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Löbau

Wohnpark für Senioren wächst

In Seifhennersdorf sind bald die ersten barrierefreien Wohnungen fertig. Damit wird nun eine Idee Wirklichkeit, die es schon 20 Jahre gibt.

Bauherr Thomas Oertner und Architektin Friederike Cieslak freuen sich über den Baufortschritt ihres Projekts.
Bauherr Thomas Oertner und Architektin Friederike Cieslak freuen sich über den Baufortschritt ihres Projekts. © Matthias Weber

Irgendwer muss doch ein Taschenmesser einstecken haben! Friederike Cieslak macht sich auf die Suche. Denn bevor die Architektin mit den Gästen zum Richtfest anstoßen kann, müssen erst mal irgendwie die Korken entfernt werden. Friederike Cieslak findet auch für das Problem mit den Weinflaschen eine Lösung - genauso wie jetzt eine Lösung für das Problem vieler älterer Menschen in Seifhennersdorf wächst. Wohin im Alter? Auf diese bange Frage gibt es jetzt eine Antwort in der Grenzstadt: ins Grenzlandhaus. Investor Thomas Oertner baut an der Rumburger Straße in Seifhennersdorf eine Wohnanlage für Betreutes Wohnen, Architektin Friederike Cieslak hat sie entworfen. Jetzt wurde Richtfest gefeiert, denn der Rohbau steht. 

Aber braucht es wirklich noch eine neue Seniorenwohnanlage? Ja, ist Thomas Oertner überzeugt. "Barrierefreien Wohnraum gibt es bisher in Seifhennersdorf nicht", sagt er. Diese Lücke wollte er füllen. Zwar hat der Ort ein Pflegeheim. Aber ein Heim kommt für viele Senioren nicht infrage, ergänzt Architektin Friederike Cieslak. "Sie wollen ihre Unabhängigkeit in einer eigenen Wohnung behalten. Das können sie hier." Er vermiete barrierefreie Wohnungen mit der Möglichkeit, zusätzliche Dienstleistungen bei einem Pflegedienst zu buchen, erklärt Oertner. 

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Der Ansturm an Interessenten gibt Oertner und Cieslak recht. "Wir haben schon etliche Mietverträge abgeschlossen", berichtet der Bauherr. 26 Wohnungen für jeweils ein bis zwei Personen entstehen. Sie sind zwischen 36 und 44 Quadratmeter groß. "Wir hätten sie auch größer planen können", sagt Thomas Oertner. Das wäre dann aber zulasten der Gemeinschaftsräume gegangen - und das wollte der Bauherr nicht. Sein Konzept sieht vor, dass die Leute aus ihren Wohnungen rauskommen, sich treffen und zusammenkommen. Niemand soll im Alter alleine sein. Vier Gemeinschaftsräume hat die Wohnanlage, die alle besonders eingerichtet sein werden. Architektin Friederike Cieslak erklärt die Idee dahinter: "Es wird eine Bibliothek geben und eine Sportbar. Dort können zum Beispiel Fußballspiele gemeinsam geschaut werden." Außerdem wird ein Raum als Ausstellungsraum gestaltet, wo Künstler ihre Werke präsentieren können. Der vierte Gemeinschaftsraum wird ein Computer-Kabinett. 

Vor elf Monaten ist der erste Spatenstich gemacht worden. Anfangs zog sich der Bau etwas hin, große Erdmassen mussten auf der Abrissfläche einer ehemaligen Fabrik bewegt werden. In den letzten Wochen ging aber alles ganz fix und nun steht der Rohbau. "Wir hatten Glück mit dem Wetter", sagt die Architektin und schaut in den strahlend blauen Herbsthimmel. So zügig soll jetzt auch der Innenausbau weitergehen, denn im Februar soll die Wohnanlage am Grenzlandhaus fertig sein. 

Potenzielle Mieter: die neue Wohnanlage stieß zum Richtfest auf großes Interesse bei den Senioren aus Seifhennersdorf. Sie ließen sich die künftige Raumaufteilung erklären. 
Potenzielle Mieter: die neue Wohnanlage stieß zum Richtfest auf großes Interesse bei den Senioren aus Seifhennersdorf. Sie ließen sich die künftige Raumaufteilung erklären.  © Matthias Weber

Die Wohnungen sind zwar klein, haben aber alle einen großzügigen Ausblick nach draußen und auch einen Balkon oder zumindest einen kleinen Freisitz. Das war der Architektin wichtig. Auch ein wichtiger Aspekt: Alle Appartements sind Zwei-Raum-Wohnungen. Der Bauherr hat im Vorfeld eine Umfrage gemacht, die ergab: Künftige Mieter wollen lieber ein separates Schlafzimmer. 

Wie die beiden langgestreckten Gebäude von außen aussehen werden, hat die Architektin mit der Denkmalschutzbehörde genau besprochen. Denn das benachbarte Grenzlandhaus, das Oertner ebenfalls bereits sanieren ließ, steht unter Denkmalschutz. Und der Neubau soll dem liebevoll restaurierten Denkmal schließlich nicht die Show stehlen. Ein zartes Beige werden die neuen Gebäude als Fassadenfarbe erhalten. 

Seit 20 Jahren schon gibt es die Idee, auf dem Gelände einer ehemaligen Textilfabrik neben dem Grenzlandhaus Betreutes Wohnen zu bauen. Denn viele Ältere wohnen allein. "Das ist wirklich ein Problem", weiß auch der Seifhennersdorfer Apotheker Henrik Wintzen, der in seiner Branche viel mit den älteren Einwohnern zu tun hat. "Wenn die Leute zum Beispiel im dritten Stock wohnen, die kommen einfach nicht mehr aus ihrer Wohnung." Deshalb sei das Bauprojekt mitten im Ort ein Segen. Vor allem in dieser Lage. Seine Apotheke ist nur 150 Meter entfernt. Weitere Einrichtungen sind ähnlich nahe: Bäcker, Sparkasse, Volksbank, das Rathaus, die Kirche mit dem Friedhof, der Zahnarzt, die Physiotherapie. Und mehrere Hausärzte sind in direkter Nachbarschaft: Gabriele Hosang praktiziert auf dem gleichen Grundstück im historischen Grenzlandhaus. Gegenüber auf der anderen Straßenseite soll das Medizinische Versorgungszentrum von Katharina Varga entstehen, die bisherige Praxis der Ärztin ist ebenfalls nicht weit entfernt. 

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