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Wo ein Name ist, ist auch ein Weg

Läden, die über Generationen von einer Familie geführt werden, sind selten. Die SZ stellt einige vor. Heute Folge VII: Brück & Sohn

Von Josephine Kotsch

Ein Name verpflichtet. Der Name Brück ganz besonders. Bereits 1793 gründete der Buchbindermeister Carl Friedrich August Brück ein Ladengeschäft und einen Verlag in der Burgstraße. Jede der Generationen übergab das Geschäft an den Sohn. Dietmar Brück jedoch an seine Tochter Annette. In der Familiengeschichte ist sie damit die erste Frau: seit 1987 leitet sie in der siebten Generation den Kunstverlag und das Geschäft.

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Nach ihrer Hochzeit, hieß Annette Brück zunächst Annette Donath. „Zu DDR-Zeiten war es ja nicht möglich, dass der Mann den Namen seiner Frau annimmt“, erzählt die 50-Jährige. Nach der Wende ergab sich mit einem neu geschaffenen Gesetz die Möglichkeit, dies zu ändern. „Wir hatten Glück, das Gesetz galt nur für ein Jahr. 1994 haben mein Mann, ich und unsere beiden Kinder den Namen Brück angenommen“, sagt sie.

Den Vater als Vorbild

Ihr Vater Dietmar Brück musste 1971 mit ganz anderen Gesetzen fertig werden. „Das war ein schlimmes Jahr. Natürlich wurde versucht, uns zu verstaatlichen“, sagt Annette Brück. Dem Vater gelang es trotz allem, der Enteignung zu entgehen. Bereits seit 1963 bestand eine enge Geschäftsbeziehung zur Firma Celloware in England. Diese ließ im Kunstverlag Brück & Sohn Tabletts mit verschiedenen Motiven bedrucken. „Es war eigentlich eine Freundschaft zwischen dem englischen Kaufmann und meinem Vater. Aber dieser Export brachte Devisen. Mein Vater hat damals einfach gesagt, wenn sein Betrieb verstaatlicht wird, hört er auf. Danach hat uns der Staat in Ruhe gelassen“, sagt sie.

Annette Brück lernte zunächst Druckformhersteller, einen Beruf, den es heute schon nicht mehr gibt. „Mein Vater delegierte mich zu dieser Ausbildung, die ich aber in einem anderen Betrieb machte“, sagt sie. Später absolvierte sie noch eine Fotografenlehre. Die Geschäftsphilosophie ihres Vaters habe sie übernommen. „Es ging ihm immer darum, die Firma nach vorne zu bringen“, so Annette Brück.

Den Opa als Seelenverwandten

Zu ihrem Großvater, Walter Brück, habe sie ein sehr herzliches Verhältnis gehabt. „Als ich ein kleines Kind war, saß er mit einem Stock an seinem Schreibtisch und war sehr beschäftigt. Nur für mich hat er jede Arbeit unterbrochen. Zusammen sind wir immer in die Milchbar gegangen“, so Annette Brück. Er hätte es von allen Generationen am schwersten gehabt. Während zweier Weltkriege, der Weltwirtschaftskrise und der Inflation kämpfte Walter Brück darum, seine Firma am Leben zu erhalten.

„Jede Generation meiner Familie hat etwas gehabt, das sie über die Jahre begleitet hat“, sagt Annette Brück. In den ersten beiden Generationen seien es Kalender gewesen, die dritte und vierte Generation druckten Postkarten. Annette Brück hat die Adventskalender für sich entdeckt. „Als ich geboren wurde, hat mein Vater einen kleinen Kalender von Meißen angefertigt. Diese Idee habe ich wieder aufgegriffen“, sagt sie. 1998 erschien dann ein Adventskalender vom Dresdner Strietzelmarkt; die erste Auflage war bereits nach zwei Wochen ausverkauft. Im Laufe der Jahre spezialisierten sich die Brücks auf historische Städteansichten, wie zum Beispiel Bremen, Wien, oder Freiberg. Dazu fahren sie in die Städte, um mit den Einwohnern zu sprechen und Informationen zu sammeln. Die Motive gestalten Maler der Porzellanmanufaktur; was sich hinter den Kästchen verbirgt, denkt sich Annette Brück selbst aus. „Ich baue regionaltypische Dinge ein. In Meißen steht vor dem Rathaus ein Goldesel, hinter dem Zimmer des Bürgermeisters kommt eine Strickliesel hervor“, sagt sie.

Das Büro von Annette Brück sieht aus wie eine Gemäldegalerie: die Poträts von ihren Vorfahren nehmen eine ganze Wand ein. „Mein Ziel ist es jetzt, die Firma sicher in die achte Generation zu bringen denn meine Tochter will den Verlag und das Geschäft weiterführen“, sagt sie.