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Wie Schüler ihre Probleme klären

In der freien Mittelschule in Weißenberg gibt es ein neues Projekt – damit Schüler selbstständig und Lehrer entlastet werden.

© Steffen Unger

Von Kerstin Fiedler

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Weißenberg. Hier wird nicht nur geschimpft, hier wird auch gelobt. In der freien Mittelschule in Weißenberg startete ein Projekt, bei dem sich die Schüler sehr viel selbst einbringen können. Das Projekt, in dem die Landkreise Bautzen und Görlitz, das Landesamt für Schule und Bildung sowie die Polizeidirektion Görlitz zusammenarbeiten, nennt sich „PiT“ – Prävention im Team.

Ein Teil dieses Projekts ist der Klassenrat. Rick Popig und Marco Krüger aus der siebenten Klasse erzählen ganz begeistert davon. Schon im vergangenen Schuljahr haben sie damit angefangen. „Alle Schüler und der Klassenlehrer setzen sich in einen Stuhlkreis. Dann werden die Probleme angesprochen und diskutiert“, erklärt Rick. Organisiert wird die Stunde von einem Klassenrats-Chef, einem, der das Protokoll führt und jeweils einem Zeit- und Regelwächter. Wobei die handelnden Personen immer wechseln. Momentan sind eben Rick und Marco diejenigen, die entscheiden, was auf der Tagesordnung steht. Die Vorschläge dazu können in einen selbst gebauten Briefkasten geworfen werden. Dabei geht es nicht nur um Probleme und Streit. „Klar müssen wir klären, was geschehen ist, wenn einer einen anderen geschlagen hat oder wenn jemand den Unterricht stört“, sagt Marco. Zur Strafe muss dann der Verursacher zum Beispiel die Klassenregeln, die sich jede Klasse selber gibt, abschreiben, oder er muss das Zimmer wischen. Auf der anderen Seite wird auch gelobt. „Wenn zum Beispiel jemand dem Hausmeister geholfen hat, bekommt er etwas Süßes“, erzählt Rick. Die Schüler organisieren jedoch nicht nur diesen Klassenrat, sondern auch Klassenfahrten. Die werden auch in der Runde besprochen.

Nur einer darf sprechen

Nicht jedem Schüler gefällt solch ein offener Umgang mit Kritik. „Wir haben auch schon jemanden rausgeschickt, wenn er sich nicht benommen hat“, sagen die beiden Zwölfjährigen. Jeder, der dran ist, hat einen Ball in der Hand, nur er darf sprechen. Und auch, wenn der Klassenlehrer – der ebenfalls seine Themenvorschläge in den Briefkasten werfen kann – im Raum ist, die Verantwortung haben die Schüler selber. Der Klassenrat wird bis zur neunten Klasse in der Schule angewandt.

Schulleiterin Manuela Ertel findet das Projekt, für das die Schule jetzt einen Vertrag über sieben Jahre abgeschlossen hat, sehr hilfreich. „Vor allem entlastet es die Klassenlehrer, wenn die Schüler sich selbst um ihre Probleme kümmern“, sagt sie. Neben dem Klassenrat gibt es zwei weitere Schienen. In den Klassen fünf und sechs geht es um Lebenskompetenz unter dem Motto „Erwachsen werden“. Das heißt, es werden Themen behandelt wie die Stärkung des Selbstbewusstseins, die Beziehung zu Freunden oder das Thema „mein Zuhause“. Es geht aber auch darum, zu lernen, eigene Entscheidungen zu treffen. „Wir haben diese Schiene in den Ethik- und Religionsunterricht eingebunden“, sagt Manuela Ertel. Sie will auch noch das dritte Thema wieder in Angriff nehmen, die Schulstreitschlichter. Das Netzwerk PiT nutzt die Schule, wenn es um solche Fakten geht wie Missbrauch von Medien, Mobbing oder Alkohol- und Drogenprobleme. „Dann haben wir beim PiT unsere Ansprechpartner, die in die Schule kommen“, sagt sie. Und ist froh, dass der Schulträgerverein das Projekt unterstützt.

www.pit-ostsachsen.de