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Wo die Stasi feierte

Bei einer Führung durch die Gedenkstätte Bautzner Straße wird am Donnerstag auch der Festsaal vorgestellt.

© Steffen Füssel

Von Bettina Klemm

24 Jahre ist es her, doch Herbert Wagner erinnert sich ganz genau. Am 5. Dezember 1989 hatten Dresdner Bürger die Stasi-Zentrale auf der Bautzner Straße besetzt. Herbert Wagner und Arnold Vaatz hatten eigentlich nur zu einer Demonstration an der Bautzner Straße aufgerufen. „Ich habe nicht erwartet, dass daraus die Besetzung wurde. Schließlich hat uns Dresdens Stasichef Generalmajor Horst Böhm seine Waffe übergeben“, sagt Wagner. Wenig später hat sich Böhm vergiftet.

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Der frühere Oberbürgermeister leitet heute die Stasi-Gedenkstätte. „Mehr als zwei Millionen Euro wurden für die Sanierung der Gedenkstätte ausgegeben“, sagt er. Am Donnerstag lädt die Gedenkstätte ab 10 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Um 11 und um 14 Uhr führen Schüler das Theaterstück „Freigang“ auf. Um 12 Uhr wird der Dokumentarfilm „Feindberührung“ gezeigt, in dem Opfer und Stasi-Spitzel aufeinandertreffen.

Um 17 Uhr bieten der Architekt Knut Hauswald und der Kunsthistoriker Robert Schaal eine Exklusivführung durch das Haus an. Sie steht unter dem Titel „Wo die Stasi feierte und Akten entstanden“. Dabei werden hauptsächlich das Erdgeschoss und der Festsaal gezeigt. Später soll im Saal auch ein Modell des selbstgebauten Flugzeuges von Michael Schlosser zu sehen sein. 1983 wollte er damit aus der DDR fliehen, wurde aber verraten. Das Büro von Generalmajor Böhm, das im Original erhalten blieb, soll aber erst zur offiziellen Einweihung im nächsten Frühjahr gezeigt werden. Dafür werden noch Gegenstände gesucht, die die Stasi zu Arbeits- oder Dekorationszwecken genutzt hat. Die Stasi-Gedenkstätte ist auch an privaten Fotos, Videos und Tagebucheinträgen, die bei der Besetzung der Stasizentrale entstanden sind, interessiert. Am Abend informiert Detlef Vreisleben um 19 Uhr in seinem Vortrag über die Abhörtechniken der Stasi.

Am sanierten Stasigebäude wird Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) um 15.30 Uhr eine Gedenktafel des Dresdner Revolutionswegs enthüllen. Die Fläche davor ist bereits gepflastert, Platten für den Boden und die Wand vorbereitet. Auf der Gedenktafel ist ein Foto von jenem 5. Dezember 1989 an der Bautzner Straße zu sehen. Darauf steht: „Ich will meine Akte“. Am Abend zuvor wird übrigens ebenfalls eine Gedenktafel am Schauspielhaus enthüllt. „Wir treten aus unseren Rollen heraus“ wird darauf stehen.