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Winterkälte macht Bläser erfinderisch

Jeden Adventssonnabend stellt die SZ Menschen vor, die für weihnachtliche Stimmung sorgen. Heute: Der Bläserchor.

Von Romy Kühr

Die Finger werden langsam steif vor Kälte, das Mundstück fühlt sich kalt an auf den Lippen und die Drehventile der Trompete gehen immer schwerer. Bläserhaben es gerade nicht leicht. Dabei sind sie jetzt im Advent besonders häufig im Einsatz, ihre Musik gehört zu Weihnachten einfach dazu. „Sechs Auftritte haben wir in diesem Monat“, erzählt Karin Richter vom Bläserchor der Kirchgemeinde Eibau-Walddorf. Etwa zwei sind es in normalen Monaten, wenn kein Weihnachten ist.

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Viele Auftritte finden im Freien statt. Kälte und Schnee sind für Bläser wie Instrumente nicht gerade angenehm. „Wenn es zu kalt ist, werden die Instrumente schwergängig“, weiß Karin Richter. Bewegliche Teile wie Drehventile bei der Trompete oder der Zug bei der Posaune können sogar einfrieren. „Und durch den warmen Atem im Instrument entsteht Kondenswasser. Das muss man von Zeit zu Zeit ausschütteln“, erzählt Frau Richter. Aber die Musiker sind erfinderisch. „Wenn es ganz kalt ist, haben wir sogar schon Tüten über die Instrumente gestülpt. Und meine Mutter hat mir mal einen Überzug genäht, der Hände und Trompete verdeckt. Nur die Tülle guckt unten raus“, erzählt Karin Richter. Zwischen den Musikstücken ist aufwärmen angesagt. „Das Mundstück macht man in den Pausen am besten ab und hält es warm“, sagt Frau Richter, die selbst Trompete spielt. Gegen das Einfrieren hilft es, das Instrument zu fetten. Dafür gibt es spezielles Posaunenöl.

Von diesen besonderen Vorbereitungen, die Bläser jetzt in der Weihnachtszeit treffen müssen, bekommen die Zuhörer allerdings nichts mit. Sie erfreuen sich an den Liedern. Die sucht der Chor aus seinem großen Repertoire aus. „Dabei richten wir uns nach dem Publikum“, sagt Karin Richter, die organisatorische Leiterin des 13 Mann starken Eibau-Walddorfer Bläserchores ist. Im Altenheim spielt der Chor zum Beispiel traditionelle Lieder. „Die Senioren wollen lieber die alten Weisen hören. Das weckt bei vielen Erinnerungen. Manche singen sogar begeistert mit.“

Wenn viele Kinder dabei sind, wie zum Beispiel beim Adventssingen am 15. Dezember in Neueibau an der ehemaligen Schule, werden auch mal lustige Volkslieder angestimmt, die jedes Kind mitsingen kann. Doch egal, welches Publikum zuhört, überall merke man, wie viel Freude man den Leuten mit der Musik bereitet, sagt Karin Richter. „Und das macht uns Musikern großen Spaß.“

Dabei hat sie selbst erst spät zur Bläsermusik gefunden. Vor etwas über zehn Jahren lernte sie als Erwachsene noch das Trompetespielen und schloss sich dem Bläserchor im Ort an. Hier fühlt sie sich wohl. Sie besucht sogar die Musikschule, um noch Tricks und Kniffe zu lernen, die sie dann ihren Mitstreitern im Chor weitergibt. Auf den ist sie aus zwei Gründen besonders stolz: Zum einen ist der Bläserchor aus Eibau-Walddorf verhältnismäßig jung. Der älteste Bläser ist 69, die jüngste erst zehn Jahre alt. „Wir haben sechs Schüler dabei“, so Frau Richter. Trotzdem freut sie sich immer wieder auch über Zuwachs, der einmal pro Woche mit probt. Was Neulinge mitbringen müssen, sind Rhythmusgefühl und Liebe zur Musik. Zum anderen hat sich herausgestellt, dass der Eibau-Walddorfer der älteste Bläserchor Sachsens ist. 1876 wurde er in Eibau gegründet. Das hat die Posaunenmission Sachsen, ein übergeordneter Verband, den Bläsern bestätigt.

Hier sind die Eibau-Walddorfer Bläser zu hören: 15.Dezember Alte Schule Neueibau, 19. Dezember Seniorenheim Eibau, 24. Dezember Christnacht Eibau, 27. Dezember Bläserkonzert bei Familie Richter zu Hause auf der Terrasse in der Kirchstraße in Eibau