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Wimmelbibel und Bibel-App

Uwe Steimle sollte ans Werk gehen. Macht sich der Kabarettist doch sonst gern ums breiteste Sächsisch verdient. Das Buch der Bücher hat er bislang verschont – warum eigentlich? Bibeln in etlichen Mundarten gibt es bereits auf dem Markt.

Von Nadja Laske

Uwe Steimle sollte ans Werk gehen. Macht sich der Kabarettist doch sonst gern ums breiteste Sächsisch verdient. Das Buch der Bücher hat er bislang verschont – warum eigentlich? Bibeln in etlichen Mundarten gibt es bereits auf dem Markt. Simona Mielich schlägt eine auf. „Bibel uf Pälzisch“, steht auf dem Einband. Wer das Dresdner Bibelhaus betritt, begegnet der Hüterin der Bibeln. Koreanische, vietnamesische, englische, sorbische, polnische, tschechische, russische Exemplare zeigt sie in der hellen Villa nahe dem Schillerplatz.

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Bibel zum Fühlen: Die 32-bändige Ausgabe in Brailleschrift füllt im Bibelhaus rund anderthalb Regalmeter.
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Miniaturausgabe im Bibel-Design: In dem fünf mal fünf Millimeter großen Büchlein steht das Vaterunser abgedruckt.
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Mit Bibel-Download nicht zu messen: Eine sogenannte Kurfürstenbibel aus dem Jahr 1768 mit aufwendigen Verschlüssen.
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Dort lernen Kinder und Erwachsene auf einfache Weise die Bibel und somit die Schriftsprache und die Geschichte des Buchdruckes kennen – ohne Staub und Piefigkeit. Was nicht heißt, dass nicht etliche historische Bibeln in den dunklen Regalen den Duft alter Studierstuben verströmen, sobald man darin blättert. „Das darf und soll man bei uns“, sagt Simona Mielich. Die Bibel begreifen im übertragenen Sinn, ist ihr Credo. Am besten geht das mit ihrer Werkstattbibel, die so gar nicht nach einem altehrwürdigen Buch aussieht. In verschiedenen Mappen hat sie Stationsaufgaben aufbereitet. Schülergruppen erarbeiten sich damit Wissen rund um die Entstehung, den Aufbau, die Verbreitung und die Botschaft der Bibel. Dafür sind sie für den Religions-, Ethik-, Deutsch- oder Geschichtsunterricht in den modern gestalteten Ausstellungsräumen unterwegs. Auch Konfirmanden, angehende Pädagogen, Fachberater und Studenten der Evangelischen Hochschule gehören zum Publikum.

Selbst Besucher, die bislang keinen Zugang zur Bibel hatten und denen der Weg über Kirchen und Gemeinden zu religiös erscheint, gehen hier auf Tuchfühlung. Sie werden von den Veranstaltungen, die neben Führungen und Projekttagen für Schüler auf dem Programm stehen, angelockt. Andere haben schlicht Redebedarf oder suchen in der „Bücherkiste“, die die Evangelische Buchhandlung im Haus betreibt, nach einem Geschenk. Viele schätzen den „neutralen“ Boden, auf dem sie sich mit dem Thema Bibel beschäftigen können.

Bibel auf Arabisch gefragt

„Wir haben den Anspruch, die Bibel jedem Menschen zugänglich zu machen“, sagt Horst Slesazek. Der ehemalige Oberlandeskirchenrat engagiert sich ebenfalls für die Sächsische Haupt-Bibelgesellschaft. „Gerade haben wir Bibeln in der afrikanischen Sprache Suaheli an eine Hilfsorganisation gegeben“, sagt er. Die Chemnitzer Bildungsagentur fordere welche für die Bibliothek der Lehrbeauftragten und Referendare an. Geburtskliniken geben jungen Müttern die Bibel mit nach Hause, Rüstzeitheime statten sich damit aus und Gefängnis-Seelsorger brauchen Bibeln in den verschiedensten Sprachen für ihre Besuche bei den Gefangenen – sogar auf Arabisch. Jeder Leser soll eine Bibel in seiner Sprache aufschlagen können, das ist das Ziel der Bibelgesellschaft.

Weltweit ist die Bibel aus dem Original in rund 2 500 Sprachen übersetzt. Es gibt zig deutschsprachige Ausgaben aus dem Original. Dazu kommen Nacherzählungen, Bilder-Bibeln und Comics. Die Bibel ist als Hörbuch zu haben, als Wimmelbild-Bibel oder Bibel in Kurznachrichten, zum Herunterladen fürs Smartphone und zum Lesen am Computer. Auch eine Bibelausgabe in Blindenschrift kann Simona Mielich im Bibelhaus zeigen. Im Bücherschrank nimmt das Druckwerk gut anderthalb Regalmeter ein. Loch an Loch werden in 32 Bänden das Neue und das Alte Testament in Brailleschrift auf dickem, naturweißem Papier erzählt.

Ganz neu ist die sogenannte „Basisbibel“. „Sie bietet zusätzlich eine Art Lexikon und wurde zunächst als elektronische Ausgabe erstellt“, erklärt die einzige fest angestellte Mitarbeiterin des Bibelhauses. Alle anderen helfen ehrenamtlich dabei, im Bücherzimmer zu verkaufen und die Fragen der Besucher zu beantworten. Zum Beispiel zu der auffällig farbenfrohen Druck-Ausgabe der Basisbibel. Die richtet sich an die jüngere Leserschaft, selbst an solche, die mit dem Lesen eher auf Kriegsfuß stehen. Ihren kurzen, klaren Sätzen soll jedermann folgen können. „Als Internet-Bibel funktioniert die Basisbibel mit jeder Menge Querverweisen, über die man Erklärungen zur Geschichte, Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft findet“, sagt Simona Mielich.

Faszination in grünem Samt

Doch bei allen Neuerungen und Online-Angeboten macht sie während ihrer Arbeit ausgerechnet mit jungen Leuten eine Erfahrung: „Kinder sind am meisten von den alten Büchern in der Bibliothek fasziniert.“ „Dürfen wir das mal anfassen?“, ist wohl die meist gestellte Frage, wenn Simona Mielich ihre Führung durchs Bibelhaus vor der dunklen Bücherwand beginnt und ein bestimmtes Exemplar hervornimmt. Eine dicke, schwere Bibel in moosgrünem Samteinband, gedruckt 1892 und damit noch gar nicht mal so alt. Dafür unglaublich beeindruckend für Mädchen und Jungen, die ihre Finger andächtig ausstrecken und mit neuen Medien viel vertrauter sind.

Sächsisches Bibelhaus, Kretschmerstraße 19, geöffnet Di. und Do., 9 bis 16 Uhr, Mi., 9 bis 17 Uhr

www.saechsisches-bibelhaus.de