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Wie Senioren durch Bewegung lange fit bleiben

Beim Bischofswerdaer Wanderverein kann man nicht nur die Muskeln und Gelenke trainieren. Es gibt auch Kurse für Sturzprophylaxe.

Unter Anleitung von Karin Grundmann stärken Senioren in Bischofswerda Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht. Die Übungsleiterin weiß: Bewegung in jedem Alter ist notwendig.
Unter Anleitung von Karin Grundmann stärken Senioren in Bischofswerda Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht. Die Übungsleiterin weiß: Bewegung in jedem Alter ist notwendig. © Steffen Unger

Bischofswerda. Wir machen einen Katzenbuckel und dann umarmen wir einen großen Ball – so beschreibt Karin Grundmann, was sie als nächste Übung für ihre Kursteilnehmer bereithält. Eine Handvoll Damen und Herren älteren Semesters folgen brav ihren Anweisungen. Sie drehen den Oberkörper, kreisen die Hüfte, stellen sich auf die Zehenspitzen. Alles für das eine Ziel: fit zu werden und zu bleiben und damit auch möglichen Stürzen vorzubeugen.

„Im Alter bekommen viele ältere Menschen Gleichgewichtsstörungen, die dazu führen, dass sie öfter stürzen“, weiß die Übungsleiterin. „Dem wollen wir mit dem Kurs vorbeugen.“ Denn Stürze sind bei älteren Menschen nicht nur häufig, sondern meist auch folgenschwer. Doch viele dieser Unfälle im Alltag ließen sich vermeiden, sagt Karin Grundmann. Zum Beispiel mit etwas mehr Bewegung.

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Spezielle Übungen

Sport ist für viele ein ganz schrecklicher Begriff. Dabei wäre es gerade im Alter wichtig, sich möglichst viel zu bewegen, um Muskelabbau entgegenzuwirken, körperliche Funktionsfähigkeit zu erhöhen, Balance zu erhalten und damit das Sturzrisiko zu senken.

Genau diesem Thema widmet sich der Bischofswerdaer Wanderverein mit seinen neuen Gesundheitskursen. Der Zehn-Wochen-Kurs „Sturzprophylaxe und Sturzprävention“ zeigt mögliche Ursachen von Stürzen auf, gibt Anregungen zur Minderung von Risikofaktoren und zeigt unter fachgerechter Anleitung spezielle Übungen zur Koordination, Festigung und zum Aufbau der Muskulatur.

Die Teilnehmer machen dafür einfache Übungen, doch diese bewirken viel. „Die Gleichgewichtsübungen nehmen den Senioren die Angst, sich zu bewegen, sie steigern damit ihre Mobilität.“ Nur so könne man lernen, sich auch in ungewohnten Situationen wieder sicher zu fühlen. Wichtig sei vor allem, dass Betroffene wieder Vertrauen in die eigene Beweglichkeit bekommen. Denn oft befänden sich Ältere in einem Teufelskreis: Je mehr körperliche Sicherheit schwinde, desto weniger trauten sie sich zu – mitunter so wenig, dass mancher das Haus gar nicht mehr verlasse.

Stolperfallen im Alltag

Karin Grundmann weiß nach mehreren Stürzen und Unfällen aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn man beispielsweise den Oberkörper nicht mehr aufrichten kann. „Ich kann da eigene Leidenserfahrungen einbringen.“ Aber eben auch profundes Wissen. Denn sie hat eine zweijährige Ausbildung als Übungsleiterin Prävention und eine Spezialisierung auf dem Gebiet Sport mit Älteren erfolgreich absolviert.

„Mein Wissen gebe ich nun gerne an die Senioren weiter, um ihnen zu helfen, die Lebensqualität zu erhöhen.“ Dazu gehört nicht nur Bewegung, sondern beispielsweise auch das Schärfen des Blicks für typische Stolperfallen im Alltag. Denn auch das Beseitigen des rutschigen Badewannenvorlegers oder von lose herumliegenden Kabeln in der Wohnung gehört zur Sturzprävention.

Bei Karin Grundmann trainieren die Senioren nicht nur Muskeln und Gelenke, sondern auch den Geist. Und das ebenfalls mit Bewegung. Denn es sei erwiesen, so die Übungsleiterin, dass eine Kombination aus Gedächtnis- und Bewegungstraining besonders gut für einen schnellen und nachhaltigen Erfolg ist. 

Also müssen die Kursteilnehmer quer durch die Halle laufen und sich auf Klatschzeichen in fiktive Nadel- oder Laubbäume verwandeln. Die einen mittels seitlich abgespreizter Arme. Die anderen, indem sie die Arme kreisrund über dem Kopf zusammenführen. Während die einen stehenbleiben müssen, laufen die anderen weiter. Gar nicht so einfach, das alles zu koordinieren. Doch den Teilnehmern macht es sichtlich Spaß.

Dass Menschen körperlich und geistig abbauen, wurde lange Zeit vornehmlich als Folge des Alters gesehen. Inzwischen weiß man, dass auch Bewegungsmangel hierfür verantwortlich ist. Deshalb ist Bewegung in jedem Alter notwendig, um selbstständig, aber auch selbstbestimmt am aktiven und gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, weiß Karin Grundmann.

Training mit Treppensteigen

Um mehr Lebensqualität geht es auch im zwölfwöchigen Alltags-Trainings-Programm, das Karin Grundmann ebenfalls leitet. Sie will zeigen, wie leicht es ist, den Alltag drinnen und draußen als tägliche Übungseinheit zu nutzen. Mit der richtigen Einstellung kann man aus Treppensteigen, Einkaufstaschen tragen oder dem Weg zum Arzt zum Training machen.

Im März starten die nächsten Kurse – sowohl zur Sturzprävention als auch in Sachen Alltagstraining. Die zertifizierten Gesundheitskurse sind Teil des Programmes „Sport pro Gesundheit“ und werden von den Krankenkassen anerkannt und bezuschusst. Je nach Kasse müssen die Teilnehmer einen Eigenanteil zwischen 10 und 25 Euro übernehmen, AOK-Versicherte können einen Gutschein anfordern. Grundsätzlich kann jeder, der Interesse hat, bei der Übungsgruppe mitmachen. Ohne Zuschuss kostet der Kurs 100 Euro.

Anmeldung und nähere Infos bei Karin Grundmann unter 03594 702403 oder mobil unter 0174 9696720