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Wie sicher sind die Freitaler Kitas?

Nach dem Fenstersturz einer Dreijährigen fragen sich Eltern, ob sich das wiederholen kann.

Von Jane Jannke

Ein Kind wird versehentlich im Gruppenraum eingeschlossen. Über eine Kinderküche klettert es aufs Fensterbrett, öffnet das Fenster, um Hilfe zu rufen. Ein falscher Schritt, der Sturz. Den Fall aus sechs Metern Höhe hat das dreijährige Mädchen – wenn auch schwer verletzt – überlebt. Es bleibt die Frage nach den Umständen, die zu dieser Beinahekatastrophe führen konnten. Wie sicher sind Freitals Kindertagesstätten? Viele Eltern zeigten sich am Freitag erschüttert, aber auch erbost. Beklagt werden zu wenig Personal, aber auch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen.

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Freitals Sozialbürgermeister Mirko Kretschmer-Schöppan (parteilos) mahnte zur Besonnenheit. „Ich kann aus vollster Überzeugung sagen, dass sämtliche Kitas in Freital absolut sicher sind und neuesten Standards entsprechen.“ Panikmache sei das Letzte, was man jetzt gebrauchen könne. Die 33-jährige Betreuerin, die nach derzeitigem Ermittlungsstand das Unglück vermutlich durch eine Unachtsamkeit herbeiführte, nahm Kretschmer-Schöppan ausdrücklich in Schutz: „Wir sind alle nur Menschen, und sie macht sich derzeit sicherlich selbst die größten Vorwürfe.“

Wie ein circa 95 Zentimeter kleines Kind derart leicht ein Fenster im zweiten Stock öffnen konnte, wirft dennoch unangenehme Fragen auf. Laut Planungshinweisen der Unfallkasse Sachsen, die als Richtlinien für die Inbetriebnahme neuer Kitas gelten, werden „Brüstungen von mindestens einem Meter Höhe zur Absturzsicherung“ sowie „abschließbare Oliven (Fensterschlösser)“ empfohlen. Das Problem, so Sprecher Karsten Janz: „Die Richtlinien sind nicht verpflichtend. Sehr häufig fallen deshalb bei späteren Überprüfungen infolge von Vorfällen Sicherheitsmängel in Kitas auf.“ Passiere allerdings tatsächlich etwas, hafte in der Regel der Betreiber.

Ob im Falle der Kita „Schatzinsel“ auf abschließbare Fensterschlösser verzichtet oder aber einfach nur das Abschließen versäumt wurde, war bis Redaktionsschluss nicht zu ermitteln. Da sich die Schlösser Polizeiangaben zufolge in 1,90 Meter Höhe befinden, liege – so der Sozialbürgermeister – die Vermutung nahe, dass auf den Einbau zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen verzichtet wurde. Diese Fragen würden nach Abschluss der Ermittlungen Gegenstand amtsinterner Auswertungen sein. Die Stadt hatte die Einrichtung erst kürzlich aufwendig im laufenden Betrieb saniert und erweitert und im März offiziell wieder eingeweiht.

In Freitals Kitas herrschte am Freitag tiefe Bestürzung über den Vorfall. In einigen Häusern wurden Mitarbeitergespräche angesetzt. Das Frühstück sei ihm buchstäblich im Halse stecken geblieben, schilderte Chris Meyer vom Lebensbaum Freital e. V., Betreiber der Kitas „Wurzelzwerge“ in Kleinnaundorf und „Storchenbrunnen“ in Döhlen. Beide Häuser sind nagelneu und im Passivhausstil gebaut. Sie verfügen über eine Klimatisierung; Fenster lassen sich lediglich in Form von Oberlichtern öffnen. „Es gab mehrere Sicherheitsprüfungen, nichts wurde beanstandet. Trotzdem fragt man sich jetzt: Könnte das auch bei uns passieren?“ Meyer nimmt – wie auch Ute Genderjahn vom freien Trägerverein A/S – den hohen Personalschlüssel in den Kitas in die Kritik. Für bis zu 13 Kinder ist ein Betreuer in Sachsen zuständig. Wenn Erzieher sich um so viele Kinder gleichzeitig kümmern müssten, so Meyer, erhöhe das zwangsläufig auch das Fehlerrisiko.