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Wie Pirna sicherer werden soll

Ein großes Netzwerk soll künftig Kriminalität verhindern, bevor sie entsteht. So ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

Nach einer Messerstecherei im Dezember 2018 stehen Polizei und Rettungskräfte auf dem Sonnensteiner Rewe-Parkplatz, der zu Pirnas Brennpunkten zählt. Ein Netzwerk will nun das Konfliktpotenzial schon im Vorhinein entschärfen.
Nach einer Messerstecherei im Dezember 2018 stehen Polizei und Rettungskräfte auf dem Sonnensteiner Rewe-Parkplatz, der zu Pirnas Brennpunkten zählt. Ein Netzwerk will nun das Konfliktpotenzial schon im Vorhinein entschärfen. © Foto: Marko Förster

Saufende Gruppen am Thälmannplatz, grölende Jugendliche auf dem Sonnenstein, Messerstechereien im Friedenspark: In der jüngeren Zeit haben sich in Pirna mehrere Brennpunkte herauskristallisiert, die eine Menge Potenzial für Konflikte und Kriminalität in sich bergen. Mit breiter Front will die Stadt nun die Konflikt-Areale entschärfen, vor allem aber will sie verhindern, dass sie überhaupt entstehen. Gelingen soll das mit einem wiederbelebten Präventionsnetzwerk, dem viele Akteure angehören. Es will schon im Vorfeld Konflikt-Ursachen bekämpfen. Das Netzwerk hat jetzt offiziell mit seiner Arbeit begonnen, die SZ stellt das Projekt vor.

Was bezweckt das Präventionsnetzwerk?

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Das Netzwerk soll die Präventionsarbeit, die schon seit Jahren in der Stadt läuft, strukturieren und bündeln. Vereine, Schulen, Stadt, Polizei und Elternhäuser arbeiten ja sowieso seit jeher daran, dass beispielsweise niemand süchtig wird oder auf die schiefe Bahn gerät. „Bei so vielen Akteuren bedarf es aber eines einheitlichen Verständnisses für Prävention“, sagt Candy Sommer, Leiter des Pirnaer Polizeireviers. Laut Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke ist Ziel der Netzwerk-Arbeit, die objektive Sicherheitslage und das Wohnumfeld zu verbessern sowie das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen zu stärken. Ganz neu ist die Idee freilich nicht: Schon vor Jahren gab es in Pirna einen Kriminalpräventiven Rat sowie eine Steuerungsgruppe Extremismus, die sich denselben Problemen widmete – deren Arbeit aber in den letzten Jahren offensichtlich etwas eingeschlafen war.

Warum spielt die Prävention eine so wichtige Rolle?

Mit der Präventionsarbeit sollen Kriminalität und die Entstehung von Brennpunkten möglichst schon im Keim erstickt werden. „Wir haben uns gefragt, wie es gelingen kann, dass wir den Straftaten nicht nur hinterherhecheln und deren Schäden reparieren, sondern wie alle gemeinsam vorbeugend tätig werden können“ , sagt Sommer. Es gebe genügend Problemfelder in Pirna. Bislang habe man aber meist nur an den Symptomen herumgedoktert, statt die Ursachen zu bekämpfen. Man wolle nun mit vielen Akteuren an die Ursachen der Kriminalität ran, damit sie gar nicht erst entsteht.

Hat Pirna eine überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsrate?

Für 2018 liegen noch keine Zahlen vor. Laut Sommer sei die Zahl der Straftaten im Vergleich zu 2017 aber nicht gestiegen, eher etwas zurückgegangen. Generell sei in Pirna die Kriminalität nicht höher als anderswo. „Allerdings sind für die viele die tatsächlichen Zahlen nicht relevant“, sagt der Revierleiter. Bei ihnen sei die gefühlte Kriminalitätsrate viel höher als die objektive. Deshalb müsse das Sicherheitsgefühl gestärkt werden.

Was war der Auslöser für das Wiederaufleben des Netzwerks?

