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Wilde Gartenträume

Die SZ stellt besonders schöne Sommer-Refugien ihrer Leser vor. Zum Beispiel einen Garten am Kamenzer Damm.

© Matthias Schumann

Von Ina Förster

Kamenz. Schön ist es hier. So herrlich still. Mitten in der Altstadt von Kamenz zieht sich an diesem Nachmittag ein Duft von wilden Wiesenblumen und Sommer durch den Garten. Und Jacqueline Röseberg und Torsten Marschke zieht es hinaus. Gemüse gucken. Luft atmen. Sonne haschen. Anschließend im Schatten ausgiebig mit den drei Hündinnen spielen.

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Mit wenigen getrockneten Samen einer Physalis ziehen sich die Hobbygärtner immer neue Pflanzen heran.
Mit wenigen getrockneten Samen einer Physalis ziehen sich die Hobbygärtner immer neue Pflanzen heran. © Matthias Schumann
„Die Badende“ war ein Auftragswerk an den Künstler Olaf Klepzig. Seit Jahren ziert sie den Goldfischteich.
„Die Badende“ war ein Auftragswerk an den Künstler Olaf Klepzig. Seit Jahren ziert sie den Goldfischteich. © Matthias Schumann

Ihr Stadtgarten ist ganze 800 Quadratmeter groß. Von außen sieht man nicht, was sich alles hinter dem Wohnhaus am Damm verbirgt. Ein wahres Refugium für einen geordneten Rückzug mit Genuss. „Früher war das eine alte Streuobstwiese“, sagt die Kamenzerin. „Nichts lag uns ferner, als hier irgend einen einzigen Baum zu fällen.“ Naturnahes, urbanes Gärtnern – das ist es, was das Ehepaar immer wollte.

Gleich nach dem Bau des Wohnhauses mit anhängender Physiotherapie-Praxis ging es ans Tüfteln, wie man den Platz gut ausfüllen könnte. 1999 war das. Viel Arbeit musste über die Jahre erledigt werden. Doch das hat sich gelohnt. Uralte Kirschbäume, von denen man vor Kurzem noch die Früchte einfach abpflücken konnte, fallen ins Auge. Dahinter ein etwa 40-jähriger Walnussbaum, der gigantische Ausmaße angenommen hat. Und dessen Äste von selbst entworfenen Stützpfeilern gehalten werden. Daneben rote Johannisbeersträucher, die gerade reif sind. „Es sieht alles ein bisschen unstrukturiert aus, aber sollte man so etwas Tolles ausreißen, nur um einen strategisch angelegten Garten den Vorzug zu geben?“, fragt die Hausherrin. Auf keinen Fall!

Hunde halten auf Trab

Die drei Hündinnen der Familie streifen unterdessen durch das Gras. Lilo behäbig und langsam. Die alte Dame ist bereits über 14 und bekommt ihr Gnadenbrot bei den tierlieben Kamenzern. Terrierhündin Emy (6) folgt ihnen ebenfalls auf Schritt und Tritt. Alle Tiere stammen aus dem Tierheim. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, war da viel Platz. Und noch mehr Zeit. Die drei Hunde halten das Ehepaar nun auf Trab. „Fräulein“ zum Beispiel ist ein Energiebündel. Seit einer halben Stunde planscht der Terrier wie ein Derwisch im Teich herum. „Die jagt jeder einzelnen Luftblase nach“, lacht Torsten Marschke. „Das tut sie immer. Man muss sie förmlich aus dem Wasser heraus zwingen. Wenigstens lässt sie die Goldfische in Ruhe.“

Efeuumrankt schimmert eine Sandstein-Skulptur aus dem Gebüsch hinterm Teich. „Die Badende“ hat Jacqueline Röseberg vor Jahren beim Künstler Olaf Klepzig in Auftrag gegeben, nachdem sie eine kleinere Ausführung davon bei einer Ausstellungseröffnung gesehen hatte. „Ich dachte, so etwas passt perfekt in unseren Garten. Ein bisschen Kunst darf sein“, meint sie. Mittlerweile ist die Skulptur nicht mehr ganz nackt. Die Zeit hat ihr ein grünes Gewand aus Blättern verpasst. Fast wähnt man sich in einem alten Schlosspark.

Physalis wächst hier wie Unkraut

Doch genug geschaut. Das Gemüse wartet. Im hinteren Bereich befinden sich Hochbeete, deren überbordende Pflanzen von reichlichem Ertrag sprechen: Süßkartoffeln, Spitzkohl, Paprika süß und scharf und unzählige Zucchini-Varianten bringen Gemüsefreunde ins Schwärmen. Unter dem offenen Gewächshausdach gedeihen Tomaten. Ganz klassische Sorten wie das Harzfeuer. Aber auch Ochsenherz und Schokolade-Tomaten. Und die in den Breitengraden seltenere Physalis treibt hier Blüten und anschließend reichlich Früchte. „Wir haben ein bisschen herumexperimentiert“, sagt Jacqueline Röseberg. „Einfach von der letzten Ernte ein paar aufheben, trocknen und im Februar in die Töpfe stecken. Fertig.“ Die süßen exotischen Früchte schmecken der ganzen Familie.

Mediterranes Flair kommt außerdem hinzu, wenn man die Zitronen- und Olivenbäumchen mit ihren Früchten passiert. Bis zu einem Jahr dauert es, bis die gelben Früchte reif sind. „Im Winter müssen wir die Kübel freilich hineinräumen“, sagt Jacqueline Röseberg. Aber ihr Lieblingsgärtner Torsten macht das. Er ist der Mann fürs Grobe. Der Mann an der Schubkarre.

Brennesseln für die Bienen

In all dem grünen Zauber hätte man doch glatt die echten und uralten Kamenzer Rhododendren übersehen. In ihrer Blütezeit im Mai geschieht das natürlich weniger. Zurzeit blüht eher der Hibiskus. Und zahlreiche Wiesenblumen. „Wir lassen übrigens absichtlich immer ein paar Brennnesseln stehen für die Bienen. Die mögen das, haben wir gelesen.“ Das rege Summen gibt ihnen recht.

Unterdessen ist Fräulein zum wiederholten Mal ins Wasser gesprungen. Wahrscheinlich war sie in ihrem früheren Leben doch eine Kegelrobbe, witzeln Frauchen und Herrchen. Denn nach dem Teich wird sofort die kleine aufgestellte Badewanne okkupiert. Es ist ein Fest, dabei zuzusehen. Zum Feierabend geht es manchmal in die kleine Blockhütte ganz hinten im Garten. Früher haben hier die Kinder mit ihren Freunden gefeiert und übernachtet. Heute ist es der Ort für noch mehr Ruhe – fernab von Arbeit und Aufgaben.

Für die kleine Sommerserie der SZ Kamenz „Mein Garten und ich“ sind noch Gartenbesitzer mit Ideen und Hinguckern gefragt. Einfach melden unter: Telefon 03578 34475410 oder [email protected]