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Leben und Stil

Wie wird mein Kind schneller trocken?

Die Frage, die Eltern und Großelterngeneration trennt - beantwortet von SZ-Kolumnist Prof. Veit Rössner.

Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner
Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner © Matthias Rietschel

Unsere Tochter wird bald zwei Jahre und benötigt immer noch Windeln. Ihre Großeltern fragen nun häufig, warum sie denn noch nicht trocken ist: „Ihr wart mit zwei Jahren schon längst trocken!“ Müssen wir uns nun sorgen?

Nein. Die meisten Kinder sind zwischen zwei und drei Jahren alt, wenn sie tagsüber trocken sind. Nachts benötigen viele noch länger Windeln. Die Kontrolle der Darmentleerung gelingt den meisten Kindern bereits vor der Kontrolle ihrer Blasenfunktion. Die Blasen- und Darmkontrolle stellt einen Reifungsvorgang dar, der bereits durch die Gene „programmiert“ ist. Diese Reifungsschritte können von außen kaum beschleunigt werden. Alles passiert zu seiner Zeit.

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Das kindliche Nervensystem ist etwa zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat so weit entwickelt, Harndrang wahrzunehmen. Doch jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich schnell. Die klassische Sauberkeitserziehung lässt kein Kind wirklich „schneller“ trocken werden. Aber Sie können diese Phase Ihrer Tochter angenehm gestalten und ihr Interesse wecken.

Gehen Sie zu Hause offen mit dem Thema um. Sagen und zeigen Sie, was Sie gerade tun. Nehmen Sie Ihr Kind auch mal mit auf die Toilette. So unterstützen Sie die Neugier Ihres Kindes und wecken Interesse am Töpfchen. Manchmal bietet sich auch ein Kindertoilettensitz an, den Sie einfach auf Ihre Toilettenbrille setzen können.

Kinder lernen am Modell durch Nachahmung und durch Anleitung, zum Beispiel, wie man Toilettenpapier oder Klobürste benutzt. Gestalten Sie die Umgebung so angenehm wie möglich, zum Beispiel, indem Sie ein Kinderbuch neben die Toilette legen, das sich Ihr Kind angucken kann. Loben Sie es. Führen Sie Rituale ein. Bieten Sie Toilettengänge zu typischen Zeiten an, also nach den Mahlzeiten, vor dem Rausgehen, vor und nach den Schlafenszeiten. Am wichtigsten ist, Ihre Tochter nicht unter Druck zu setzen oder gar zu bestrafen. Das kann zu Ängsten und Abneigung führen, die selten, aber doch zu echten Problemen rund ums Thema Toilette führen können.

Großeltern haben eine besondere Rolle

Bis zum fünften Geburtstag sind etwa vier von fünf Kindern trocken. Von kindlichem Einnässen – Enuresis – spricht man deshalb frühestens ab dem vollendeten 5. Lebensjahr. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Kinder zeitweise, meist nachts, wieder einnässen, obwohl sie bereits trocken waren.

Suchen Sie das Gespräch mit den Großeltern. Denken Sie daran, dass Großeltern oft nur „das Beste wollen“ und ihr Verhalten nicht als Einmischung wahrnehmen.

Als Sie selbst ein Kleinkind waren, hatte die Sauberkeitserziehung einen anderen Stellenwert. Man ging früher davon aus, dass die Sauberkeitsentwicklung hauptsächlich durch die Erziehung zustande kommt. Hier haben Wissenschaftler und Mediziner jedoch inzwischen neue Erkenntnisse gewonnen. Legen Sie dar, was Ihnen selbst in der Erziehung Ihrer Tochter wichtig ist.

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Großeltern haben eine besondere, aber auch herausfordernde Rolle: Sie sind weiterhin Eltern – ihrer nun erwachsenen Kinder –, aber eben auch Großeltern. Dies führt öfter zu Spannungen zwischen den Generationen. Opas und Omas dürfen ihre Enkel gern verwöhnen, sollten aber immer die Regeln der Eltern im Blick behalten. Nicht selten kommt es zu Familienstreitigkeiten. Bleiben Sie deshalb in Kontakt und im Gespräch. Ist es nicht auch schön, Großeltern zu haben?

Haben auch Sie eine Frage an den Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die Sächsische Zeitung, Nutzwerk, 01055 Dresden oder eine Mail an [email protected]