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Die Wertschätzung im Alltag

Regina Krawcowa ist seit einem Jahr Sorbenbeauftragte im Kreis Bautzen. Sie wünscht sich mehr Toleranz im Umgang.

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© Matthias Schumann

Ralbitz. Vielfältig sind ihre Aufgaben als Beauftragte für sorbische Angelegenheiten im Kreis Bautzen. Vor allem Ansprechpartnerin und Vermittlerin will Regina Schneider (sorbisch: Regina Krawcowa) hier sein. „Inzwischen sehe ich, auf welche Art ich Prozesse begleiten und das Sorbische mit mehr Selbstverständlichkeit ins öffentliche Leben einbringen kann“, sagt die Ralbitzerin. Ein Jahr nach ihrer Bestellung am 13. Oktober 2014 im Kreistag Bautzen sprach die SZ mit ihr über Inhalte, Ziele und Herausforderungen für die Zukunft.

Frau Krawcowa, wie sehen Sie Ihre neue Aufgabe allgemein?

Ich trete gern für Veränderungen ein und bin neuen Aufgaben gegenüber offen. Bewogen hat mich die Überzeugung, dass es ein interessantes und anspruchsvolles Terrain ist. Sorbische Angelegenheiten spielen in viele Bereiche im Landkreis Bautzen hinein. Als Muttersprachlerin bin ich von Haus aus sehr mit dem dörflichen, aber auch mit dem städtischen Leben verbunden. Mir ist bewusst, dass die Zweisprachigkeit ein besonderes Merkmal im Landkreis Bautzen ist.

Sehen Sie hier Nachholbedarf?

Durchaus. Ich bin ausgebildete Mediatorin und möchte die Entwicklungsprozesse in der Verwaltung, auf kommunaler und regionaler Ebene begleiten. Ich möchte Ansprechpartnerin für Deutsche und Sorben zugleich sein. Der wertschätzende Umgang miteinander sollte selbstverständlich sein. Das ist mein großes Ziel.

Welchen konkreten Inhalten widmen Sie sich?

Mir geht es vor allem um die Nachwuchsförderung in den unterschiedlichsten Berufen. Dabei arbeite ich eng mit den Schulen und Bildungsinitiativen zusammen. Der zweisprachige Nachwuchs, der durch die Kindertagesstätten, Schulen und Gymnasien gut gebildet in die weite Welt hinausgehen kann, darf im besonderen Maße erfahren, dass gerade hier im Landkreis Bautzen die Zweisprachigkeit mit den entsprechenden Kompetenzen ein Plus bedeutet.

Gibt es besonders herausfordernde Aufgabenfelder?

Die Kontrolle der Umsetzung der Rechtsvorschriften, der Maßnahmenplan des Freistaates Sachsen und das Programm zur Bewahrung und Entwicklung der sorbischen Sprache und Kultur im Landkreis Bautzen sind meine wichtigsten Grundlagen. Dies erfordert viele Gespräche. Das erfordert auch politische Unterstützung, um weitere Schritte voranzukommen.

Welche Erfahrungen als Muttersprachlerin bringen Sie ein?

Ich war zwölf Jahre lang Erzieherin im Hort der Sorbischen Grundschule in Bautzen. Aus dieser Zeit weiß ich, dass Bildung viel zum Miteinander unterschiedlicher Kulturen beiträgt. Aus dieser Zeit weiß ich auch, dass sorbische Sprachräume immer wieder neu gefasst werden müssen. Institutionelle Sprachvermittlung kann an den Rändern des sorbischen Siedlungsgebietes an ihre Grenzen stoßen. Es wird darum gehen, den muttersprachlichen Unterricht mit mehr Aufwand zu fördern und mit sorbischen Bildungsangeboten für Erwachsene mehr Sprachräume zu öffnen.

Zuletzt gab es Vorfälle, die auch auf mangelnde Toleranz zwischen Sorben und Deutschen im Kreisgebiet schließen ließen. Wie sehen Sie das?

Mir geht es um selbstverständlichen Umgang miteinander. Dies setzt voraus, dass der Andere nicht nur geduldet, sondern auch geachtet und beachtet wird. Ich möchte als Beauftragte für sorbische Angelegenheiten die Brücken dafür mit bauen.

Wo sehen Sie derzeit die meisten Probleme für den Erhalt und die Pflege der sorbischen Sprache?

Leider ist den Verantwortlichen in der regionalen und kommunalen Verwaltung oft nicht bewusst, dass die sorbische Sprache in allen Berufsausrichtungen ein Plus bedeutet. Die besondere Kompetenz, die sorbische Sprache in Wort und Schrift zu beherrschen, findet zu wenig Beachtung. Es wird weiterhin finanzieller Mittel bedürfen, um nicht nur den Erhalt und die Pflege der sorbischen Sprache, sondern auch die Entwicklung der historischen und traditionellen Identität zu fördern. Wir haben es in der Hand, dass wir uns aufmachen, diesen Schatz nachhaltig für unsere Nachkommen zu sichern.

Gespräch: Andreas Kirschke