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Wie nah ist der Wolf Radeberg?

In der Heide ist er schon gesichtet worden. Muss man sich vor ihm fürchten?

Man bekommt Wölfe kaum zu Gesicht. Dieser hier lebt in einem Wildpark in Bayern.
Man bekommt Wölfe kaum zu Gesicht. Dieser hier lebt in einem Wildpark in Bayern. © dpa

Beobachtet hat Holger Zastrow bisher noch keinen. Dafür wollen aber manche seiner Gäste die Tiere schon gesehen haben. Zastrow ist Besitzer der zwischen Langebrück und Dresden liegenden Gaststätte Hofewiese. Unweit seiner in der Dresdner Heide gelegenen Lokalität hält sich seit einem halben Jahr ein Wolfsrudel auf.

„Ich höre mitunter, dass Jogger und Reiter hier einzelne Tiere beobachtet haben wollen“, erzählt Zastrow. Die Wölfe seien mittlerweile ein Dauerthema bei seinen Besuchern. Von einer Art Wolfstourismus könne man aber nicht reden. Jedenfalls noch nicht. Hängt sicher davon ab, ob sich die Wölfe dauerhaft in der Heide niederlassen werden. Ein ungutes Gefühl ob der Nähe dieser Tiere hat Zastrow aber nicht. Allerdings müsse man diesen Tieren schon Respekt entgegenbringen, so der Besitzer der Hofewiese.

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Seitdem im vergangenen Jahr die ersten Wölfe in der Dresdner Heide gesichtet und in Weißig zwei Schafe gerissen wurden, war die Aufregung in weiten Teilen der Bevölkerung groß. 2019 waren bei der Fachstelle Wolf beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie rund 50 Hinweise auf die Tiere in der Dresdner Region eingegangen. Es wurde deutlich, dass der Wolf nun sozusagen vor den Toren der Landeshauptstadt steht.

Wie aber geht man mit so einer Situation um, die insbesondere für Nutztierhalter Bedrohungspotenzial hat? Als Matthias Rau jüngst im Langebrücker Bürgerhaus einen Vortrag über die in der Region lebenden Wölfe hielt, sei das Interesse beträchtlich gewesen, erzählt Rau, der das ist, was man gemeinhin unter einem Wolfsexperten versteht. Der 52-jährige Langebrücker leitet die Fachstelle Wolf beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft. Der Vortrag, zu dem auch etliche Nutztierhalter nach Langebrück gekommen waren, sei „gesittet abgelaufen“, erzählt er. Was wohl darauf hindeutet, dass es bei manchen dieser Vorträge, die den Wolf zum Thema haben, auch schon mal emotional zugeht. Natürlich hätten die Leute die üblichen Fragen an ihn gehabt. Etwa, wie man sich vor den Tieren schützen könne und wie man sich bei Begegnungen verhalten solle. Und natürlich auch, ob sich die Wölfe dauerhaft in der Dresdner Heide ansiedeln werden. Aber da muss auch jemand wie Rau passen. Denn „das kann man derzeit wirklich nicht einschätzen.“ Die Natur überrasche aber halt immer wieder.

In Sachsen leben derzeit 22 Wolfsrudel. Dazu kommen derzeit vier Paare sowie ein Einzeltier. Sachsen zählt damit nach Brandenburg zu den Ländern mit dem höchsten Wolfsbestand in Deutschland. Zu den neuen sächsischen Wolfsterritorien gehört mittlerweile auch die Dresdner Heide. Mit der wachsenden Zahl der Wölfe hat sich in diesem Jahr auch die Zahl der von ihnen getöteten Nutztiere erhöht. Im vergangenen Jahr gab es im Freistaat rund 480 Angriffe auf Nutztiere, von denen dabei 342 starben. Mehr als im Jahr zuvor.

Für Andrzej Krysztowinski ist die Tatsache, dass sich in der Dresdner Heide Wölfe aufhalten, nicht ungewöhnlich. Das sei doch logisch, meint der Weixdorfer Jäger. Schließlich lebten in der Lausitz seit mehr als zwanzig Jahren Wölfe. Dass die sich vermehrten und ausbreiteten, sei einfach die Konsequenz aus so einer Entwicklung. Und dass Wölfe jetzt im Dresdner Stadtgebiet lebten, das „ist etwas, was mal kommen musste“. Ob die Tiere sich dauerhaft in der Heide ansiedelten, hänge allerdings davon ab, ob sie sich fortpflanzten. Dass sich die Wölfe in dem stadtnahen Waldgebiet aufhalten, das über ein dichtes Wegenetz verfügt und fast rund um die Uhr von Freizeitsportlern frequentiert wird, lasse aber nicht darauf schließen, dass die Tiere die Scheu vor den Menschen verloren hätten, so der Weixdorfer. Wenn man auf einen treffe, hänge das wahrscheinlich damit zusammen, dass die Wölfe den Menschen wegen entsprechender Windverhältnisse nicht richtig bemerkten.

Auf jeden Fall, diese Auffassung vertritt Holger Zastrow, müsse man das Vorhandensein der Wölfe in der Heide Ernst nehmen, sich damit auseinandersetzen, dass diese Tiere „zu unserem Lebensraum“ gehören. Mit deren Gegenwart man sich arrangieren müsse, so Zastrow weiter, der im Übrigen gespannt ist, ob er demnächst mal einen Wolf beobachten kann.

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