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Wie kommt ein Ritter auf sein Pferd?

Der Deutsche Orden führt es vor – beim 12. Mittelalterlichen Oster-Spectaculum auf Schloss Burgk in Freital.

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Von Thomas Morgenroth

Starr und steif steht der Ritter in der eisernen Rüstung neben seinem Pferd. Vier Knappen befestigen mehrere Seile an dem Blechmann und hieven ihn mittels einer Winde und eines Auslegers in den Sattel. So also kam im Mittelalter der rundum verpackte Krieger auf sein Ross. Oder? „Alles Quatsch“, sagt André Schuchardt und lacht. „Ich werde am Osterwochenende in Freital zeigen, dass der Ritter in seiner Rüstung, die durchaus 30 Kilogramm wiegen konnte, ganz allein auf das Pferd kommt.“ Und er ist dort oben erstaunlich beweglich. „Sonst hätte er kaum lange überlebt“, sagt der 49-jährige Berliner. „Das mit dem Kran ist ein Mythos, das hat es nie gegeben.“

Aus Schuchardt, dem Leitenden Polizeioberkommissar, wird ab Karsonnabend für drei Tage Magister Generalis Andreas de Freiberc, geboren am 26. Juni 1204. Mit seinem Lehnherrn Werner de Kapellendorp zog er viele Jahre durch die Lande: 1220 nach Rom zur Kaiserkrönung und 1228 mit Friedrich II. ins Heilige Land. Dort lernte Andreas de Freiberc die Tugenden des Deutschen Ordens kennen – und gründete acht Jahrhunderte später in Berlin den Förderverein „Hochmeister Deutsch Orden“, dessen Vorsitzender er ist.

Kostenlose Kinderaktionen

Schuchardt, der mit sieben Mitstreitern nach Freital kommt, hat sich der authentischen Präsentation des Hochmittelalters im 13. Jahrhundert verschrieben, am Beispiel des 1191 gegründeten Deutschen Ordens, den es heute noch gibt. „Wir bauen ein Hochmeisterzelt auf, ein Lager mit einer großen Schauküche und zeigen, wie das Leben damals wirklich war“, sagt Schuchardt. Nicht nur dunkel und elend, wie es gern in Hollywood-Filmen dargestellt wird. „Wir wollen aufklären und keine Klischees bedienen“, meint der Vorsitzende. „Wir sind keine Haudrauf-Truppe.“

Diesen Part übernehmen in bewährter Weise die böhmischen Ritter der Gruppe Hartigo. Sie waren schon bei der ersten Auflage des Oster-Spectaculums auf Schloss Burgk dabei und fehlen auch bei der zwölften Auflage nicht. Das dreitägige Fest, veranstaltet vom Projektzentrum Dresden, wartet zudem erneut mit einem historischen Markt auf, an dem sich um die fünfzig Marketender und Handwerker beteiligen. „Neu sind ein Brillenmacher, eine Korsettmacherin und ein Stuhlbauer“, sagt Marktvogt Karl von Dräsn.

Für das leibliche Wohl bieten mittelalterliche Tavernen alles an, was der Magen so begehrt, von gesottener Sau über gerösteten Erdapfel bis zu Pflaumenkuchen. Und die dazu passenden Gaumenkitzler wie Türkentrank, Klosterbräu, Met und Fruchtwein. „Wen nach der Völlerei der Magen zwickt“, sagt Karl von Dräsn schmunzelnd, „der sollte sich vom Chirurgus Ulricus Ulcus mit seinen schröcklichen Rosskuren behandeln lassen.“

Für Kurzweil auf der Bühne im Hof und zwischen den Ständen sorgen unter anderem die Spielleute „Donner und Doria“ aus Marienberg sowie das Duo „Asa-tru“ aus dem Struppener Ortsteil Thürmsdorf. Neu in Freital sind die Fakire und Stelzenläufer von „Floer Afoe“ aus Hessen und der Feuer-Joungleur Arne Feuerschlund aus Rostock. Karl von Dräsn verspricht „spektakuläre Darbietungen“. So wie im vergangenen Jahr die Gebrüder Weisheit auf dem Hochseil. „Das“, bedauert Thomas Szymkowiak, Inhaber des Projektzentrums, „können wir uns freilich nicht jedes Jahr leisten.“

Dafür aber führt er eine nicht ganz billige, dafür aber familienfreudliche Tradition fort: Sämtliche Kinderaktionen wie Ponyreiten, Mäuse-Roulette, Bogenschießen, Schminken, Kerzenziehen, Zinngießen oder Kinder-Ritterturnier sind kostenlos. Natürlich nur für den Nachwuchs selbst.

Vielleicht bietet Karl von Dräsn auch Schneeschippen an. Das ist weniger lustig als es klingt: „Wir können weder Zelte noch Stände im Schnee aufbauen, auch für die kämpfenden Ritter ist das ein Problem.“ Der Marktvogt hofft nun auf wärmeres Wetter – oder tatkräftige Hilfe. Motto: „Schmiedet Schwerter zu Schaufeln“. Für den Deutschen Orden wäre das sogar authentisch, immerhin hat er im Mittelalter mehr als einhundert Städte gegründet.

12. Oster-Spectaculum auf Schloss Burgk in Freital, 30./31.3. und 1.4., jeweils ab 10 bis ca. 19 Uhr;

Eintritt 7, ermäßigt 4 Euro, Kinder unter Schwertlänge frei.