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Angriff auf Reh im Video: Es war kein Wolf

Seit Tagen kursiert ein Video, das einen Wolf beim Beutezug auf dem Eigen zeigen soll. Experten widerlegen das.

Das Video vom wolfsähnlichen Hund, der ein Reh angreift, hat sich in den sozialen Netzwerken schnell verbreitet.
Das Video vom wolfsähnlichen Hund, der ein Reh angreift, hat sich in den sozialen Netzwerken schnell verbreitet. © Screenshot: SZ-Bildstelle

"Das ist kein Wolf", kann Gabriel Dick von der Fachstelle Wolf beruhigen. Auch die Experten haben das Video bekommen und geprüft. Seit Donnerstag kursieren in den sozialen Medien Filme, aufgenommen mit dem Handy. Sie zeigen ein Tier im Fluss, das auf den ersten Blick aussieht wie ein Wolf, aufgenommen bei Bernstadt. Das Tier greift darauf ein Reh an. Zu sehen ist, wie es das Reh im Wasser vor sich her treibt, in den Nacken beißt, schüttelt und es schließlich tötet und an Land zieht. Das Reh schreit und jault fürchterlich. 

Das Video gibt es unten zu sehen. Aber Achtung: die Aufnahmen sind durchaus schockierend. Das Leiden des Rehs ist deutlich zu hören. Es heult und schreit fürchterlich. Wer das nicht ertragen möchte, sollte besser den Ton ausschalten. 

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An der Stellung der Rute haben die Experten unter anderem erkannt, dass es sich nicht um einen Wolf handelt. Vor allem aber am Nackenbiss. Das Tier auf dem Video packt das Reh im Nacken. "Das würde ein Wolf so nicht machen", sagt Dick. Typisch für den Wolf sei der Biss in die Kehle, wenn er angreift. Andere Tiere im Nacken zu packen und zu schütteln, das sei eher ein typisches Jagdverhalten bei Hunden. Außerdem geht das Tier auf dem Video relativ unbeholfen vor und nicht so zielstrebig, wie ein Wolf es tun würde. 

Auch Bernstadts Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) kennt das erschreckende Video - und hat darauf einen alten Bekannten wiedererkannt. Es handelt sich wohl um einen wolfsähnlichen Hund, der einem Halter aus dem Ort gehört. Er ist ein notorischer Ausreißer und hat schon mehrfach für Schrecken in Bernstadt gesorgt. "Er spazierte auch schon über den Markt", erzählt Weise.

Anwohner sind beunruhigt

Natürlich gehe da schnell das Gerücht um: In Bernstadt läuft ein Wolf über den Marktplatz. Offenbar ist der große Hund nun wieder ausgebüxt - und war so hungrig, dass er ein Reh angriff. Der Vorfall spielte sich in und an der Pließnitz im Ortsteil Kunnersdorf ab, sagt Weise. "Am Ortsausgang in Richtung Rennersdorf." Dass der Ausreißer öfters für Angst und Schrecken sorgt, sei schon ein Problem, so Weise. "Die Anwohner sind beunruhigt." In der Nähe der Stelle, wo er jetzt beim Kampf mit dem Reh gefilmt wurde, befindet sich zudem ein Betriebskindergarten. "Da ist doch klar, dass die Menschen in Sorge sind."  

Dass der Hund nun tatsächlich Schaden gemacht hat, kann der Bürgermeister nicht dulden. Der Hundebesitzer wird nun Post von der Stadt bekommen. "Erst einmal ist das eine Ordnungswidrigkeit, den Hund frei herumlaufen zu lassen und in Kauf zu nehmen, dass er Schaden anrichtet", so der Bürgermeister. Die Stadt wird den Besitzer auffordern, die Haltungsbedingungen anzupassen, erklärt Weise, wie es jetzt weitergeht.

Dem Halter droht ein Bußgeld

Heißt: Der Halter muss dafür sorgen, dass das Tier nicht mehr abhauen kann. Sonst droht ein Bußgeld. Darüber hinaus hat der Bürgermeister jetzt auch einen Vor-Ort-Termin mit der Polizei anberaumt, um die Haltungsbedingungen zu überprüfen. Da hätte er auch gern das Veterinäramt dabei. Wenn der Halter den Forderungen nach mehr Sicherheit nicht nachkommt, könne es sogar soweit kommen, dass der Hund abgeholt und erst einmal im Tierheim untergebracht wird, so Weise. 

Erst im Dezember hatte ein Passant auf dem Eigen ein Tier fotografiert, bei dem sich nicht genau klären ließ, ob es sich um einen Wolf handelte. Die Wolfsstelle hatte das damals aufgrund der Bilder nicht sicher sagen können, sie waren nicht scharf genug. Schon damals kam aber der ausgebüxte Hund aus Bernstadt ins Gespräch. 

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Im aktuellen Fall haben Rissgutachter das Videomaterial gesichtet und ausgewertet. Karin Bernhardt, Pressesprecherin im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, zu dem die Fachstelle Wolf gehört, erklärte am Freitagnachmittag: "Bei dem Hund auf dem Video handelt es sich um denselben Mischling, der bereits im Mai, Oktober und Dezember 2019 mit Fotobelegen als vermeintlich gesichteter Wolf aus Bernstadt an das sächsische Wolfsmonitoring  gemeldet wurde." Es sei ein trauriges Beispiel dafür, dass auch große wildernde Hunde oft ausgebüxen und vom Halter unbemerkt in der Natur immer wieder Wildtiere erlegen. 

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