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Wölfe töten über 200 Nutztiere

Die Zahl der Angriffe in Sachsen ist 2018 gestiegen. Einige betroffene Halter warten noch auf Entschädigung.

In Förstgen bei Niesky wurden im Oktober knapp 60 Schafe und Ziegen von Wölfen gerissen. Schäfer Felix Wagner musste die Kadaver beseitigen. Insgesamt fielen 2018 in der Oberlausitz über 200 Nutztiere Wölfen zum Opfer.
In Förstgen bei Niesky wurden im Oktober knapp 60 Schafe und Ziegen von Wölfen gerissen. Schäfer Felix Wagner musste die Kadaver beseitigen. Insgesamt fielen 2018 in der Oberlausitz über 200 Nutztiere Wölfen zum Opfer. © André Schulze (Archiv)

Bautzen. Ein Kadaver nach dem anderen landete auf der Ladefläche. Dutzende tote Schafe und Ziegen mussten Mitarbeiter der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ in Förstgen bei Niesky Anfang Oktober 2018 entsorgen. Wölfe hatten die Vierbeiner gerissen, die als tierische Landschaftsschützer arbeiten und dafür sorgen, dass wertvolles Heide- und Grünland nicht zuwuchert.

75 Tiere hat die Naturschutzstation durch den Wolfsangriff verloren. Inzwischen konnte der Bestand wieder auf knapp 500 Tiere aufgebaut werden, vielleicht werden noch Moorschnucken angekauft, sagt Annett Hertweck, Leiterin der Naturschutzstation. Noch ist offen, ob es für die verlorenen Vierbeiner eine Entschädigung vom Land Sachsen gibt. Derzeit sind die Tiere übrigens im Stall und sicher. Wenn sie wieder ins Freie kommen, will die Station, die auch 2017 Tiere verloren hatte, sie mit Nachtpferchen vor weiteren Wolfsangriffen schützen. Dafür beantrage man Fördermittel.

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Der Riss von Förstgen war der größte im vergangenen Jahr. Insgesamt gab es 132 Meldungen über Wolfsangriffe auf Nutztiere im Freistaat. So viele hat das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ für 2018 bislang aufgelistet. Das sind 25 mehr als im vergangenen Jahr. In 83 Fällen wurde der Wolf als Verursacher sicher festgestellt oder nicht ausgeschlossen. Zudem befinden sich laut Kontaktbüro noch 14 Fälle in Bearbeitung. Dafür sind die jeweiligen Landratsämter zuständig.

Den statistischen Daten zufolge wurden 232 Tiere getötet und 50 verletzt. 28 Tiere sind vermisst. In den Landkreisen Bautzen und Görlitz war der Wolf für 43 Angriffe auf Nutztiere sicher oder vielleicht verantwortlich, wobei für neun Fälle die Überprüfung noch läuft. Für den Bautzener Kreis wurden bislang 101 vom Wolf getötete Tiere ermittelt. Im Kreis Görlitz traf es 105 Tiere tödlich.

Unterstützung für den Herdenschutz

2017 gab es in ganz Sachsen 107 Meldungen über Vorfälle, Dabei wurden 202 Schafe, Ziegen und andere Tiere getötet, 28 verletzt. 46 gelten als vermisst. Bei den Vorkommnissen, in denen der Wolf als Verursacher sicher feststeht oder nicht ausgeschlossen werden konnte, zahlt Sachsens Umweltministerium eine Entschädigung an die Tierhalter. Einige Anträge werden noch bearbeitet. Außerdem unterstützt das Land den Herdenschutz finanziell.

Sachsen kann auch Geld zahlen, wenn in Folge eines Wolfsangriffs auf Schafe, Ziegen, Gatterwild und andere Zwei- und Vierbeiner Sachschäden entstehen. Wenn beispielsweise Zäune zerstört werden oder vom Wolf aufgescheuchte Schafe ein Feld zertrampeln. Allerdings muss dafür immer der Einzelfall geklärt werden.

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Regina Walther, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband, geht davon aus, dass gegebenenfalls auch die Betriebshaftpflicht des Tierbesitzers greift, wenn durch sein Vieh anderen ein Schaden entsteht. Wie viele solcher Schäden Tiere anrichten oder angerichtet haben, die von Wölfen aufgescheucht worden sind, dafür gebe es keine belastbaren Zahlen. Die seien aber nötig, um Fragen von Entschädigungen in solchen Fällen einmal grundsätzlich zu klären