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Wieder Volk im Volkshaus

Nach dem Hochwasser ist Döbelns größter Saal wieder nutzbar. Die Stadt will das Haus jetzt auch verkaufen.

Von Jens Hoyer

Es geht weiter im Volkshaus. Und das in zweifacher Hinsicht. Döbelns größter Saal ist endlich wieder für Veranstaltungen nutzbar. Und es gibt zum ersten Mal ernstzunehmende Kaufinteressenten, nachdem die Stadt vor Jahren das Haus samt Schulden von ihrer angeschlagenen Wohnungsgesellschaft DWVG übernehmen musste.

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Döbelns Zumba-Königin Doreen Schurzmann und Sporttherapeut Martin Leimner haben einen Kaufantrag gestellt. Mittlerweile ist das Vorhaben auf einem guten Weg. Dem Hauptausschuss hatten die beiden jetzt ein verbessertes Konzept vorgestellt. Eines, das Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer für tragfähig hält.

Der Stadt hängt das Haus eigentlich nur als Klotz am Bein. Allerdings als ein Klotz, der für Döbeln wichtig ist. Mit 500 Plätzen ist der Saal im Volkshaus der größte Veranstaltungsort der Stadt – von der Tennishalle des WelWel abgesehen. Weit über 100 Veranstaltungen im Jahr laufen im Volkshaus, sagte Jürgen Aurich, zuständig für die Liegenschaften der Stadt. Die Einnahmen aus der Vermietung reichen zwar nicht aus, dass sich das Haus komplett allein trägt, aber zumindest kommen die Betriebskosten herein.

Die Stadt hatte seinerzeit das Volkshaus mit einem Kredit von einer reichlichen Million Euro von der DWVG übernommen. Der sei in einen normalen Kommunalkredit umgeschuldet, damit sei das Grundstück frei von Lasten, so Aurich. Nachdem die Gespräche mit den Kaufinteressierten jetzt so weit gediehen sind, lässt die Stadt ein Wertgutachten zum Haus erstellen, auf dessen Grundlage die weiteren Verhandlungen geführt werden. Voraussichtlich im kommenden Jahr könnte dann der Verkauf erfolgen, so Aurich.

Im Volkshaus ist nach dem Hochwasser wieder Volk. Los ging es mit der Hochzeitsmesse, am Sonnabend umjubelten die Volksmusikfreunde ihren Star Rudy Giovannini, einen Tag später gab es im Saal einen Trödelmarkt. Am kommenden Wochenende ist eine Techno-Party geplant. Und so wird es Schlag auf Schlag weitergehen. „Die Nachfrage ist sehr gut. Es gibt Buchungen für viele Veranstaltungen, für eine Silvesterparty, für Weihnachtsfeiern, eine Travesti-Show und ein Konzert mit Ute Freudenberg“, sagte Stadtsprecher Thomas Mettcher. „Wichtig ist, dass der Saal funktioniert.“ Seit vergangenem Monat ist das Haus erst wieder beheizbar, nachdem die Technik im Keller unter Wasser gestanden hatte. Mit dem neuen Heizkessel kann das nicht passieren. Er wurde unterm Dach des Volkshauses installiert.

Das Juni-Hochwasser hatte einen Schaden von rund 840 000 Euro angerichtet. Der Saal ist ohne Einschränkungen nutzbar. Für die komplett zerstörte Bowling-Bahn im Untergeschoss gilt das allerdings nicht. Deren Sanierung kann voraussichtlich im ersten Halbjahr 2014 erfolgen, sagte Stadtsprecher Thomas Mettcher. Der Untergrund sei noch zu feucht für eine Sanierung. Der gesamte Fußboden der Bowlingbahn muss erneuert werden.

Doreen Schurzmann und Martin Leimner, die jetzt schon als Mieter das Haus nutzen, stellen ihr Konzept auf mehrere Beine. Zum einen wollen sie den großen und den kleinen Saal für ihre eigenen Angebote im Bereich Zumba und Tanzpädagogik und für Gesundheitskurse und Rehasport nutzen. Zum anderen soll das Haus wie bisher für Veranstaltungen Dritter zur Verfügung stehen. „Ein Haus fürs Volk soll es bleiben. Die Veranstaltungen wollen wir nicht verlieren“, sagte Martin Leimner. Außerdem sei man mit Partnern im Gespräch, die sich einmieten. Die Gaststätte werde zwar wahrscheinlich nicht wieder aufgemacht. Aber die vorhandene Küche könnte von Caterern für Veranstaltungen genutzt werden, so Leimner.

In den vergangenen 20 Jahren gab es im Volkshaus ein ständiges Auf und Ab. 1993 war das Haus geschlossen worden. 1999 erfolgte die Wiedereröffnung nach der Sanierung durch die DWVG mit Bowlingbahn, Gaststätte, Kaminzimmer und Saalbetrieb. Die zwei Betreiber aus Döbeln warfen aber das Handtuch. Nach dem Hochwasser 2002 und der Sanierung erfolgte 2003 ein Neubeginn mit einer neuen Pächterin, die allerdings auch glücklos agierte. Die Stadt hatte zu diesem Zeitpunkt das Haus von der überschuldeten kommunalen Gesellschaft schon übernommen. Zuletzt wurden die Bowlingbahn von einem Pächter und der Saal von der Stadt betrieben.