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"Wir lassen uns nicht abspeisen"

Seit Ende Mai das letzte Mal ein Zug auf dem Böhlaer Bahnhof hielt, kämpft eine Bürgerinitiative dafür, dass die Station wieder für den Nahverkehr genutzt wird. Als Ziel hat man sich gesetzt, die Entscheidung bis zum Fahrplanwechsel im November rückgängig zu machen.

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Seit Ende Mai das letzte Mal ein Zug auf dem Böhlaer Bahnhof hielt, kämpft eine Bürgerinitiative dafür, dass die Station wieder für den Nahverkehr genutzt wird. Als Ziel hat man sich gesetzt, die Entscheidung bis zum Fahrplanwechsel im November rückgängig zu machen. Doch der Verkehrsverband Oberelbe (VVO) sträubt sich gegen jede Diskussion mit den Böhlaern. SZ sprach mit Andrea Poike, Sprecherin der Bürgerinitiative.
Frau Poike, seit einem halben Jahr bemühen sich die Böhlaer darum, dass die Züge wieder in Böhla halten, statt nur durchzufahren. Haben Sie schon etwas erreicht? Wir haben seit Anfang Juli mehrfach an den VVO geschrieben und die verantwortlichen Leute eingeladen, nach Böhla zu kommen. Wir wollten mit ihnen die ganze Geschichte noch einmal diskutieren, schließlich pendelten vor der Schließung täglich über zwanzig Böhlaer nach Dresden bzw. Großenhain. Der Bedarf ist also da. Einmal wurde die Einladung wegen Urlaubs abgesagt. Dann wollte der VVO eine Gemeinderatssitzung abwarten. Das war im August. Aber auch danach ist es zu keiner Zusage gekommen.
Stattdessen wurde der Bürgermeister Ernst-Georg Rendke nach Dresden eingeladen und dieser hat der Bürgerinitiative angeboten, mitzukommen. Warum haben sie das Gespräch abgelehnt? Der Termin war zu kurzfristig. Am Mittwoch vergangener Woche rief der Bürgermeister uns an und sagte, dass er am Freitag einen Termin beim VVO in Dresden hätte. Ein bis zwei Mitglieder der Bürgerinitiative könnten mitkommen. Wir haben abgesagt, weil wir der Meinung sind, dass so ein Gespräch mit allen Betroffenen in Böhla stattfinden müsste. Wir sind gesprächsbereit, aber wir wollen uns nicht zu zweit in Dresden abspeisen lassen.
Am Dienstag voriger Woche war in Großenhain ein Infomobil vom VVO vor Ort. Waren Mitglieder der Bürgerinitiative dort? Ja, aber es war sinnlos. Die fünf Vertreter vor Ort konnten uns nicht sagen, ob man beim VVO überhaupt darüber nachdenkt, die Züge wieder halten zu lassen. Stattdessen erzählte man uns etwas von zu hohen Kosten, die entstehen, wenn der Zug hält. Wir von der Bürgerinitiative sind dem nachgegangen und haben herausgefunden, dass der VVO eine Kilometerpauschale an die Bahn bezahlt und keine Kosten bei einem Halt entstehen.
Aber für den parallelen Busverkehr, den der VVO jetzt anbietet, entstehen Kosten? Genau, und das ist Geldverschwendung. Bei einer Fahrzeit von 60 Minuten nach Dresden mit Umsteigen in Moritzburg kann von Alternative keine Rede sein.
Also haben sie bis jetzt insgesamt nichts Konkretes erreicht. Besteht denn überhaupt noch Hoffnung, dass in Böhla wieder Züge halten? Zumindest hat der Gemeinderat im August den Beschluss gefasst, das Anliegen der Bürgerinitiative zu unterstützen. Und Hoffnung haben wir auch. Anfang November wird bundesweit der Fahrplan nochmals verändert. Bis dahin wollen wir es geschafft haben, den VVO davon zu überzeugen, dass der Halt in Böhla wichtig ist. Wir sehen ja, was jetzt los ist. Unsere Kinder müssen früh viel eher aus dem Haus, damit sie pünktlich in der Schule sind. Abends fährt der letzte Bus in Dresden kurz vor sieben Uhr ab.
Wie will die Bürgerinitiative weiter verfahren? Wir erwarten, dass die Verantwortlichen hier erscheinen. Die Einladung steht, wir haben auch den Landrat und den Bürgermeister eingeladen. Wenn der VVO nicht reagiert, werden wir über weitere Aktivitäten beraten. Es fragte: Annett Liebe

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