitung des Weihnachtsbaumes konnte das nicht stoppen. Die Gaben wurden irgendwann zu schwer und zu groß und fanden ihren Platz nicht mehr am, sondern unterm Baum. Aus dem Apfel wurde die Weihnachtsbaumkugel, ein Symbol für die Frucht – und für Fruchtbarkeit, auf die man für das kommende Jahr hoffte.

Und welche Bäume machen sich nun besonders gut im heimischen Wohnzimmer? „Zu den Gattungen, die wenig nadeln, zählen Tanne und Fichte. Mittlerweile hat man aber auch besondere Kieferngattungen als Weihnachtsbaum entdeckt“, erzählt Pietzarka. Klarmachen müsse man sich aber, dass die Bäume oft eine lange Lagerungsdauer hinter sich haben. „Viele Weihnachtsbäume wurden auch importiert, zum Beispiel aus Dänemark. Und wenn solch ein Baum schon vier Wochen gelegen hat, nadelt er dann eben doch“. Mancher greift deshalb lieber auf die Variante im Topf zurück. Aber auch dabei ist einiges zu beachten. „In der Wohnung sind die Bäume voll aktiv. Sie müssen also viel gegossen werden“. Ist das Fest vorbei, sind Kugeln und Lichterkette wieder im Keller verstaut, sollte man den Topf nicht sofort rausstellen. Sobald die Wurzeln gefrieren, kann der Baum kein Wasser mehr aufnehmen – er vertrocknet. „Die Bäume müssen sich erst an die Temperaturen gewöhnen. Über den Winter sollte man sie an einem kühlen aber frostfreien Standort lagern“. Im Frühjahr dürfen sie nach draußen.