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Dresden

Wöhrl-Plaza wird zum Hotel

Ins Kaufhaus auf der Prager Straße kommen zu wenige Kunden. Gereist dagegen wird immer, sagt der Eigentümer.

Markante Sandsteinfassade und hoher, schmaler Eingangsbereich: Das zeichnet die Wöhrl-Plaza auf der Prager Straße 8 aus.
Markante Sandsteinfassade und hoher, schmaler Eingangsbereich: Das zeichnet die Wöhrl-Plaza auf der Prager Straße 8 aus. © René Meinig

Eines der prägnantesten Gebäude der Prager Straße soll umgebaut werden. Die Pläne dazu wurden am Freitag in der Gestaltungskommission präsentiert. Heute wird im Wöhrl-Kaufhaus auf sechs Etagen hochwertige Kleidung verkauft. Doch nach Ansicht des Eigentümers des Gebäudes, der DC Values Investment Management GmbH & Co. KG, kommen zu wenige Kunden ins Haus, die oberen Etagen wirkten regelrecht leer.

Langfristig sei eine reine Einzelhandelsnutzung nicht wirtschaftlich, sagte Eigentümervertreter Kevin Collins. Die Kunden kauften zunehmend im Internet ein. Doch für den Immobilienfonds müssten langfristig gute Einnahmen gesichert werden. Gespräche mit mehreren namhaften Hotelbetreibern hätten ergeben, dass sie Dresden nach wie vor als attraktiven Standort sehen und Interesse an der Betreibung eines Hotels hätten, so Collins.

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Patrick Hesse vom beauftragten Dresdner Büro Stellwerk Architekten erläuterte den Mitgliedern der Gestaltungskommission die Pläne. Danach soll das Gebäude, das heute eigentlich nur über den Haupteingang an der Prager Straße zu betreten ist und sich lang und schmal nach hinten erstreckt, nach allen Seiten geöffnet werden. „Die Stadtverwaltung plant ein neues Verwaltungszentrum auf dem Ferdinandplatz, sodass auch dieser Bereich künftig viel belebter sein wird“, sagte Hesse. Dort soll ein Hoteleingang entstehen.

An den langen Seiten des Riegels zur Trompeterstraße und zum Rundkino sind rasterartige Fensterfronten für die einzelnen Hotelzimmer vorgesehen. Die bisherige Sandsteinfassade soll durch neue Materialien, die Hesse nicht benannte, ergänzt werden. Ein neues Erscheinungsbild soll auch die prägnante Stirnseite zur Prager Straße erhalten. Das soll über mehrere Fenster passieren, die eingefügt werden. Vorgesehen ist auch, das Staffelgeschoss auf dem Dach zur erhöhen, um dort weitere Zimmer zu gewinnen. Die Raumhöhe ist derzeit nicht ausreichend. Zur Nutzung sagte Hesse, dass im Erd- und Untergeschoss weiter Einzelhandel geplant ist, sich darüber aber ausschließlich das Hotel befinden soll.

In der Gestaltungskommission ging man zunächst aber gar nicht auf architektonische Fragen ein. Denn der Architekt der Wöhrl-Plaza, Holger Just, hatte sich in einem Brief an das Gremium gewandt und das Recht auf seine Urheberschaft eingefordert. Das Gebäude war damals immerhin Ergebnis eines Wettbewerbes und habe zudem einen Architekturpreis erhalten. „Jetzt ist doch die Frage, ob da möglicherweise Schadensersatzforderungen im Raum stehen“, sagt Thomas Kaup von der Kommission. Es wäre doch niemandem geholfen, wenn hier ein jahrelanger juristischer Streit beginne, und das Haus am Ende noch leer stünde.

Collins sagte dazu, dass man Holger Just mehrfach zu Gesprächen eingeladen, der aber nie einen Termin gefunden hätte. Das stellte der Architekt auf SZ-Nachfrage aber anders dar. „Ich habe darum gebeten, die Entwürfe sehen zu können. Das wurde abgelehnt. Aber natürlich muss ich als Urheber einbezogen werden, wenn die Wöhrl-Plaza verändert werden soll“, sagte er.

Die Gestaltungskommission forderte den Eigentümer auf, Kontakt zu Just aufzunehmen und sich abzustimmen. Patrick Hesse sagte, dass er sich in seiner Transformation des Gebäudes bemüht habe, dem Entwurf in Material und Anpassung zu entsprechen. Doch das reichte der Gestaltungskommission nicht. Es sei ein sehr großer Eingriff in das Gebäude, der jetzt geplant ist. „Respektieren Sie zumindest das Gesicht zur Prager Straße, was viele Leute kennen“, sagt Thomas Kaup von der Gestaltungskommission.

Kevin Collins führte noch einmal aus, dass man etwas unternehmen müsse, damit das Gebäude auch in Zukunft noch genutzt werden könnte. Als bundesweiter Investor habe er schon einige 1A-Lagen erlebt, die innerhalb von fünf Jahren nicht mehr funktioniert haben. Und das sei hier vorauszusehen, auch wenn Wöhrl noch gar nicht signalisiert habe, aus dem Haus auszuziehen. In der Dresdner Filiale war am Freitag auf SZ-Anfrage niemand zu sprechen. Auch die Zentralverwaltung in Nürnberg verweist darauf, dass erst am Montag wieder Ansprechpartner da seien.

Nach dem Zeitplan der DC Values Investment Management GmbH & Co. KG soll bereits im Herbst ein Pachtvertrag mit einem Hotelbetreiber abgeschlossen werden. Die Gespräche dazu liefen sehr erfolgversprechend. Außerdem habe man analysiert, dass auf dem Dresdner Hotelmarkt noch Luft ist. Vor allen Dingen viele Kurzreisende kämen hierher. Wie lange der Umbau dauern wird, sei noch nicht klar. „Aber ich möchte eins noch mal betonen: Die jetzige Fassade ist für einen Einzelmieter gebaut, was dann nicht mehr der Fall sein wird. Deshalb haben wir uns ein Dresdner Büro gesucht, dass uns bei der Transformation hilft“, sagte Collins.

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Barbara Hutter von der Gestaltungskommission schätzte ein, dass der Wöhrl-Bau mit dem Umbau eine Profanisierung erfahre. „Vor allem die Stirnseiten sollten interessanter gestaltet werden.“ All diese Hinweise werde man jetzt aufnehmen, versicherte Patrick Hesse. Es sei gut, dass Dresden so ein Gremium habe, wo man Dinge im Vorfeld besprechen könne.

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