Der heiße Sommer 2018. Viele Pirnaer verlagerten ihre Aktivitäten nach draußen, was sich laut Hanke an einigen Orten unschön widerspiegelte. Thälmannplatz und Friedenspark wurden einmal mehr zum Trinkertreff und zum Anlaufpunkt grölender und randalierender Jugendgruppen, mehrmals gipfelte das Treiben in Messerstechereien, es gab Verletzte. Auch auf dem Sonnenstein lärmten Jugendliche tagelang bis in die Nacht hinein. Danach suchte man auf dem Sonnenstein nach Räumen für die Jugendlichen und versuchte, sie dafür zu sensibilisieren, dass sich Anwohner nachts vom Lärm gestört fühlen. Doch es ging immer nur um den Einzelfall, eine generelle Lösung gab es nicht. Auch das Alkoholverbot am Thälmannplatz und im Friedenspark hilft nur bedingt, weil es nur ein Jahr gelten darf. „Deshalb müssen wir uns mal hinsetzen, um tiefgreifendere Lösungen zu finden“, sagt Hanke. Schon seit einem Dreivierteljahr mobilisieren Stadt und Polizei Akteure für das Netzwerk.

Wer gehört dem Präventionsnetzwerk an?

Eine Lenkungsgruppe mit Hanke und Sommer an der Spitze leitet künftig die Geschicke der Präventionsarbeit. Ihr gehören zudem Mitarbeiter des Rathauses und des Landratsamtes, der städtischen Wohnungsgesellschaft sowie von Vereinen des gesellschaftlichen Lebens an – beispielsweise vom Hanno, der Aktion Zivilcourage und der Caritas. Die Lenkungsgruppe fungiert als zentrales Entscheidungsgremium. Dazu gibt es sogenannte „Runde Tische“, an denen dann in großer Runde einzelne Problemfelder und mögliche Lösungen besprochen werden. Die Hauptarbeit der Prävention obliegt aber den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften in den einzelnen Ortsteilen, wie beispielsweise der Arbeitsgruppe Soziale Stadt auf dem Sonnenstein und der Arbeitsgruppe Friedenspark in der Innenstadt. Sämtliche Fäden laufen bei Netzwerk-Koordinator Johannes Enke im Rathaus zusammen.

Wie kommt das Netzwerk an seine Informationen über Probleme?

Von ganz unterschiedlichen Stellen. Laut Hanke führen beispielsweise die Stadtteilmanager eine Liste, wer aus ihrem Beritt angerufen und Probleme geschildert hat. Auch andere Akteure wie Vereine und Arbeitsgruppen liefern Infos zu potenziellen Konfliktfeldern, zudem kennen Stadt und Polizei die Hauptschwerpunkte. Darüber hinaus sind alle Einwohner aufgerufen, sich wieder mehr für ihr Umfeld zu interessieren und mögliche Konfliktpunkte ans Netzwerk zu melden.

Wie kann so eine Präventionsarbeit funktionieren?

Ein Beispiel: Als der Zaun zwischen Friedenspark und Goethe-Oberschule noch dicht bewachsen war, wurde aus dem Park des Öfteren Alkohol durch den Zaun an die Schüler gereicht – zum Missfallen der Lehrer und der Stadt. Das Rathaus ließ zunächst die Büsche ratzekahl schneiden. Um das Problem aber auf Dauer zu lösen, beschloss der Stadtrat, den Friedenspark insgesamt sanieren zu lassen. Nun gibt es solche versteckten Ecken nicht mehr. „Das war eine kommunalpräventive Entscheidung“, sagt Hanke.

Wie geht die Arbeit des Netzwerkes jetzt weiter?

Laut Sommer wird zunächst die Gesamtsituation in Pirna analysiert. Das dauert allerdings seine Zeit, noch gibt es keinen Zeitplan, wann die Analyse stehen soll. Daraus sollen sich später Strategien gegen bestimmte Probleme entwickeln, die anschließend umgesetzt werden. Dieses Modell soll geprüft sowie bei Bedarf angepasst und erweitert werden.

Kontakt: prä[email protected] (ab 11. Februar freigeschaltet)

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