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Wieder Hoffnung auf Flugplatz-Kompromiss

Ein Gespräch bei der SZ endet mit einer Überraschung: Beide Seiten wollen eine gemeinsame Lösung.

Von catharina Karlshaus

Die Szenerie hat Seltenheitswert: Kurz vor zehn Uhr ist es gestern Vormittag, als eine Abordnung der Großenhainer Bürgerinitiative „Pro Flugplatz“ und Brigitte Koch, Inhaberin des Fliegenden Museums, in der Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung Großenhain eintreffen. Anspannung und Erwartung gleichermaßen stehen in den Gesichtern von Armin Benicke, Holger Faulhaber und Ronald Größner. Was wird gleich passieren, scheint ihre Mimik zu sagen. Wird es gelingen können, wenigstens eine Gesprächsgrundlage über die Zukunft des Großenhainer Flugplatzes zu finden? Oder gar eine Lanze für dessen Fortbestand zu brechen?

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Wenige Minuten später erscheinen dann auch die personifizierten Gründe der angespannten Gefühlslage in der Tür. Kathrin Pförtner und Dr. Harald Vinke vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) sind der Einladung der Sächsischen Zeitung zu einem Rundtischgespräch gefolgt. „Wir danken für diese Möglichkeit und werden jetzt auch gleich loslegen“, sagt Fachbereichsleiter Vinke und schaut dabei genauso ernst wie die Vertreter aus der Röderstadt. Was letztlich dabei herauskommen wird?

Es werden gut zwei Stunden vergehen, bevor die Vertreter der verschiedenen Institutionen und nicht zuletzt Interessenslagen darauf eine Antwort geben. Zwei Stunden, in denen sie hinter verschlossenen Türen – die Sächsische Zeitung hat ganz bewusst diese vertrauliche Situation ermöglicht – noch einmal ausführlich über das 230 Hektar große Industriegebiet im Norden von Großenhain gesprochen haben. Ein Filetstück im Besitz des Freistaates, das mit dem eindeutigen Votum der Stadträte vom 14. Oktober zu einem modernen Areal für einen Investor entwickelt werden soll.

Pläne, die allerdings den erheblichen Widerstand in der Bevölkerung mobilisierten. Innerhalb von wenigen Tagen gelang es der Bürgerinitiative, 1 500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln. Mittlerweile, so Holger Faulhaber, sind es sogar 3 500 Großenhainer, die sich für den Erhalt der traditionsreichen Fliegerei, bei gleichzeitiger Entwicklung eines Industriegebietes, aussprechen. Denn: „Auch wir sind daran interessiert, durch eine Neuansiedlung Arbeitsplätze zu schaffen“, so die Bürgerinitiative. Laut ihrer Alternativlösung – im Stadtrat vergangenen Mittwoch erstmals vorgestellt – stünden dafür immer noch 200 Hektar zur Verfügung, Ausgleichsflächen für Ersatzpflanzungen und notwendige Abstandsflächen berücksichtigt. Lediglich 20 bis 30 Hektar groß solle der künftige Sonderlandeplatz sein, möglicherweise im Eigentum der Flieger selbst.

Konzepte, die sowohl bei den Stadtvätern als auch bei der Mehrheit der Räte an jenem Abend indes auf taube Ohren stießen. Während Oberbürgermeister Burkhard Müller (CDU) mehrfach betonte, die Erschließung eines Industrieparks sei die größte historische Chance, die Großenhain seit der Wende hatte, hinterfragten lediglich die Fraktion Die Linke sowie Abgeordnete der SPD und des Arbeitslosenverbandes eine eventuelle Kompromisslösung. Eine Lösung, die ohnehin nur mit dem Freistaat Sachsen als alleiniger Flächeneigentümer zustande kommen könnte. Aber hatte nicht gerade dieser in einem Gespräch mit der SZ erklärt, die Fliegerei bringe dem Land finanziell nichts ein und Industrie und Flugplatz gemeinsam seien gerade so wie ein „bisschen schwanger zu sein“? Als sich gestern Mittag kurz vor 12 Uhr schließlich die Türen des Beratungsraumes öffnen, ist allen Beteiligten zunächst eine große Erleichterung anzusehen. Man lacht und scherzt und ist offenkundig guter Dinge. Kein Wunder auch, denn Dr. Harald Vinke wird gleich im Namen aller erklären, dass sich die Fronten keinesfalls verhärtet hätten. Ganz im Gegenteil. Man habe ein paar Missverständnisse aufgeklärt, Wissenslücken geschlossen, die unterschiedlichen Positionen aus Sicht der Betroffenen gehört und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Konzepte diskutiert. „Vor allem aber haben wir uns darauf geeinigt, dass dieses Treffen nur der Auftakt einer Gesprächsreihe sein wird, um gemeinsam eine Lösung zu finden, die beiden Seiten dient“, sagte Harald Vinke. Wie diese Lösung aussieht, wollten Freistaat und Bürgerinitiative noch nicht sagen. Zunächst müssten beide jetzt schnell einige notwendige Hausaufgaben machen. „Wir haben sozusagen schon die leckere Glasur und müssen jetzt nur noch den Kuchen, der darunter ist, backen“, so Brigitte Koch. Und Backen wolle man künftig gemeinsam.