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Wohnen im Ballsaal

Die ersten Mieter sind in den ehemaligen Gasthof an der Dohnaer Straße gezogen. Etwas später als eigentlich erwartet.

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Von Sarah Grundmann

Die ehemals bröckelige, graue Beton-Fassade erstrahlt jetzt in Orange-Braun, Balkone wurden angebracht. Auch von innen ist das ehemalige Ballhaus an der Ecke Kleinlugaer/Dohnaer Straße nicht wiederzuerkennen. Noch im vergangenen Jahr zeigten sich dort durchlöcherte Decken und eingeschmissene Fensterscheiben. Jetzt ist davon keine Spur mehr. Denn Uwe Herrmann, Chef des Bauträgers Ventar, hat das Lugaer Gebäude saniert. Erst kürzlich sind die ersten Mieter eingezogen – allerdings etwas später als ursprünglich erwartet.

Das ehemalige Ballhaus an der Ecke Kleinlugaer/Dohnaer Straße ist kaum wiederzuerkennen. Jahrelang stand es leer, nun wurde das historische Gebäude saniert. Fotos: Ventar (2)
Das ehemalige Ballhaus an der Ecke Kleinlugaer/Dohnaer Straße ist kaum wiederzuerkennen. Jahrelang stand es leer, nun wurde das historische Gebäude saniert. Fotos: Ventar (2)

Denn auch ein sanierungserfahrener Immobilienexperte wie Herrmann, der in Dresden schon etliche historische Gebäude wieder in Schuss gebracht hat, ist nicht auf alles vorbereitet. „Die Decke war in einem katastrophalen Zustand, das Dach von einem Pilz befallen“, sagt der Ventar-Chef. So konnten die Mieter nicht – wie ursprünglich geplant – im April einziehen. Herrmann stand auch noch vor weiteren Herausforderungen. Besonders die Restaurierung vom Treppenhaus und der historischen, verschnörkelten Ballsaaldecke war sehr aufwendig. In Feinarbeit ist es aber gelungen, etwas von dem früheren Charme zu bewahren.

Zwangsarbeiter hausten dort

1900 wurde der Gasthof an der Dohnaer Straße gebaut. So sollte Luga sich zu einem vorstädtischen Tor zu Dresden entwickeln, das Image des verschlafenen Dörfchens ablegen. Doch der Plan des Wirtes ging nicht auf – die Gäste blieben aus. Deshalb wurden Gasträume und Ballsaal bereits 1933 wieder geschlossen. Dann kam ein düsteres Kapitel: 1942 wurden dort ukrainische Zwangsarbeiter untergebracht. Nach Kriegsende übernahm schließlich das Niedersedlitzer Sachsenwerk das Gebäude. Genutzt wurde es als Jugendklub, Kindergarten und von der Volkssolidarität. In den vergangenen Jahren stand das Gebäude allerdings leer und verfiel immer mehr.

2012 entdeckte schließlich Herrmann die Ruine. Dass dort keine Gastronomie mehr untergebracht wird, stand für den Ventar-Chef schnell fest. Stattdessen sollten es Wohnungen werden. Im Frühjahr 2014 ließ der Böblinger die Bagger anrollen, seit Kurzem ist das Gebäude fertig saniert – 4,5 Millionen Euro investierte er dafür. Insgesamt 20 Wohnungen mit 53 bis 108 Quadratmetern sind entstanden. Schmuckstück sind für Herrmann die Wohnungen im ehemaligen Ballsaal.

Dort wurde eine Zwischendecke eingezogen. Wo früher das Tanzbein geschwungen wurde, sind nun vier Loftwohnungen entstanden. Teile der Decke können die Bewohner noch immer sehen. „Mit dem Denkmalschutzamt haben wir vereinbart, etwas davon zu erhalten“, sagt Herrmann. Restauratoren kümmerten sich in monatelanger Arbeit darum, die filigranen Stuckelemente wieder herzurichten. Nun sind die ersten Mieter eingezogen, sieben Wohnungen sind allerdings noch frei – darunter auch eine im einstigen Ballsaal.

Für Herrmann ist die Sanierung von historischen, verfallenen Gebäuden kein Neuland. Vor Jahren hat seine Firma sich darauf spezialisiert. Auch in Dresden hat sie schon etliche Häuser aufgehübscht. Erst im vergangenen Jahr wurden ein Dreiseithof in Luga und eine ehemalige Möbelfabrik in Niedersedlitz fertiggestellt. Momentan kümmert sich der Investor um sechs Vorhaben in der Landeshauptstadt, auch im Süden ist er bald wieder aktiv. Denn auf der Lugturmstraße möchte Herrmann einen Dreiseithof sanieren. Die drei Häuser an der Ecke zur Staatsstraße stehen schon seit Längerem leer, dort sind 19 Wohnungen geplant. Demnächst startet der Verkauf, danach rollen die Bagger an.