merken
PLUS

Wie wohnt man in einer Schule?

Der Umbau der Neukircher Pestalozzischule zum Wohnpark ist abgeschlossen. Grund, ein Schulfest zu feiern.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Neukirch. Wir wohnen im Chemiezimmer“, sagt Andreas Ponocny lachend. Der Neukircher kennt die Pestalozzischule noch aus der Zeit, als sie polytechnische Oberschule war. Zehn Jahre, von 1973 bis 83, war er Schüler im Haus. Seine Frau Sylvia, später nach Neukirch zugezogen, lernte von 1981 bis 83 an dieser Schule. Jetzt bewohnen sie eine der zwölf Wohnungen im umgebauten Schulhaus. „Das Gebäude ist wunderbar geworden. Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt das Ehepaar.

UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand

Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

Die Neukircher Unternehmer Andreas Bascha und Edgar Lehmann kauften die 2010 geschlossene und anschließend ungenutzte Schule von der Gemeinde und bauten sie in den vergangenen zwei Jahren zu einem Wohnpark um. Das Schulhaus beherbergt jetzt zwölf Wohnungen, die zwischen 64 und 118 Quadratmetern groß sind. Alle sind vermietet. Die letzte Wohnung, eine der beiden Vierraumwohnungen im Haus, wird in der nächsten Woche an ein junges Paar übergeben. Die Nachfrage nach den Wohnungen ist groß. Für alle gab es Mieter, ehe die betreffende Wohnung fertiggestellt wurde, berichtet Edgar Lehmann. So war es möglich, beim Ausbau auch spezielle Wünsche der künftigen Bewohner zu berücksichtigen. Ergänzt wird der Wohnpark durch soziale Einrichtungen, deren Mieter schon vor Baubeginn feststanden: eine Logopädin, eine Tagespflege und eine Physiotherapie zogen ein.

Momentan steht das Baugerüst noch an der Fassade zur B 98 hin: Sie wird saniert. Es ist einer der letzten Schritte zur Gestaltung des Wohnparks, in den die Eigentümer 1,75 Millionen Euro investierten. Auf der großen Wiese hinterm Haus wird noch ein Pavillon errichtet, der allen Mietern offen steht. Die Mieter haben sich eingerichtet – in ihren Wohnungen und auf dem weitläufigen Außengelände. Dort hat sich so gut wie jeder eine Sitzecke, zum Teil auch Spielmöglichkeiten für die Kinder geschaffen. Zudem können die Eigentümer „ihren“ Mietern Garagen anbieten. Für elf war Platz auf dem Grundstück.

Viele Bewerber für die Wohnungen

Andreas Bascha und Edgar Lehmann konnten unter Mietbewerbern auswählen. Sie achteten auf eine gesunde Mischung der Generationen. Junge Leute mit Familie bzw. dem Wunsch, eine zu gründen, Menschen in den mittleren Jahren und Senioren leben unter einem Dach. „Die Chemie unter den Mietern stimmt“, sagen Edgar Lehmann und Andreas Bascha. Die Kaltmiete liegt mit sechs Euro pro Quadratmeter über dem Neukircher Mietniveau. Dafür haben die Wohnungen hohen Komfort und einen individuellen Zuschnitt. Saniert wurde das Haus in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Die Außenansicht einschließlich dem markanten Uhrturm, die großen Fenster zum Hof hin, eine breite Treppe im Haus und eine Gedenktafel an den Namensgeber Pestalozzi erinnern noch an die frühere Bestimmung. Ansonsten wurden auf den Fluren Zwischenwände errichtet, um Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen zu schaffen. Eingezogen sind nicht nur Neukircher, sondern auch Mieter von außerhalb. Neben fünf ehemaligen Pestalozzischülern gehört auch die letzte Schulleiterin Petra Lehmann zu den Bewohnern. Rund 35 Jahre war sie Lehrerin an der Schule; 18 Jahre lang leitete sie die Grundschule. Vieles erinnert sie noch an ihre frühere Wirkungsstätte. Sie freut sich, dass während der Sanierung Details wie beispielsweise Rundbögen erhalten und historische Türen aufgearbeitet wurden.

Dass sowohl Wohnungs- als auch gewerbliche Mieter auf bestem Wege sind, zu einer guten Gemeinschaft zu werden, wollen sie an diesem Sonnabend ihren Gästen zeigen. Zum Abschluss der Bauarbeiten wird ein Schulfest gefeiert – unter anderem mit Hüpfburg, Sackhüpfen. Stelzenlauf, Kuchenbasar. Besucher können einen Blick ins sanierte Schulhaus und die drei gewerblichen Einrichtungen werfen. Auch die große Wohnung unterm Dach kann besichtigt werden, ehe sie übergeben wird. Jeder ist willkommen – egal, ob er mit der Schule Erinnerungen verbindet oder nur mal sehen möchte, was sich mit Mut und Unternehmergeist alles machen lässt.

Schulfest in Neukirch, Dresdner Straße 20 am Sonnabend ab 15 Uhr