SZ +
Merken

Wo Sachsens König einkehrte

Langebrück. Im Gasthof „Zur Post“ werden Moderne und Tradition vereint. Um 1900 war er Stammlokal der Wettiner.

Teilen
Folgen

Von Katja Gläss

Wer im Langebrücker Gasthof „Zur Post“ einkehrt, dem dürfte schon bei der Einrichtung auffallen, dass er in keiner gewöhnlichen Gaststätte gelandet ist. Ein alter Briefkasten an der Wand, die Hörner des Postkutschers hängen über der Tür. Spätestens aber bei Postkutscherpfanne oder dem Postmeisterschmaus dämmert dem Gast: Der Name ist hier Programm.

Königsfamilie kehrte ein

Das Gebäude in der Dresdner Straße 9 wurde 1883 für den Gastwirt Moritz Claus erbaut und am 25. Dezember des Jahres eröffnet. Neben den Gasträumen befand sich im Gebäude auch die erste Postfiliale des Ortes. Nach der Verlegung der Filiale diente das Haus nur noch als Gaststätte „Zur Post“ und war bald das führende Haus in der Heide.

Die Einkehr war um 1900 Stammlokal des letzten sächsischen Königs Friedrich August III, der in der Freizeit oft in der Heide weilte und mit seiner Familie nicht selten auch in Langebrück Halt machte. Nach 1945 wurde die Gaststätte, in der sich 1945 übrigens auch der bekannte Langebrücker Nicodéchor gründete, vom Konsum weitergeführt und 1990 geschlossen.

Wiedereröffnung 1993

Seit 1993 befindet sich in dem Gebäude wieder ein Lokal, welches mit historischen Requisiten rund um die Post ausgestaltet wurde. Schon zum Einzugsschmaus gab es Briefmarkensuppe und einen Postkutschersnack für die Gäste. Postalisch ist es bis heute geblieben. „Wir wollen Moderne und Tradition miteinander verbinden“, sagt Wirtin Ursula Krug, die die Gaststätte gemeinsam mit Ehemann Wieland führt. Sohn Oliver bedient als Kellner die Gäste, Freundin Andrea steht am Herd.

Den früheren Charakter des Hauses versucht die Familie mit Ausstattung und Gerichten nachzuahmen. So zeugen nicht nur Postutensilien von der gewichtigen Geschichte, sondern bis hinein in den angrenzenden kleinen Saal, der vor allem für Familien- oder Vereinsfeiern genutzt wird, auch Gewehre, Geweihe und viele alte Fotos. Eines zeugt von einem Stammtisch der Geschäftsleute, an dem sich in den 1920er Jahren frühere Forstmeister, Ärzte, Künstler oder Bürgermeister trafen. Das ist freilich heute nicht mehr so. Die Geschichte aber lebt im Gasthaus fort.