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Wo der meiste Unterricht ausfällt

An vielen Schulen in Bischofswerda und Umgebung hat sich die Lage verbessert. Aber optimal ist sie nicht.

Von Ingolf Reinsch und Madeleine Siegl-Mickisch

Auf einer elektronischen Tafel vor der Cafeteria des Goethe-Gymnasiums Bischofswerda können sich Schüler informieren, welche Unterrichtsstunden ausfallen, Ferien wie jetzt natürlich ausgenommen. Im ersten Halbjahr gab es an dieser Schule wieder mehr Ausfall. Das geht aus jetzt veröffentlichten Zahlen des sächsischen Kultusministeriums hervor. Im Landkreis Bautzen insgesamt ist dagegen die Zahl der Ausfallstunden gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012/13 zurückgegangen – von rund 31 600 auf 27 500 Stunden. Ein Trend lässt sich weder aus dem einen noch dem anderen Fakt ableiten. Denn Sachsens Schulen wurden zu Schuljahresbeginn genauso viele Lehrer zugewiesen wie sie brauchen, um den Unterricht abzudecken. Fällt ein Lehrer aus, gibt es personelle Löcher. Eine Analyse.

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Grundschulen: Spannbreite von 0,1 bis 4,7 Prozent Ausfall

Die meisten Grundschulen in der Region Bischofswerda meldeten im ersten Schulhalbjahr weniger Unterrichtsausfall als andere sächsische Schulen. Als eigenen Erfolg will sich das aber kein Schulleiter an die Fahne heften. „Wir hatten einfach nur Glück, dass kaum einer unserer Lehrer krank gewesen ist“, sagt Uwe Barkow, Leiter der Grundschule Goldbach.

Doch es gibt auch Sonderfälle. Einer ist die Dr.-Alwin-Schade-Grundschule in Putzkau mit nur 0,1 Prozent Unterrichtsausfall. Weil die dritte Klasse zum Großteil nach Neukirch wechselte, gibt es in Putzkau einen Lehrerüberhang. So können Stunden leicht vertreten werden. Darüber hinaus setzt die Bildungsagentur Putzkauer Pädagogen an anderen Schulen ein, wo gerade ein Lehrer gebraucht wird. Zum Beispiel an der Grundschule Süd in Bischofswerda. Dort gibt eine Lehrerin aus dem Nachbarort seit November Englisch. „Wir sind über diese Hilfe sehr froh“, sagt Schulleiterin Iris Manzow. Mit 4,7 Prozent Ausfall markiert die Schule in Bischofswerda Süd das andere Extrem. Hauptgrund sind zwei Langzeitkranke seit Ende vergangenen Jahres. Für die fünf Klassen gibt es, einschließlich Schulleiterin, sieben Stammlehrer. „Wir haben keinen Lehrerüberhang“, sagt Iris Manzow. Sie ist derzeit nicht nur Schulleiterin, sondern auch Klassenlehrerin.

Einen anderen Grund hat der Ausfall an der Grundschule Demitz: Schulleiter Bernd Gärtner und eine Lehrerin fehlen mitunter, weil sie an Qualifizierungen teilnehmen. Vier Lehrer plus Schulleiter unterrichten vier Klassen. Personelle Reserven gibt es auch an dieser Schule nicht. Zu den vom Kultusministerium gemeldeten 74 Ausfallstunden entgegnet Bernd Gärtner: 55 Stunden wurden fachgerecht vertreten.

Oberschulen: Rückgang in Bischofswerda und Neukirch

Mit 4,1 Prozent Unterrichtsausfall liegt die Oberschule Bischofswerda über dem Landesdurchschnitt. Trotzdem ist das Ergebnis besser als ein Jahr zuvor. Damals hatte sie 5,2 Prozent abgerechnet. Grund ist auch hier, dass Lehrer krank sind. „Das uns zugewiesene Kontingent erlaubt keine Vertretungsstunden“, sagt Schulleiter Harald Hahn. Den neuen Pool von Vertretungslehrern – sachsenweit stehen dafür 108 Pädagogen zur Verfügung – sieht er kritisch. Fällt ein Lehrer für längere Zeit aus, würde sich das lohnen. In den meisten Fällen sei der Aufwand aber zu hoch. „Im Schnitt ist ein Kollege ein bis zwei Wochen krank. Dafür lohnt es sich nicht, einen Vertretungslehrer zu beantragen“, sagt Harald Hahn.

An der Oberschule „Am Valtenberg“ in Neukirch ist der Schulausfall in nur einem Jahr von 9,9 auf 2,0 Prozent gesunken. Hauptgrund ist eine bessere Ausstattung mit Lehrern als in vergangenen Jahren – auch weil in Neukirch ab diesem Jahr wieder durchgehend von der fünften bis zur zehnten Klasse unterrichtet wird. Schulleiter Michael Hubrich: „Mit 22 Lehrern sind wir in diesem Schuljahr gut aufgestellt.“

Gymnasium: Gute Abi-Ergebnisse schlagen Ausfall-Statistik

Rund 60 Lehrer unterrichten am Goethe-Gymnasium Bischofswerda – „eine sehr dünne Personaldecke“, wie Schulleiter Bodo Lehnig sagt. Trotzdem gebe es im Lehrplan einen zeitlichen Puffer, der bei Ausfall Schülern und Lehrer zugutekommt: Ein Schuljahr hat 42 Unterrichtswochen. Der Lehrplan ist aber – bei allen Schularten – auf 30 Wochen ausgelegt. Die anderen zwölf Wochen sind eine Reserve, die im Optimalfall genutzt werden kann, um den Stoff zu vertiefen, aber auch Projekte durchzuführen. Trotzdem, diese zeitliche Reserve ist schnell weg, sagt Bodo Lehnig. Lehrer handeln „sehr verantwortungsbewusst“, um den Ausfall zu begrenzen. „Es gibt Kollegen, die melden sich früh krank und übermitteln noch Arbeitsaufgaben für die Schüler, was sie eigentlich nicht tun müssten“, sagt der Schulleiter. Wichtiger als die Ausfallstunden sind für Bodo Lehnig die jährlichen Abiturergebnisse, bei denen die Schüler zeigen, was sie gelernt haben. „Und dort stehen wir sehr gut da“, so der Leiter des Gymnasiums.Auf ein Wort