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Wolf, Wild und Wissenschaft trifft auf Nieskyer Waidmänner

Der Hegering Nieskyer Heide hat sich einen Rotwildexperten eingeladen, um auch Infos zum Wolf zu erhalten. Doch der hat nicht auf alle Fragen Antworten.

Wenn Mark Nitze von der Dresdner Uni hier über Rotwild spricht, kommt das Thema immer auf den Wolf. Denn der frisst auch Hirsche und Kahlwild, also das weibliche Rotwild. Und das ist teuer. Denn Jäger hegen und pflegen das Rotwild über viele Jahre in ihren Revieren – bevor es auf dem Teller landet und Geld in die Kasse des glücklichen Schützen spült.

Für Jäger des Hegerings Nieskyer Heide hat Mark Nitze deshalb sein Projekt über die Telemetrierung des Rotwildes vorgestellt, das er zwischen Weißwasser und Niesky, Klitten und Rothenburg mit Peilsendern ausgestattet hat. Die gute Nachricht für besorgte Rotwildjäger: Ausgewachsenes Rotwild wehrt sich durchaus erfolgreich gegen Wölfe. „Die haben sich an den Räuber gewöhnt – und können gut mit dem Wolf leben“, betont Mark Nitze. Die Wölfe vermeiden nämlich laut Mark Nitze Ärger mit ausgewachsenem Rotwild, um nicht verletzt zu werden. „Denn ein verletzter Wolf kann nicht jagen – was sein Todesurteil sein kann.“

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Der Wissenschaftler Mark Nitze ist seit über 20 Jahren selbst Jäger. Neben dem Rotwild erforscht er auch Dam- und Muffelwild. Seine Fähigkeiten sind zudem bei der jüngsten Elchmarkierung gefragt gewesen. Als nämlich ein aus Polen eingewanderter Elch im Dresdner Siemens-Gebäude pausiert hat, ist es Mark Nitze gewesen, der den Riesen besendert hat. „Dem Elch geht's gut, er ist wieder nach Polen gewandert, so Nitze. Während jedoch der Elch eher eine seltene Erscheinung ist, gehört für viele Jäger der Wolf zum Alltag. Und an dieser Stelle wird es auch für die Hegering-Mitglieder kritisch. Sie beobachten in der Natur, dass sich das Verhalten der Wildtiere ändert. Wo es früher viele Rehe gegeben hat, sind sie heutzutage selten. Für den Telemetrierungsexperten Mark Nitze ist das nicht ausschließlich auf die Anwesenheit des Wolfes zurückzuführen. „Auf die Populationen wirken viele Faktoren – von Feldbewirtschaftung bis Tourismus“, so Mark Nitze. Vergleichsstudien legen bestenfalls nahe, dass sich Wildtiere gut ein Jahr lang scheu verhalten, wenn sich ein Wolfsrudel in dem Gebiet etabliert. Danach folgt es alten Mustern – und lebt mit dem Wolf.

Für die Mitglieder des Hegerings Nieskyer Heide ist die Unterscheidung der Wildarten beim Thema Wolf von besonderem Interesse. So gilt als bislang wenig erforscht, wie Rehwild – das erheblich kleiner und schwächer als Rotwild ist, auf die Anwesenheit des Wolfes reagiert. Zudem sind die Analysen zum Fressverhalten der Wölfe kaum übertragbar. Forscher Mark Nitze: „Wir wissen ja nicht, wie viel Wild tatsächlich in einem Gebiet lebt.“ Somit kann der Wolf viel Wild wegfressen – oder vergleichsweise wenig. Die Analyse der Wolfskotproben sind da nur bedingt aussagekräftig. Es gibt also Forschungsbedarf.

In der Diskussion der Nieskyer Hegeringmitglieder ist deutlich geworden: Die Ausübung der Jagd verändert sich stark. Offene Fragen sind: Welche Rolle spielen Wolfsrudel in der Kulturlandschaft? Wie kann die Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung für den Umgang mit dem Raubtier verbessert werden? Und zudem kritisieren Jäger, dass Regelungen zur Jagdausübung – von Pachtkosten bis Wildschadensregeln der Landwirte – bislang nicht an die Anwesenheit des Wolfes angepasst sind. (SZ/ws)

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